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Gastbeitrag
Wie sich Frauen von falschen Karriere-Glaubenssätzen befreien

Schluss mit mentalen Barrieren - die Trainerin Julia Sobainsky hat analysiert, weshalb Frauen es so schwerfallt, Führungspositionen einzunehmen und gibt ihnen fünf Tipps an die Hand.  

Text: W&V Redaktion

22. November 2019

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Die neue SAP-Vorstandsfrau Jennifer Morgan hat die deutsche Wirtschaft in Aufruhr und Verzückung versetzt. Die Wochenzeitung Die Zeit verglich die positive Aufregung um Deutschlands erste DAX-Vorständin gar damit, als sei im Zoo ein Eisbärenbaby geboren worden. Warum aber sind Frauen in Top-Positionen so selten? Vermutlich, weil sie durch ihr Verhalten selbst dafür gesorgt haben.

Barriere im Kopf

Karriere-Frauen sind zwar fachlich exzellent, haben aber oft die mentale Barriere im Kopf, das Selbstbild einer gläsernen Decke, an die sie stoßen. Dies aber sind Fesseln, die sie ablegen müssen. Frauen sollten sich nicht als benachteiligt ansehen, sich beim beruflichen Werdegang als Frau nicht als Opfer oder Randgruppe wahrnehmen. Sondern einfach voraussetzen, dass Frau alle Karrierewege offen stehen, genauso wie jedem Mann.

Vielmehr sollte man sich schlichtweg als Individuum ansehen, das Karriere machen möchte – und das dabei nicht abhängig ist vom Arbeitgeber, dem Boss, Kollegen oder der Gesellschaft. Entscheidend ist, sich als die einzige, allein verantwortliche Kraft dafür zu sehen, voranzukommen. Aus diesen Gründen ändern auch extra Frauenprogramme, Förderprojekte oder Quoten nichts. Vielmehr zementieren sie den Opferstatus.

Jede Frau sollte den Gedanken, es aufgrund ihres Geschlechtes nicht zu schaffen, immer ersetzen durch: "Es ist leicht, ich habe Freude daran, die ganz große Karriere zu machen. Die Menschen um mich herum unterstützen mich." Es gibt Frauen, die haben mit dieser Einstellung in einem halben Jahr drei Karrierestufen genommen. Dieser Dreh ins Positive ist bedeutsam, sich eben darauf zu konzentrieren, wer mir persönlich etwas Gutes will und wer mich unterstützt – und nicht, gegen wen ich kämpfen muss, um voranzukommen. Was nicht passieren sollte: Dieses typische, auf Ehrgeiz getrimmte Verhalten, das genau aus der Opferrolle heraus agiert und hinter dem die Angst steckt, an der Glasdecke stecken zu bleiben. Wie aber schafft frau es, ihre Haltung zu ändern?

Hier sind fünf Maßnahmen:

1. Sich selbst wertschätzen: Jeden Tag, idealerweise abends, sollte man sich vergewissern, wofür man arbeitet. Was habe ich falsch gemacht und was gut? Diese – regelmäßige – Analyse hilft, den Dingen und eigenen Stärken besser auf den Grund zu gehen.

2. Neutrale Sichtweise einnehmen. Überlegen Sie: Was möchte ich wirklich? Was will und kann ich anders machen? Die Betonung liegt hier auf "ich"! Nicht, was können andere für mich tun oder wie bringe ich andere dazu, eine bestimmte Reaktion zu zeigen – der Fokus liegt ganz auf "mir". Denn ich kann andere und ihr Verhalten nicht verändern. Beispiel: Wenn ich mich über die Auseinandersetzung mit einem Kollegen geärgert habe, oft bis in den Abend hinein, so hilft dies nie weiter. Vielmehr sollte man sich fragen, wie ich am besten auftrete, beispielsweise eine Gegenfrage zu stellen oder cool zu bleiben. Also nicht auf andere gucken, sondern seinen Weg gehen.

3. Verantwortung übernehmen. Jede ist für sich und ihr Verhalten zu 100 Prozent selbst verantwortlich, niemand sonst. Nicht der Chef oder die Umstände sind an irgendetwas schuld. Ich habe das Heft des Handelns selbst in der Hand. 

4. Erfolge feiern. Wir haben es verlernt, auch die kleinen Dinge wertzuschätzen. Dabei kann jeder Tag einen Meilenstein darstellen, dessen wir uns bewusst sein sollten. Unser Gehirn ist auf Belohnung ausgerichtet und diese sollten wir uns – bei kleinen und großen Erfolgen – gönnen. Arbeit muss Spaß machen und man soll sich stets vergegenwärtigen, was man erreicht hat. 

5. Dankbarkeit ausleben. Aus dem vierten Punkt ergibt sich, Dankbarkeit zu kultivieren. Das heißt, sich beispielsweise jeden Abend hinzusetzen, nachzudenken und am besten aufzuschreiben, wofür man dankbar sein könnte. Das können auch banal erscheinende Dinge sein, wie dass das Kind gesund ist, man eine schöne Abendstimmung erlebt hat oder ein tolles Auto vor der Tür steht. Ähnlich wie beim vorangegangenen Punkt gilt: Nur wer sich dieser Punkte bewusst wird, kann einen Draht zu sich und seinen Bedürfnissen finden und selbstbewusst und mit reiner Seele auftreten.

All diese Schritte führen dazu, die grundsätzliche Herangehensweise an Karriere zu ändern und sich als starkes, selbstbestimmtes, alleinverantwortliches Individuum zu fühlen, das seinen Weg geht. Und das Beste dabei ist: Das gilt auch für Männer, denn die Herausforderung ist eine Generelle. Schließlich landet auch nicht jeder Mann im Dax-Vorstand.

Julia Sobainsky, Coach

Die Autorin: Julia Sobainsky hat in mehr als 20 Jahren zahlreiche Führungskräfte mit ihrer Firma Pro Charisma
gecoacht. Außerdem ist sie als Autorin zum Thema Charisma und Mindset aktiv.

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