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The Workforce View in Europe 2019
Was Arbeitnehmer in Europa beschäftigt

Optimistisch, engagiert und auf Gleichstellung bedacht - so präsentieren sich derzeit die Arbeitnehmer in Europa. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie von ADP.

Text: W&V Redaktion

3. September 2019

Die europäischen Arbeitnehmer blicken eher optimistisch in die nähere berufliche Zukunft.
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Die Arbeitnehmer in Europa blicken alles in allem positiv in ihre berufliche Zukunft - auch wenn die Aussicht auf eine zunehmende Automatisierung und der bevorstehende Brexit für Unsicherheit sorgen. Noch aber dominieren die gute Arbeitsmarktsituation sowie das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten die Grundstimmung. Entsprechend selbstbewusst treten die Arbeitnehmer auf: Zwar zeigen viele eine hohe Leistungsbereitschaft. Doch immer mehr von ihnen fordern von den Unternehmen Fairness und Respekt am Arbeitsplatz für alle ein. 

Das sind die wesentlichen Ergebnisse der Studie The Workforce View in Europe 2019, die ADP, ein Anbieter von Services und Lösungen rund ums HR-Management, soeben vorgelegt hat. Für die Untersuchung wurden über 10.000 Arbeitnehmer in acht wichtigen Wirtschaftsgebieten Europas zu ihrer Einstellung zur aktuellen Arbeitswelt sowie den Erwartungen, die sie an ihren Arbeitsplatz der Zukunft knüpfen, befragt. Heraus kamen interessante Einblicke in ihre Gedankenwelt, Wünsche und Ziele.

Niederländer und Deutsche am zuversichtlichsten

Insgesamt sind mehr als drei Viertel der europäischen Arbeitnehmer (79 Prozent) in Bezug auf die nächsten fünf Jahre am Arbeitsplatz "sehr" oder "ziemlich" optimistisch. Der Anteil derer, die "sehr" optimistisch sind, stieg dabei um einen Prozentpunkt auf 26 Prozent. Am optimistischsten sind dabei die Niederländer (86 Prozent), dicht gefolgt von den Deutschen (85 Prozent), während die französischen Kollegen am pessimistischsten eingestellt sind, was die nächsten fünf Jahre am Arbeitsplatz angeht (27 Prozent).

Ein Fünftel der europäischen Arbeitnehmer ist besorgt über den Brexit, 56 Prozent rechnet mit erheblichen Veränderungen aufgrund von Automatisierung. Die Generation Y, die noch ihre gesamte berufliche Karriere vor sich hat, rechnet dabei mit den einschneidendsten Veränderungen.

Gleichzeitig ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bei den europäischen Arbeitnehmern überdurchschnittlich hoch: So geben neun von zehn Befragten an (89 Prozent), dass sie glaubten, die für den Erfolg ihrer Karriere benötigten Kompetenzen zu besitzen. Das ist eine Steigerung von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr, wobei ältere Arbeitnehmer in dieser Beziehung klar vorne liegen.

Jüngere akzeptieren kein Gender Pay Gap

"Wir leben in einer Zeit des Protests", heißt es weiter in der Studie. Bewegungen wie #MeToo und #TimesUp hätten gezeigt, dass Themen wie Gleichstellung weiter auf dem Vormarsch seien. So sind laut der Untersuchung gerade die jüngeren Generationen nicht mehr bereit, den Gender Pay Gap zu akzeptieren: Rund 60 Prozent der Mitarbeiter ziehen in Betracht, den Arbeitsplatz zu wechseln, sollten sie festellen, dass ihr Arbeitgeber Frauen und Männer ungleich bezahlt. Bei der Generation Y steigt dieser Wert sogar auf 75 Prozent.

In Deutschland stimmen rund 29 Prozent einer Offenlegung des Gender Pay Gap zu, wobei auch hier die Jüngeren fortschrittlicher sind: Mit 75,3 Prozent ist die Zustimmung unter den Millennials am höchsten.

Deutsche mit den meisten unbezahlten Überstunden

Fast zwei Drittel der Befragten (60 Prozent) gaben an, unbezahlte Überstunden zu machen. Im Schnitt kommen sie auf fünf Stunden in der Woche ohne Bezahlung. Fast jeder achte Arbeitnehmer (12 Prozent) glaubt sogar, mehr als zehn Stunden pro Woche ohne Entlohnung zu arbeiten. Offenbar stellen viele Arbeitgeber noch immer unrealistische Erwartungen an ihre Angestellten. Dabei ist Deutschland unrühmlicher Spitzenreiter auf diesem Gebiet: Hier gaben 71 Prozent der Befragten an, regelmäßig unbezahlte Überstunden zu leisten, bei elf Prozent sind es mehr als zehn Stunden in der Woche.

