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Diversity
Dieses Startup kämpft mit Buntstiften gegen Rassismus

Ein Berliner Start-up stellt bunte Hautfarben-Stifte her und möchte so Vielfalt spiegeln - auch im Klassenzimmer. Die Initiative hat zahlreiche Unterstützer, doch können Stifte gegen Diskriminierung helfen?

Text: W&V Redaktion

24. Juli 2020

350.00 Stifte-Packungen sind bereits verkauft.
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Schweinchenrosa. Es ist ein Wort, auf das der Berliner Start-up-Gründer Malte Bedürftig allergisch reagiert. Denn lange Zeit schien Rosa als Hautfarbe-Stift an deutschen Schulen die einzige Möglichkeit zum Ausmalen von Gesichtern und anderen Hautpartien zu sein. "Ein Skandal", findet Bedürftig. Denn für ihn fängt Rassismus da schon an. 2016 nahm sich der Berliner vor, daran etwas zu ändern.

Nun steht er in Flip-Flops und kurzer Hose in seinem Büro. Das "Machwerk" im ehemaligen Münzprägewerk in Berlin-Mitte bietet gemeinnützigen Initiativen kostengünstigen Arbeitsraum, Tischkicker inklusive. Der Co-Working-Space ist eines der Projekte von Malte Bedürftigs Start-up GoVolunteer. Das organisierte zunächst ehrenamtliche Arbeit und vertreibt nun auch Bunt- und Wachsmalstifte zum Ausmalen von Hautpartien in Kinderbildern. Ganz bewusst gibt es nun mehr als "schweinerosa" - wie der Gründer die Farbe nennt.

Mit Freunden hat er recherchiert, ob es möglich sei, eine Serie mit verschiedenen Hautfarben-Buntstiften herzustellen. Eine Freundin entwarf das Design, mit einem großen Stiftehersteller entstand das Set. Das bietet nun zwölf Farben, neben braun und gelb gibt es auch ein Weiß zum Mischen und ein Rot für die Wangen. 2017 begann GoVolunteer die Stifte über die eigenen Social-Media-Kanäle zu vermarkten - mit Erfolg.

Inzwischen seien 350.00 Stifte-Packungen an Interessenten verkauft, berichtet Bedürftig. Eltern bestellten sie besonders gern, auch Kitas und Schulen zeigten Interesse. Politiker, Sportler und Künstler zählten zu den Botschaftern von GoVolunteer - darunter auch die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

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Das Team hat nun elf feste Mitarbeiter und 35 Ehrenamtliche, die über Crowdfunding und Förderungen bezahlt werden. Das Start-up wolle kein Geld verdienen, sagt der Gründer. Die Erlöse durch den Stifteverkauf flössen in gemeinnützige Integrationsprojekte. Soziales Engagement liege bei ihm in der Familie. "Meine Eltern sind beide Lehrer. Und sie sind bewusst an die Hauptschule gegangen." Er selbst half in der Flüchtlingskrise in einer Unterkunft. Das brachte ihn auf die Idee der digitalen Plattform für Ehrenamtliche.

Wie nötig beim Thema Vielfalt wohl auch das Stifte-Set ist, zeigt sich an Reaktionen. Manchmal werde das Entwickler-Team bedroht, regelmäßig gebe es Hasskommentare im Netz, sagt der Gründer. Trotzdem machten sie weiter. Denn es gebe auch viel Zuspruch. Im Zuge der Proteste von Black Lives Matter stieg das Interesse weiter. Neue Sponsoren seien aber nötig, sagt Bedürftig. Denn er will die Stifte auch kostenlos an Schulen oder Kitas abgeben.

Nach Ansicht des Berliner Kinderschutzbundes sind Hautfarbenstifte wichtig, um Vielfalt realistisch abzubilden. "Genauso wie über Sprache teilen wir Kindern auch über Spiel- und Lernmaterialien mit, wer in unserer Gesellschaft als zugehörig und wer als nicht zugehörig definiert wird", sagt Sozialarbeiterin Cynthia Amosse. Glücklicherweise gebe es mittlerweile auch Puppen und Spielfiguren mit unterschiedlichen Hauttönen. Beim Thema Malen halte sich der rosafarbene Stift jedoch noch hartnäckig. "Hier sind Selbstreflexion und Aufklärung dringend nötig", ergänzt Amosse.

Beim Thema Diskriminierung sei es aber nicht allein wichtig, Kinder zu sensibilisieren - sondern auch die Erwachsenen. "Schließlich kommen Kinder ganz unvoreingenommen auf die Welt", sagt Stephan Knorre, Sprecher des Kinderschutzbundes. Ausgrenzung lernen sie von Erwachsenen. Erwachsene sind Vorbilder, deren Handeln, Denken und Sprechen Kinder beeinflusst. Auch Malte Bedürftig findet es wichtig, dass Erwachsene mehr auf ihre Sprache achten. Was grenzt aus? Für ihn fängt es mit dem Wort "Hautfarbe" schon an.

Lukas Dubro, dpa

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