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BBC-Viralhit
Wenn Kinder die Karriere stören

Das putzige Video mit dem BBC-Professor, der von seinen Kindern beim Live-Interview überrascht wird, ging schnell viral. Dabei zeigt es ein Dilemma: Eine Mutter würde in dieser Situation als unprofessionell abgestempelt.

Text: W&V Redaktion

13. März 2017

Stören Kinder im Job?
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Kinder stören im Job. Kinder lassen sich nicht planen, am allerwenigsten dann, wenn man es gerade überhaupt nicht brauchen kann. Dieses leidige Thema vieler Frauen in Deutschland, hat auch der britische Politik-Professor Robert Kelly erfahren. In einem Live-Interview mit der BBC platzten seine Kinder unangemeldet ins Zimmer. Kelly versuchte diese Kinder noch blind von der Kamera wegzuschieben, blieb aber erfolglos. Die alarmierte Mutter musste die beiden dann schließlich einfangen und aus dem Zimmer ziehen. Das Video ist über das Wochenende viral gegangen: 12,5 Millionen Klicks versammelt es auf Youtube allein.

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Doch das Dilemma mit Kindern im Homeoffice dürfte vielen Müttern bekannt vorkommen. Denn schnell ist bei einer ähnlichen Situation, wenn die Kinder ein wichtiges Gespräch stören, die Grenze zum vermeintlich Unprofessionellen überschritten. Nicht ganz zu Unrecht moniert "Stern"-Redakteurin Susanne Baller, dass die Reaktion auf eine Frau in der gleichen Situation eine ganz andere gewesen wäre: Hier wäre eher ein verbissener Shitstorm zu erwarten gewesen. Entweder wäre die Frau wahlweise als unprofessionell oder als schlechte Mutter dargestellt worden.

Das schlechte Mutter-Argument ist mindestens ein Faktor, warum Frauen heute immer noch in Teilzeit-Beschäftigungen festhängen. Nur zehn Prozent der Frauen mit Kindern unter drei Jahren arbeiten Vollzeit in ihrem Beruf, hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Oftmals herrscht in vielen deutschen Familien noch das Modell, dass der Mann Hauptverdiener ist. Und auf sehr lange Sicht auch bleibt.

Dabei wollen die Frauen auch nach der Rückkehr in ihrem Beruf nicht immer nur Teilzeit arbeiten. Neun von zehn Beschäftigten wollen nach einer Befragung von Stepstone nämlich die Möglichkeit haben, aus der Teilzeitarbeit später in eine Vollzeitstelle zurückzukehren. Schätzungen von Stepstone zufolge beläuft sich die Anzahl der Frauen, die unter den richtigen Voraussetzungen in Vollzeit arbeiten würden, allein unter Fach- und Führungskräften auf bis zu 1,5 Millionen.

Die Studie zeigt auch: 28 Prozent der befragten Frauen haben fest vor, in Zukunft eine Führungsrolle zu übernehmen. Knapp 60 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten glauben, dass sie auch mit weniger Stunden gute Chefinnen sein können. Knapp zwei Drittel der weiblichen Fachkräfte haben nach der Rückkehr andere Aufgaben erfüllen müssen als zuvor – 28 Prozent üben seitdem weniger anspruchsvolle Tätigkeiten aus. Dass die Unterbrechung der Berufstätigkeit ihrer Karriere geschadet hat, meint mehr als die Hälfte der Frauen. Das hat auch finanzielle Folgen: 60 Prozent rechnen langfristig mit negativen Auswirkungen auf ihr Gehalt.

Insofern offenbart die Diskussion um den Viralhit der BBC tatsächlich ein Dilemma in Deutschland. Stern-Redakteurin Baller stellt nicht zu Unrecht die Feststellung auf, dass eine Mutter mit diesem Video einen unverdienten Shitstorm geerntet hätte: "Weil Frauen immer noch zuerst Mütter sein müssen, auch wenn sie ihren Job machen. Auch 2017 noch."

Die BBC indessen reagiert gelassen auf die TV-Panne. Im Gegenteil, die Briten freuen sich an der Viralität ihres Clips und haben eine Liste weiterer aufsehenerregender Pannen aus ihrem Netzwerk zusammengetragen. Unprofessionalität jedenfalls wird dem gestressten Professor keiner vorwerfen.

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