Anzeige


EU beschließt einheitliche Lebensmittelkennzeichnung

Jetzt ist es offiziell: Erstmals soll es in der EU einheitliche Vorschriften geben, damit Dickmacher beim Einkaufen leichter enttarnt werden können. Ab 2014 sollen die Hersteller von Lebensmitteln auf den Verpackungen den Gehalt an Zucker, Fett, Salz und Kalorien auflisten müssten.

Text: W&V Redaktion

8. Dezember 2010

Anzeige

Wie viel Zucker steckt in Cornflakes, wie fett sind Chips? Das sollen Verbraucher künftig leichter an der Packung erkennen. Am Dienstag haben die EU-Minister in Brüsseln neue Regeln für die Kennzeichnung von Lebensmitteln beschlossen.

Damit gibt es von 2014 an erstmals europaweit einheitliche Vorschriften, um Dickmacher beim Einkaufen leichter zu erkennen. Ab dann müssen Hersteller auf Verpackungen den genauen Gehalt von Zucker, Fett, Salz und Kalorien auflisten. Bislang konnten sie das auf freiwilliger Basis tun, entsprechende Angaben finden sich darum bisher erst auf 70 Prozent aller Lebensmittel.

Geht die neue Kennzeichnung durch, muss die Industrie künftig auch falschen Käse ("Analog-Käse") und sogenannten "Klebe-Schinken" deklarieren. Beides findet sich vor allem auf Tiefkühlpizzen. Bei nicht verpackter Ware wie Fisch müssen Geschäfte auf allergieauslösende Stoffe hinweisen. Für Energy-Drinks werden Warnhinweise für Schwangere und Kinder Pflicht. Zudem gilt eine Mindestgrößee für die Schrift auf Verpackungen. Alkohol soll nicht gekennzeichnet werden. Alle Angaben der Nährwerttabellen beziehen sich dann auf 100 Gramm oder 100 Milliliter des Produkts.

Das Europaparlament muss dem Ministerbeschluss noch zustimmen, passieren soll das aller Voraussicht nach im Juni 2011. Noch sind Änderungen also möglich. Ernährungsexperten hatten eine Kennzeichnung in Ampelfarben gefordert, dafür gab es jedoch keine Mehrheit und sie ist somit vom Tisch.

Währen EU-Verbraucherkommissar John Dalli das Paket einen "echten Fortschritt im Bereich der Lebensmittelinformation" nennt, geht anderen der Beschluss nicht weit genug. Fünf Staaten, darunter Deutschland, fordern etwa klarere Hinweise bei der Herkunftsangabe von Fleisch. Auch die Angaben zu Imitaten wie Analog-Käse und Klebefleisch gehen der deutschen Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) noch nicht weit genug. Geht es nach ihr, sollen nicht nur auf der Packungsrückseite sondern auch auf der Vorderseite die wesentlichen Informationen stehen. Auch Verbraucherorganisationen wie Foodwatch kritisieren, dass die Regelungen im Interesse der Industrie nicht weit genug greifen würden, um Übergewicht und Krankheiten tatsächlich einzudämmen.

Anzeige