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Recruiting
Was ist ein Knast-O-Mat?

Spielerisch-locker zu geeigneten Bewerbern gelangen - Recruitainment ist groß im Trend. Nun setzt sogar das Ministerium der Justiz in NRW auf den Spieltrieb der Menschen und präsentiert den "Knast-O-Mat".

Text: W&V Redaktion

4. November 2019

Der Knast-O-Mat gibt eine erste Einschätzung, ob man für den Allgemeinen Vollzugsdienst geeignet ist.
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Mal ehrlich: Spaß ist so ziemlich das Letzte, das man mit dem Job eines Gefängnisaufsehers verbindet. Wobei sich wahrscheinlich die wenigsten überhaupt vorstellen können, wie dieser Beruf im Alltag tatsächlich ist. Aus genau dem Grund hat das Ministerium der Justiz in NRW nun den so genannten "Knast-O-Mat" online gestellt: Mithilfe dieses Tools können Interessenten auf spielerische Weise herausfinden, ob sie für eine Tätigkeit im Justizvollzug überhaupt geeignet sind, ganz nach dem Motto: "Ob du da reinpasst, findest du hier raus". Entwickelt wurde der Cultural-Fit-Konfigurator von der Personalberatung YeaHR.

Dabei erinnert das Tool nicht nur vom Namen her an den beliebten "Wahl-O-Mat": Auch der Knast-O-Mat ist ein reines Frage-Antwort-Spiel, wobei es als Antwortmöglichkeiten nur "Daumen hoch" oder "Daumen runter" gibt. Nach Beantwortung von 20 Fragen wie "Ist das Tragen einer Uniform im Job ein Problem für dich?", "Sind geschlossene Räume ein Problem für dich?" oder "Bist du ein Teamplayer?" kommen am Ende drei Ergebnistypen heraus: "Passt perfekt", "Passt vielleicht" und "Passt eher nicht".

Der Knast-O-Mat wurde nicht zum Spaß, sondern aus der reinen Not heraus entwickelt: Von insgesamt rund 6.400 Stellen im allgemeinen Vollzugsdienst sind über 400 nicht besetzt, sodass die Beamten und Tarifbeschäftigten hinter den Gefängnismauern mittlerweile bis zu 500.000 Überstunden angehäuft haben. Die bisherigen Versuche, neues Personal zu gewinnen, waren nicht besonders erfolgreich. "Das Recruiting in diesem Bereich war zuvor ausschließlich lokal und sehr analog geprägt", sagt Andreas Herde, Gründer und CEO von YeaHR. "Die 36 JVAs und 5 Jugendarrest-Anstalten in NRW haben jede für sich ihre Anzeigen in Zeitungen und Co. geschaltet."

Ungeeignete Kandidaten werden im Vorfeld de-selektiert

Abhilfe soll nun eine groß angelegte Recruitingkampagne des Justizministeriums schaffen, in deren Rahmen speziell für den Bereich "Arbeiten im Justizvollzug" der Knast-O-Mat geschaffen wurde. Dieser soll nicht nur die Zahl, sondern und vor allem auch die Qualität der Bewerbungen in die Höhe treiben, indem er hilft, "die richtige Kandidaten-Zielgruppe genauer zu identifizieren und so Streuverluste zu minimieren", erklärt Herde. Wer also mithilfe des Knast-O-Maten schon mal feststellt, dass es für ihn ein großes Problem wäre, während des Dienstes im Gefängnis aus Sicherheitsgründen auf sein Smartphone verzichten zu müssen, der wird sich höchstwahrscheinlich gar nicht erst bewerben. Oder er geht zumindest mit einer anderen Erwartungshaltung in das Bewerbungsgespräch hinein.

Aber, wie jedes dieser Recruitainment-Spiele hat auch der Knast-O-Mat seine Grenzen: "Diese Tools sind nach unserer Überzeugung ausschließlich dazu geeignet, sich einem Job oder einer Tätigkeit spielerisch, kurzweilig und vor allem schnell grob anzunähern", betont Herde. Mehr würden diese Instrument dann doch nicht leisten. "Zu glauben, diese könnten die klassischen Instrumente der HR-Abteilungen wie persönliche Gespräche oder Assessment-Center ersetzen, ist unrealistisch. Alles, was länger als fünf Minuten dauert, um sich damit freiwillig zu beschäftigen, ist aus unserer Sicht kontraproduktiv."

Bauzaunplakate werben für die Arbeit im Allgemeinen Vollzugsdienst

Der Knast-O-Mat scheint zumindest den richtigen Nerv getroffen zu haben: Schon drei Stunden nach der offiziellen Pressekonferenz mit Justizminister Peter Biesenbach lag die Klickrate für die Google Ads bei 35 Prozent und bei den Stellenanzeigen bei Indeed bei 24 Prozent.

Um auf das Tool aufmerksam zu machen, setzt YeaHR eine interaktive Bannerkampagne sowie zielgruppenspezifische Stellenanzeigen auf den üblichen Online-Stellenbörsen, unterstützt durch eine Google-SEA-Kampagne sowie Facebook-Ads ein. Zudem stehen den einzelnen JVAs für ihren jeweiligen Standort Bauzaunbanner, Postkarten und Roll-Ups zur Verfügung, die sowohl im öffentlichen Raum als auch bei Recruiting-Veranstaltungen oder Job-Messen eingesetzt werden können.

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