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Design
Chucks reloaded: Nike modernisiert den Converse-Klassiker

Fast 100 Jahre hat sich Converse Zeit gelassen, um seinen Bestseller, die 1917 erfundenen Chucks, in neuem Licht erstrahlen zu lassen. Doch was ist dran am Hype um Chuck II? Auf den ersten Blick recht wenig.

Text: W&V Redaktion

24. Juli 2015

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Das sind sie also, die Schuhe, von denen Eigentümer Nike glaubt, sie würden der Marke Converse zu "neuer" Popularität zu verhelfen. "Chuck II" heißen die Sneaker und sollen "der Beginn einer neuen Ära" sein". Zumindest behauptet das Jim Calhoun, der Geschäftsführer von Converse. Doch wogegen rebelliert das Unternehmen?

Rein optisch fehlt, zumindest auf den ersten Blick, von einem Durchbruch jede Spur. Okay, der schwarze Streifen auf der Sohle ist verschwunden, das Logo wird in Zukunft aufgestickt und ja, die Ösen sind jetzt farbig nicht mehr weiß. Außer bei weißen Schuhen. Aber ansonsten wirken die neuen Chucks wie das Original. Ungetragen versteht sich. Wer etwas auf sich hält, wartet bis das perfekte Weiß der Gummikappen einem Muster aus Staub und Matsch weicht, bevor er sie in alle Öffentlichkeit ausführt. Wenn es mal zu viel wird oder die Sneaker anfangen zu müffeln, landen sie eben in der Waschmaschine und das ganze beginnt von vorn. So war das schon immer.

Die sogenannten innovativen Produkt-Updates könnten dem Prinzip "Ein Schuh zum Heiraten" jetzt aber einen Strich durch die Rechnung machen. Denn: Das wahre Re-Design steckt in den Details. Das Fußbett, die sogenannte Lunarlon-Sohle, kommt von Nike, zu dessen Imperium Converse seit 2003 gehört. Dadurch soll der Schuh bequemer werden. Alles schön und gut, aber als ob James Dean oder Mick Jagger  Einlegesohlen gebraucht hätten? Nun gut, das ist noch nicht alles. Auch die Zunge, bislang ein rebellischer Stofflappen, der nie recht in der Mitte bleiben wollte, wird jetzt gefüttert und soll dadurch rutschfest sein. Ja, die Schuhe werden dadurch vielleicht sogar so schick, dass man sie problemlos zur Anzughose tragen kann. Doch ihr unangepasster Charakter geht dabei ein Stück weit flöten. Die allerallerschlimmste Änderung am Design aber ist Mikro-Wildleder-Futter, dass den Füßen mehr Luft zum Atmen lassen soll. Klar ist das eine tolle Sache. Das Waschen der Chucks hat aber auch einen tieferen Sinn: Es verbannt böse Erinnerungen. Versuchen Sie mal Wildleder in die Maschine zu schmeißen! Viel Spaß.

Warum also ruiniert sich Converse seine Kultschuhe? Weil sie dadurch, zwar nur ein kleines bisschen, aber immerhin, teurer verkauft werden können. Der Halbschuh II wird 75 Euro kosten, das Modell mit hohem Schaft II 80 Euro.

Was bleibt Fans der Marke also übrig? Hoffen, dass die Lieblings-Chucks noch viele Extrarunden in der Waschmaschine überleben. Wenn es ganz schlimm kommt (Stichwort: Glühbirne), dann muss es eben Horten sein.

Kommunikativ wird der Zweite übrigens mit einer weltweiten Kampagne (Agentur: Anomaly, Media: Initiative) beworben werden. Neben Online, auf den sozialen Netzwerken und am Point of Sale setzt Converse wie schon bei diversen Aktionen zuvor auch hier auf Großflächenplakate, etwa am Alexanderplatz in Berlin.

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