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Bilanz und Nachfolge
Bahlsen bröckelt und sucht einen CEO

Die Bilanzzahlen des Jahres 2019 sind eher schwach, nun macht auch noch die Nachfolgeregelung Sorgen. Keines der Familienmitglieder will die operative Führung des Keksherstellers aus Hannover übernehmen.

Text: W&V Redaktion

21. Januar 2020

Das Traditionsunternehmen Bahlsen hat 2018 rote Zahlen geschrieben. 2019 will der Kekshersteller wieder Gewinne einfahren.
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In großer Offenheit hat das Ehepaar Bahlsen im Handelsblatt Auskunft über seine Zukunftspläne gegeben. Die Familie stehe zusammen, sagen Susanne und Werner M. Bahlsen, aber führen will keines ihrer Kinder den Kekshersteller. Das ist neu. Auch die Erbin Verena Bahlsen, wie lange vermutet wurde, steht nicht zur Verfügung. Sie hatte sich jüngst mit Äußerungen zum Umgang des Unternehmens mit NS-Zwangsarbeitern diskreditiert. Ihr Vater Werner M. Bahlsen ist 2018 aus dem operativen Geschäft ausgeschieden. Warum keines der Familienmitglieder Verantwortung übernehmen will, kam nicht zur Sprache.

Das Unternehmen steht nicht gut da. Der Kekskonzern hat 2018 mit einem Verlust abgeschlossen. Unter dem Strich stand ein Minus von 3,3 Mio. Euro, wie aus dem Jahresabschluss hervorgeht, der im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. Der Umsatz ging demnach 2018 von rund 558,8 auf rund 545,1 Mio. Euro zurück. Angeblich waren die Handelsmarken dafür verantwortlich, die schlecht liefen. Das schreibt das Manager Magazin. Bahlsen weist das allerdings zurück. Und kündigt an, 2019 wieder einen ordentlichen Gewinn zu machen - trotz US-Sanktionen, trotz Brexit.

Vorständin Daniela Mündler geht

Dem Vorstand der Bahlsen-Gruppe gehören nach dem Ausstieg des Firmenpatriarchen derzeit drei Mitglieder an. Daniela Mündler, eine der drei Bahlsen-Vorstände, wird den Konzern zum 30. April auf eigenen Wunsch verlassen. Sie ist unter anderem für die Belieferung von Discountern mit Handelsmarken verantwortlich. Grund für ihren Abgang seien "unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung des Unternehmens". Das Unternehmen sucht derzeit nach einem CEO.

Die Suche nach dem neuen Chef zieht sich bereits seit einem halben Jahr hin: Die ganze Familie will mitbestimmen, wer künftig das Sagen hat. Keine einfach Aufgabe. Im Interview mit dem Handelsblatt gibt Werner M. Bahlsen auch unumwunden zu: "Bahlsen ist in vielen Bereichen durchaus speziell. Aber die Vorstellungen eines künftigen CEO müssen eben sehr synchron gehen mit den sechs Familienmitgliedern."

Bahlsen kündigte weitere Produktinnovationen an, um vor allem im Ausland zu wachsen. Im gesättigten deutschen Markt muss sich Bahlsen neuerdings gegen Ferrero behaupten, die ins Kekssegment eingestiegen sind.

dpa/cob

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