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Havas Corona Monitor
Der große Umbruch findet nicht statt

Zwar wächst die Angst vor dem Jobverlust, doch ist die Konsumbereitschaft weiter hoch. Und: Größere Verhaltensänderungen beispielsweise mit Blick auf Geschäftsreisen zeichnen sich nicht ab.

Text: W&V Redaktion

5. Mai 2020

Zum sechsten Mal hat Havas Media die Menschen zu Einstellungen und Verhaltensweisen im Kontext der Pandemie befragt.
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Wer seit etlichen Wochen lautstark der Meinung ist, Corona würde die Welt komplett auf den Kopf stellen und zu nachhaltigen Verhaltensänderungen führen, könnte sich am Ende getäuscht haben. Zumindest lässt die aktuelle Befragung von Havas Media diesen Schluss zu. Erneut wurden 500 Menschen im Alter von 14 bis 69 Jahren zu ihren Einstellungen wie Konsumgewohnheiten sowie -plänen in Zeiten von Corona befragt.

Was für die These spricht? Corona beschäftigt die Menschen weiterhin stark, allerdings besteht weniger Bedarf, sich mehrmals täglich darüber zu informieren als noch vor wenigen Wochen. Gleichzeitig steigt die Sehnsucht auf die Rückkehr zur "Normalität". Dazu gehören neben Restaurantbesuchen auch Freizeitbeschäftigungen wie Fußball. Die Pläne des DFL werden entsprechend positiv eingeschätzt. Und vieles andere mehr.

Noch ist die Mediennutzung hoch. Aber andere Länder haben gezeigt, dass sich mit Abflauen der Krise die Nutzung der diversen Medien sich wieder dem Vor-Corona-Zustand annähert.

Wenn es um die Glaubwürdigkeit von Informationenen geht, schneidet Social Media als Quelle weiter schlechter ab als die "Mainstream-Medien". Vor allem Facebook und Instagram haben hier verloren.

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Die Bereitschaft Geld auszugeben ist weiter vorhanden, heißt es. E-Commerce gewinnt weiter an Relevanz und vor allem Fashion-Produkte werden vermehrt online geordert. Aber generell geht die Kauflaune weiter zurück. Interessant allerdings, dass der Wert beim hochpreisigen Auto wieder leicht gestiegen ist. Vielleicht eine erste Reaktion auf die in Aussicht gestellten Kaufprämien.

Die Liebe des Deutschen zum Auto ist nach wie vor groß. Fast die Hälfte der Befragten können sich vorstellen ein Neufahrzeug zu kaufen, sofern es eine entsprechende Prämie gibt. Allerdings wissen noch viele Menschen zu wenig darüber, um sich zu entscheiden. Das wird sich in den kommenden Wochen wohl ändern.

Die Deutschen, ein Volk der Heimwerker und Gärtner - Baumärkte profitierten am meisten von den Lockerungen des Lockdowns. Viele andere Fachgeschäfte allerdings blieben weiter außen vor. Entsprechend verhalten war die Resonanz des deutschen Einzelhandels vor gut einer Woche. Vergangenes Wochenende indes klangen die Kommentare bereis weitaus positiver. Zumindest in Bayern.

Die ersten Schulen und auch Unis öffnen wieder. Auch Unternehmen fahren den Betrieb langsam wieder hoch. Gottseidank, möchte man sagen. Denn die digitalen Möglichkeiten fürs Lernen sind bei weitem nicht ausgeschöpft. Nur jeder vierte Befragte hat einen Ansprechpartner, der ihm bei technischen Problemen hilft. Weniger als ein Drittel der Studienteilnehmer gibt an, dass die Ausbildungsstätte entsprechend gut ausgestattet sei. Das heißt klar: bie mehr als zwei Dritteln der Unternehmen/Ausbildungs- und Lehreinrichtungen ist das nicht der Fall.

Warten auf die Zeit danach. Reisen und Bummeln stehen ganz oben auf der Wunschliste der jüngeren Menschen. Bei den älteren genießen Familie und Freunde die höchste Priorität.

Das überrascht: 26 Prozent der Befragten geben an, sie würden ihr Verhalten nicht ändern. Das betrifft offenbar weitgehend den privaten wie den geschäftlichen Bereich. Denn auch wenn es um die Nutzung von ÖPNV geht oder um Geschäftsreisen, wollen sich nur wenige Menschen umorientieren.

Studienfazit: Die Mediennutzung ist ungebrochen hoch – noch immer signifikant höher als vor Corona. Besonders die Gruppe der unter 30-Jährigen zeigt starke Zuwächse in der Mediennutzung. Fest steht: Medien in Zeiten von Corona haben nicht nur an Nutzung sondern auch an Aufmerksamkeit gewonnen.

Dennoch zeichnet sich eine leicht sinkende Tendenz in der verstärkten Nutzung ab. Ist Normalität in Aussicht? Das wünschen sich die Befragten in vielen Bereichen. Es soll endlich Ablenkung geben. Die Initiative der Medienpartner für die Bundesliga wird entsprechend sehr positiv aufgenommen. Auch in Bezug auf das "Hamstern" scheint Normalität eingetreten zu sein. Die Vorräte werden langsam aber sicher verbraucht.

Der Trend zu Onlineshopping sowie das Interesse an Kleidung kann weiterhin bestätigt werden. Der Ansturm auf die Geschäfte blieb den Ergebnissen zufolge jedoch bisher aus – und das obwohl geplante Konsumausgaben bisher nicht eingebrochen sind. Die Skepsis in Bezug auf die Lockerungen scheint zu wirken. Die Ergebnisse für die jüngere Generation zeigen jedoch, dass hier das Verlangen nach Reisen und Bummeln enorm ist.

Und: Arbeitgeber haben gehandelt. Maßnahmen werden und wurden getroffen und der Großteil der Arbeitnehmer – noch im Homeoffice – zeigt sich zufrieden damit. Wird der Mensch nach Corona besser? Die Befragten sind sicher, dass sie nach Corona einen feineren Blick auf das Wesentliche haben. Größere Verhaltensveränderungen zeigen die Ergebnisse jedoch nicht. 

Alle Entwicklungen im Liveblog:

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Autor: Peter Hammer

begleitet seit vielen Jahren redaktionell die Agentur-Branche, für die W&V wie auch früher für den Kontakter. Als Ressortleiter wie Redaktionsleiter. Liebt gute Kreation, aber mehr noch interessante und innovative Geschäftsmodelle. Unabhängig von Kanal und Größe. Was ihn immer wieder überrascht: Wie viele spannende Menschen es in der Branche gibt.

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