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Konsolidierte Paketzustellung
Anregung der Deutschen Post: Ein Paketdienst pro Straße

"Es ist nicht mehr zeitgemäß und nicht gut für die Luft, wenn in dieselbe Straße fünf, sechs verschiedene Paketzusteller vorfahren": Post-Betriebsratschef Thomas Koczelnik hält einen einzigen Dienstleister pro Zustellgebiet für sinnvoll. Die Konzernspitze sieht es ähnlich.

Text: W&V Redaktion

2. Januar 2020

Seit einiger Zeit setzt die Deutsche Post auf ihren umweltfreundlichen Elektrotransporter Streetscooter.
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Ein Paketzusteller pro Straße reicht. Das zumindest findet Deutsche-Post-Betriebsratschef Thomas Koczelnik. Gegenüber der dpa hat sich der Arbeitnehmervertreter jetzt für Fahrten eines einzigen Dienstleisters in jedem Zustellgebiet ausgesprochen. Als Begründung nennt Koczelnik eine umweltschonende Paketzustellung. Er schließt sich damit der Meinung des Post-Vorstandes an. 

In der sogenannten konsolidierten Zustellung würde eine Firma die Pakete von ihren Wettbewerbern übernehmen und gegen Entgelt zustellen. "Es ist nicht mehr zeitgemäß und nicht gut für die Luft, wenn in ein und derselben Straße fünf, sechs verschiedene Paketzusteller vorfahren und ausliefern", sagte der Post-Betriebsratschef Thomas Koczelnik der Deutschen Presse-Agentur. Eine konsolidierte Zustellung würde den Schadstoffausstoß senken.

Wegen des boomenden Online-Handels wächst der Paketmarkt seit langem, immer mehr Menschen lassen sich Klamotten oder Elektronik zuschicken anstatt sie im Laden zu kaufen. Zugleich gewinnt die Diskussion darüber an Schärfe, die Paketbranche wegen des Schadstoffausstoßes und der Verkehrsbelastung härter an die Kandare zu nehmen. 

Dass sich die Deutsche Post für eine solche Lösung ausspricht, verwundert kaum: Bereits seit einiger Zeit setzt sie auf ihren umweltfreundlichen Elektrotransporter Streetscooter, während die Konkurrenz in Sachen E-Mobilität noch hinterherhinkt.

Es ist also davon auszugehen, dass sich das Bonner Unternehmen, das in der deutschen Paketbranche einen Umsatzanteil von 44 Prozent innehat und damit mit großem Vorsprung Marktführer ist, einen Wettbewerbsvorteil verspricht.

Bundesnetzagentur soll mehr eingebunden werden

Bei den Ausschreibungsverfahren sollten die Kommunen eingebunden sein, so der Gewerkschafter. Ihm schwebt bei dem Thema zudem eine starke Rolle der Bundesnetzagentur vor, die auch in anderen Bereichen den Netzzugang überwacht - etwa bei der Eisenbahn, bei der verschiedene Firmen dieselben Schienen nutzen. Auch in der Telekommunikation und im Gasmarkt nutzen Firmen mitunter dieselbe Infrastruktur. "Die Behörde kennt sich aus mit Netzzugängen - sie könnte auch beim Paketmarkt dafür sorgen, dass der Nutzen für die Allgemeinheit höher ist als jetzt."

Die Konkurrenz hält dagegen

Die Wettbewerber lehnen eine konsolidierte Zustellung ab. "Die Zustellfahrzeuge von DPD sind sehr gut ausgelastet", sagt ein Sprecher der Tochterfirma der französischen Post. Auf der letzten Meile - also auf dem Streckenabschnitt bis zur Paketübergabe - sei seine Firma sehr gut aufgestellt, so der Sprecher. Und er gibt zu bedenken, dass dieser Wettbewerbsvorteil bei so einem "Einheits-Dienstleister" nicht mehr zur Geltung käme. 

Er verweist zudem auf eine Studie des Bundesverbands Paket und Expresslogistik Biek, in dem sich die Post-Konkurrenten organisiert haben. Der Untersuchung zufolge würde eine konsolidierte Zustellung den Verkehr nur geringfügig entlasten.

Kopfschütteln gibt es auch bei Hermes. Eine Firmensprecherin moniert, dass eine konsolidierte Zustellung den Wettbewerb abbremsen würde - dies wiederum würde zu Lasten des Kunden gehen. Auch sie betont, dass die Hermes-Zustellfahrzeuge in der Regel voll beladen seien. Die Auswahl eines Paketdienstleisters für die letzte Meile würde also nicht weniger Verkehr auf den Straßen bringen, sagt sie.

Dass die Deutsche Post ein Interesse daran hat, dass bei der Ausschreibung zudem, wie von Thomas Koczelnik vorgeschlagen, mehr auf sozialverträgliche und umweltschonende Standards gesetzt wird, ist naheliegend. Denn der gelbe Riese würde vermutlich gut abschneiden.

Ob ein Dienstleister allein allerdings der immer größeren Anzahl an Paketen gerecht werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

Biek veröffentlichte im Dezember eine Prognose, die im Weihnachtsgeschäft 2019 mit schätzungsweise 355 Millionen Sendungen für private Endkunden und damit mit etwa sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum rechnete.

Um die Paketmengen meistern zu können, mussten die Firmen in dieser Zeit der Marktanalyse zufolge rund 25.000 zusätzliche Zusteller einsetzen.

Belinda Duvinage mit dpa


Autor: Belinda Duvinage

legt ein besonderes Augenmerk auf alle Marketing-Themen. Bevor die gebürtige Münchnerin zur W&V kam, legte sie unter anderem Stationen bei burdaforward und dem Münchner Merkur ein, leitete ein regionales Magazin in Göttingen und volontierte bei der HNA in Kassel. Den Feierabend verbringt sie am liebsten mit ihren drei Jungs in der Natur, auf der Yogamatte, beim perfekten Dinner mit Freunden oder, viel zu selten, einem guten Buch.

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