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Job-Porträt
Was macht eigentlich ... ein Agile Project Manager?

Beharrlichkeit statt Bullshit-Bingo ist die Devise von Sabine Götz beim E-Commerce-Dienstleister Shopmacher. Wenn sie es schafft, die Umsätze zum Fliegen zu bringen, hat sie auch mal Kribbeln im Bauch.

Text: Anonymous User

27. Juli 2020

Sabine Götz, Shopmacher.
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Name: Sabine Götz

Position: Agile Project Manager

Alter: 38

Ausbildung: Kauffrau für Marketing

Unternehmen Shopmacher E-Commerce

Was machen Sie?

Ich bin Agile Project Manager bei einer Spezialagentur für den Auf- und Ausbau von E-Commerce Plattformen. Für meine Kunden agiere ich – weil wir nach Scrum arbeiten – als Product Owner, nach innen gerichtet ist die Aufgabe bei uns als Dienstleister im Multiprojekt-Umfeld etwas umfassender. Deshalb nennen wir es Agile Project Manager.

Im Kern besteht meine Aufgabe darin, die fachlichen Anforderungen meiner zwei Kunden an ihre Plattformen zu erfassen, zu hinterfragen und so in die technische Sprache unserer Entwicklungsteams zu übersetzen, damit genau die Features gebaut werden, die meine Kunden haben wollen – und zwar so, dass sie auch wirklich den gewünschten Nutzen stiften. Am Ende ist es ganz banal: Ich helfe meinen Kunden, ihre Produkte möglichst erfolgreich zu verkaufen. Deswegen verbringe ich auch viel Zeit mit Business-Analyse: Ich checke regelmäßig, ob die Features, die wir gebaut haben, auch tatsächlich den gewünschten Impact auf die definierten KPI - insbesondere meist den Umsatz - der Shops haben und leite daraus Optimierungsvorschläge ab, die wiederum in die neuen Anforderungen meiner Kunden fließen. Ich steuere quasi einen niemals endenden Optimierungskreislauf.      

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team?

In erster Linie als Übersetzer. Ich bin Teil eines Entwicklungsteams, vertrete im Team aber die Interessen meiner Kunden. Ich übersetze die Kundenanforderungen per User Story in "Entwicklungssprache".

Für meine Kunden bin ich wiederum der zentrale Ansprechpartner für alle Wünsche und Anforderungen. In gewisser Hinsicht bin ich auch Teil von deren Teams. Ich bin auch oft beim Kunden vor Ort. Ich muss ja verstehen, was hinter einer Anforderung steckt und welches Resultat sie sich wünschen. Eine häufige Frage ist das WARUM? Warum wollt ihr diese Funktion, was versprecht ihr euch davon usw.? Meistens ist das klar, manchmal fallen mir aber auch direkt bessere Wege ein, das zu erreichen. Oder – wenn nicht mir – unseren Entwicklungsteams, wenn ich ihnen erklären kann, was dahinter steckt. Am Ende müssen alle an einem Strang ziehen, damit ein Shop besser werden kann. Meine Rolle ist, das zu moderieren. 

Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Angefangen habe ich meine berufliche Laufbahn als Online-Marketing- und -Media-Spezialist in der klassischen Werbung in den 2000er Jahren. Damals waren die einzelnen Disziplinen des E-Commerce noch stärker ausdifferenziert und ich habe gelernt, Maßnahmen zur Absatzförderung im E-Commerce zu entwickeln. In dieser Rolle bin ich auch zu meinem aktuellen Arbeitgeber gekommen. Inzwischen haben aber alle gelernt, dass du Technologie im E-Commerce nicht sinnvoll entwickeln kannst, wenn du die Absatzziele nicht verinnerlicht hast. So bin ich praktisch Teil eines Technik-Teams geworden. Online verkaufen konnte ich schon vorher, die Technik habe ich mir nachträglich draufgeschafft – und jetzt bin ich eben Übersetzer, der diese Welten verbindet.

Welche Eigenschaft hilft Ihnen im Alltag am meisten? Warum? 

Vermutlich eine gewisse Beharrlichkeit. Ich will verstehen, wie die Dinge zusammenhängen, und ich gebe nicht auf, bis ich es verstanden habe. Ich gebe mich nicht mit oberflächlichem Bullshit-Bingo zufrieden, weil ich finde, in der Sache hilft das niemandem, wenn du messbare Ergebnisse erzeugen sollst. Also bohre ich nach – bei meinen Kunden genauso wie bei meinen Entwicklungsteams, die allerdings mittlerweile auch schon viel mehr aus Kundensicht denken und arbeiten. Ich glaube, das war und ist für beide manchmal anstrengend – aber ich glaube und hoffe, beide wissen das am Ende auch zu schätzen, weil es uns alle besser machen soll.

Schildern Sie möglichst anschaulich ein Projekt, das Sie besonders begeistert hat.

Das Schöne an meinem Job ist ja, dass unser Erfolg messbar ist. Im vergangenen Jahr haben wir für einen meiner Kunden einen Konfigurator entwickelt, weil das Produkt an sich über die typischen Bausteine eines Online-Shops nicht so gut zu verkaufen ist. Dem Ganzen ging eine recht umfassende Analysephase voraus – wir waren zunächst mal nur mit dem "Problem" konfrontiert und haben dann geschaut, was der Wettbewerb macht, was in vergleichbaren Branchen funktioniert und dann diese Idee ausgeheckt und vorangetrieben. Die Entwicklung war recht aufwändig und hat vergleichsweise lange gedauert – und als der Konfigurator live war, sind die Umsätze wirklich sprunghaft angestiegen. Wenn du dann in die Analytics-Daten guckst und das siehst, dann bekommst du schon Kribbeln im Bauch. Ich jedenfalls.

Was ist Ihnen in Ihrem Job am wichtigsten? Was macht am meisten Spaß?

Eigentlich wie in den vermutlich meisten Jobs: Es geht um Wirksamkeit. Wenn du offensichtlich wirksam bist, mit dem, was du tust, dann ist das sehr befriedigend. Wenn du dir den A… aufreißt und am Ende nichts dabei herauskommt, schiebst du Frust. Dass ich nur im Team mit Kunden und Kollegen diese Wirksamkeit erreichen kann, ist aus meiner Sicht selbstverständlich. Daher ist die typische Floskel "Teamwork" für mich auch eher eine Art Bullshit-Bingo. Natürlich Teamwork – was sonst?

Mein Job ist unverzichtbar, weil …

Software – ganz egal welche – langfristig nur durch agile Methoden effektiv weiterentwickelt werden kann. Hersteller wissen das schon lange. In Agenturen – mit verschiedenen Kunden und Projekten – ist es schwieriger, dieses Vorgehen im Alltag zu etablieren. Ich glaube, wir haben mit unserer Interpretation meiner aktuellen Rolle einen guten Weg gefunden, der Händlern und Agentur gleichermaßen Mehrwert stiftet. Das ist großartig.

Wenn Sie kein Agile Project Manager wären, was wären Sie dann?

Vermutlich Übersetzer. Nein, Spaß! Wenn ich mir ansehe, was heute meinen Arbeitsalltag prägt, wäre ich vermutlich im diplomatischen Dienst gut aufgehoben. Da geht es ja auch darum, unterschiedliche Interessen und Erwartungen zu hinterfragen, zu verstehen, zu übersetzen – und im Sinne des Wohles aller in Einklang zu bringen. Das ist es eigentlich, was ich tagtäglich tue.   


Autor: W&V Redaktion

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