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Gastbeitrag
„Digital-Events sind kein Frontalunterricht“

Beim digitalen Unterricht ist noch viel Luft nach oben. Das gilt nicht nur für Schulen. Auch bei Online-Fort- und Weiterbildungsangeboten läuft nicht alles rund. Zeit für ein paar Tipps, so Mathias Wald.

Text: W&V Redaktion

23. November 2020

Um ein digitales Event über die Screen-Bühne zu bringen, muss man kein Rhetorikmeister sein. Mathias Wald erklärt in seinem Gastbeitrag, worauf es bei der Umsetzung ankommt.
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Seit die Corona-Pandemie weite Teile unseres Lebens beherrscht, müssen vor allem Events neu gedacht werden. Denn viele Unternehmen sind verunsichert: ständig wechselnde Hygienevorschriften, Kontaktverbot und Abstandsregeln machen die Planung von Veranstaltungen so, wie wir sie bisher kannten, fast unmöglich. Da Fort- und Weiterbildung jedoch für viele Unternehmen zu ihrer Unternehmenskultur dazu gehören, greifen sie auf so genannte hybride oder komplett digitale Events zurück. Gastautor Mathias Wald erklärt, wie Unternehmen die neue Generation der Events erfolgreich für sich umsetzen können. „Digitale Events sind kein Frontalunterricht, aber oftmals kommen sie genauso rüber“, sagt Wald. Er ist Geschäftsführer der Medienagentur MyByte Media, Geschäftsführer der Non-Profit Initiative Christiane F. Foundation, Keynote-Speaker und Coach mit seiner Plattform „Wir machen Redner“.

Hybrid oder Digital?

Online wie offline ist die richtige Planung, Vorbereitung und Durchführung entscheidend für den Erfolg von Events, gleich welchen Inhalts und welcher Ausrichtung. Deshalb gilt es zunächst zu unterscheiden, welches Format sowohl für den Veranstalter als auch für die Teilnehmer das richtige ist. Hybride Veranstaltungen werden von einer Veranstaltungszentrale aus geplant und oftmals mit mehreren Diskutanten an mehreren Orten und einem Moderator durchgeführt. Bestes Beispiel dafür ist die diesjährige Dmexco. Durch den höheren logistischen Aufwand, das dazu benötigte hochwertige Equipment und der professionellere Rahmen mit einer Bühne muss für die Umsetzung ein hohes Budget eingeplant werden. Digital durchgeführte Veranstaltungen kommen im Vergleich dazu meist mit weniger Aufwand und kleinerem Budget aus.

Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Fort- und Weiterbildungen in einem abgesteckten Rahmen ermöglichen wollen, werden sich daher fast immer für ein rein digital durchgeführtes Format entscheiden. Aber auch hier kommt es auf eine gute Planung, Vorbereitung und Durchführung an.

Gute Technik ist der beste Sparringspartner

Auch wenn die Lernziele wie bei einer Offline-Veranstaltung immer im Fokus stehen sollten, kommt es bei der Planung einer digitalen Veranstaltung im ersten Schritt vor allem auf etwas anderes an: die richtige Technik. Dazu gehört eine leistungsstarke und stabile Internetverbindung – sowohl auf Seiten der Teilnehmer als auch auf Seiten des Vortragenden. Ist diese nicht vorhanden, führt das schnell zu Frust und Misserfolg. Stellen Sie daher bereits vor der Veranstaltung sicher, dass auch die Teilnehmer über eine stabile und leistungsstarke Internetverbindung verfügen bzw. erinnern Sie sie im Vorfeld daran, am Event entsprechend ausgerüstet teilzunehmen.

Für den Vortragenden gilt: Ein klares Bild und gutes Licht wirken professionell und erhöhen die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Ein Richtmikrofon ermöglicht mehr Bewegungsfreiheit und vereinfacht den Einsatz von weiteren Hilfsmitteln wie einem Flipchart. Eine professionelle Kamera liefert zudem eine höhere Bildqualität und vergrößert den Bildausschnitt, in dem sich der Vortragende bewegen kann.