Auch bei den jüngsten Beschäftigten nehmen die unbezahlten Überstunden zu: So geben zehn Prozent der 16- bis 24-Jährigen an, mehr als zehn Stunden pro Woche ohne finanziellen Ausgleich zu arbeiten. "Es gibt einen Handlungsbedarf, um den Fokus von der Menge der geleisteten Arbeitsstunden auf die Qualität der Produktion zu verlagern", sagt Steven van Tuijl, Managing Director ADP Germany & Poland. "Dies geht zurück auf die übergeordnete Frage, wofür Mitarbeiter arbeiten. Wenn Überstunden wirklich notwendig sind, müssen die Arbeitgeber dafür sorgen, dass die zusätzlich Stunden belohnt und anerkannt werden."

Flexible Arbeitszeitmodelle und Vier-Tage-Woche werden immer beliebter

Zumal von einigen Arbeitnehmern sogar eine Reduzierung der Arbeitszeit gewünscht ist: Laut der Studie würden mehr als die Hälfte aller europäischen Arbeitnehmer eine Vier-Tage-Woche bevorzugen. 44 Prozent der Befragten würden unter Beibehaltung ihres Gehalts lieber an vier Tagen länger arbeiten. 13 Prozent würden gern nur vier Tage zu einem entsprechend reduzierten Gehalt arbeiten. Bei den Deutschen würden sich 54 Prozent für eine Vier-Tage-Arbeitswoche entscheiden, wobei 39 Prozent bei gleichem Gehalt die gleiche Arbeitszeit wie bisher auf vier Tage verteilen würden und 15 Prozent lieber weniger arbeiten und dafür auch weniger verdienen würden.

An Popularität verliert dagegen das freiberufliche Arbeiten. So ist die Zahl derer, die es erwägen, sich selbstständig zu machen, seit 2016 um elf Prozentpunkte auf 15 Prozent gesunken. Dagegen sagt fast die Hälfte der Arbeitnehmer (47 Prozent), das sie kein Interesse haben, sich selbstständig zu machen. 2017 sagten dies nur ein Drittel (32 Prozent). Darüber hinaus deutet sich auch ein leichter Anstieg bei der lebenslangen Beschäftigung von Arbeitnehmern in einem Unternehmen an: 27 Prozent der Befragten rechnen damit, für den Rest ihrer Karriere in der derzeitigen Firma zu bleiben. In Deutschland liegt dieser Wert sogar noch etwas höher bei rund 30 Prozent.

Psychische Probleme sind noch immer tabu

Trotz zahlreicher Aufklärungskampagnen ist das Thema psychische Gesundheit für viele Arbeitnehmer noch immer ein Tabu. In Deutschland würden mit 40 Prozent weniger als die Hälfte mit ihren Kollegen über ihre mentalen Probleme reden und nur ein Drittel würde sich befreundeten Kollegen anvertrauen. Rund 20 Prozent würden generell niemandem in ihrer Arbeitsstätte von psychischen Schwierigkeiten erzählen.

Bei der jüngeren Generation scheint sich die Einstellung in dieser Hinsicht aber zu ändern: Von den 16- bis 24-Jährigen würden sich 55 Prozent an befreundete Kollegen wenden, nur vier Prozent würden mit niemandem im Job darüber sprechen. Anders sieht es bei den über 45-Jährigen: Nur sechs bis sieben Prozent würden sich bei psychischen Gesundheitsproblemen an die HR-Abteilung wenden. Und nur sechs Prozent vertrauen ihrem Chef so sehr, dass sie mit ihm darüber sprechen würden.

"Mit Zahlen, die belegen, dass jeder vierte Mensch in seinem Leben an einer psychischen Erkrankung leidet, ist es besorgniserregend, wie viele Mitarbeiter sich nicht wohl fühlen würden, sich am Arbeitsplatz offen darüber zu äußern", erklärt Tuijl. "Psychische Gesundheitsprobleme sind häufig für Fehlzeiten am Arbeitsplatz verantwortlich und es gibt keinen Grund, warum sie nicht auf dieselbe Weise behandelt werden sollten wie körperliche Krankheiten und nicht als etwas, für das man sich schämen muss."

Die Befragungen zu The Workforce View in Europe 2019 fanden im Oktober 2018 statt. An der Untersuchung, die das Marktforschungsunternehmen Opinion Matters bereits zum vierten Mal im Auftrag von ADP durchgeführt hat, nahmen 10.585 erwerbstätige Erwachsene in Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen Spanien, der Schweiz und Großbritannien teil.

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