Mein Tipp: Achten Sie darauf, dass nicht allein Ihr Gesicht, sondern Ihr kompletter Oberkörper immer gut zu sehen ist, damit die Körpersprache – ein wichtiger Teil jeder Rede – zum Tragen kommt.

Interaktion vertreibt Langeweile

Führen Sie durch einen mehrstündigen Workshop, scheuen Sie nicht, Rollenspiele oder Einzelarbeiten durchzuführen. Vielleicht benötigt es etwas mehr Ermutigung, die Zuhörer zum Mitmachen zu motivieren, aber das Ergebnis ist immer positiv. Auch eine Vorstellungsrunde ist via Kamera möglich und ein guter Einstieg. Je nach Länge sollten Sie an regelmäßige Pausen denken, damit die Teilnehmer nicht einzeln aufstehen und für Unruhe sorgen. Planen Sie diese Unterbrechungen von Anfang an mit ein und informieren Sie die Teilnehmer zu Beginn darüber.

Planen Sie Ihren Vortrag oder Ihr Seminar nicht nur inhaltlich ganz genau, sondern bauen Sie bewusst in regelmäßigen Abständen unterschiedliche Kommunikationsformen ein: Stellen Sie Fragen an Ihre Zuhörer, fordern Sie aktiv Feedback ein oder regen Sie zum Mitmachen an. Nutzen Sie auch die Kamera und deren Einstellung, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer immer wieder zu gewinnen. Kommen Sie näher an die Kamera, wenn Sie eine Frage stellen oder gehen Sie einen Schritt zurück und schreiben etwas an ein Flipchart. Jeder Positionswechsel lenkt die Aufmerksamkeit der Teilnehmer zurück auf Sie und Ihren Vortrag.

Mein Tipp: Merken Sie, dass die Interaktion Ihrer Zuhörer nachlässt, gehen Sie darauf ein und fragen, woran es liegt. Manchmal hilft eine kurze Pause oder ein kurzer Dialog, um die Aufmerksamkeit wieder zu erlangen.

Abwechslung geht auch vor der Digitalkamera

Es gibt unzählige Tools und Methoden, die auch bei einem digitalen Vortrag eingesetzt werden können, um immer wieder neue Impulse und Abwechslung zu erzielen. Viele Redner lassen sich von der digitalen Barriere einschüchtern und spulen ihr Programm einfach ab. Dabei können Flipchart, Pinnwand oder Chat auch online eingesetzt werden.

Mein Tipp: Halten Sie Ihren Vortrag stehend. Dann wirkt er nicht nur lebendiger, sondern Sie können flexibel auf Tools und Hilfsmittel im Hintergrund zugreifen.

Nutzen Sie zudem digitale Tools: Wissensabfragen oder Abstimmungen können auch online durch Tools wie Mentimeter erfolgen. Videos mit emotionalen Inhalten oder Botschaften sichern Ihnen durch den Medienbruch die Aufmerksamkeit Ihrer Zuschauer und können entweder als Einführung in ein Thema oder als Zusammenfassung genutzt werden. Über die Chatfunktion bleiben Sie in Kontakt mit Ihren Zuhörern, die Fragen direkt oder anonym beantworten können.

Mein Tipp: Belegen Sie alle benötigten Links oder Tools mit einer Schnellwahltaste auf Ihrem Desktop, damit Sie nicht unnötig während des Vortrags auf Ihrem Computer rumklicken oder Links eingeben müssen.

Fazit: Digitale Vorträge und Seminare können genauso spannend und abwechslungsreich gestaltet werden wie reale Veranstaltungen. Mit dem richtigen Equipment und einer guten Planung können die gleichen Ergebnisse erzielt werden – mit positiver Resonanz.


Autor: W&V Leserautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.

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