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Kreation des Tages
Fritz-Kola und TLGG provozieren Generation Instagram

Mit der Social-Kampagne #nursoamrande wollen Fritz-Kola und die Agentur TLGG dafür sorgen, dass die Menschen bei Odachlosigkeit nicht einfach wegsehen.

Text: W&V Redaktion

22. Februar 2019

#wokeuplikethis: Selfies vor Spiegel oder Strand konterten Fritz-Kola und TLGG mit Aufnahmen aus dem Alltag eines Wohnungslosen.
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Das so genannte Social Web mag vieles sein: Sozial ist es in den allermeisten Fällen eher nicht. Diesen krassen Widerspruch spielen nun Fritz-Kola und die Werbeagentur TLGG (Torben, Lucie und die gelbe Gefahr) sehr intelligent aus: Sie kapern einige bei Instagram populäre Hashtags, um eine Social-Kampagne zu verbreiten, die - buchstäblich - Obdachlose in den Blick nimmt.

Seitens der Bundesregierung gibt es keine exakten Zahlen zu Obdach- und Wohnungslosigkeit in Deutschland. Nach Schätzungen der BAG Wohnungslosenhilfe waren es 2016 bereits 860.000 - für 2018 hatte die Bundesarbeitsgemeinschaft 1,2 Millionen Wohnungslose prognostiziert. Von rund einer Million wohnungs- und obdachlosen Menschen geht Fritz-Kola aus. Und möchte nun dafür sorgen, dass diese wahrgenommen werden.

Mit der sozusagen Social-Social-Media-Kampagne #nursoamrande rufen die Limonadenfirma und TLGG dazu auf, wortwörtlich den Blick zu heben und hinzusehen. Wohnungs- und Obdachlose "brauchen Unterstützung und bekommen oft Ignoranz. Geld zu spenden ist super, aber manchmal hilft auch ein einfaches 'Guten Morgen'", finden Fritz-Kola und TLGG.

Junge Menschen schauen aufs Display, nicht auf den Schlafsack am Bürgersteig

Um vor allem junge Menschen zu sensibilisieren, setzen die Macher der Kampagne auf das Social Web. Da sind sie praktisch alle. Das macht junge Menschen nicht automatisch und pauschal zu gefühlskalten Ignoranten - aber vielen von ihnen leichter, sich in der digitalen Wohlfühlblase einzukuscheln und die Welt auszublenden.

Digital Natives, die morgens zuerst ein Selfie machen, sich dann Selfies von anderen am Morgen ansehen (#wokeuplikethis), bevor sie nachschauen, was für Klamotten derzeit angesagt sind - und das dann posten (#outfitoftheseason), bevor sie ihre vollen Teller fotografieren (#foodporn).

Getreu dem Motto "Weg mit der Wohlfühlblase, her mit der Realität", haben Fritz-Kola und TLGG eben diese genannten Hashtags auf Instagram eingesetzt, um Stories des Berliner Obdachlosen Pierre zu teilen. Und diese verbreiteten Hashtags in einen anderen Kontext setzen. Schlafsacklager am Bahnhof statt Sixpack-Selfie, Raviolidose statt Poke-Bowls.

Dazu gibt es einen Casefilm. Mit Unterstützung der Berliner Stadtmission erklärten sich die Betroffenen Uli, Marucs und Eddie bereit, in kurzen Videointerviews aus ihrem Leben auf der Straße zu berichten.

Die aktuelle Kampagne wird durch Onlinewerbung mit einem speziellen Targeting ergänzt: Die Clips werden vor jenen Content geschaltet, der die Social Plattformen zu Wohlfühlblasen macht. Also zum Beispiel Bibis Beauty Palace, Sami Slimani, Dagi Bee – "Wer sich in den nächsten Tagen auf diesen Kanälen bewegt, wird auch mit der harten Realität der Straße konfrontiert", kündigt Fritz-Kola an. Dazu kommen digitale Außenwerbeflächen in den größten deutschen Städten an Bahnhöfen.

Die Strategie ist klug - vor allem die Auswahl der Kanäle und Hashtags trifft ins Mark, schaut man sich mit dem Thema Obdachlosigkeit vor Augen die digitalen Eitelkeits-Runways an. Ob die Social-Web-Zielgruppe diese unsanfte Konfrontation mit der Realität goutiert, bleibt abzuwarten. Bei Fritz-Kolas Kernzielgruppe wird die Aktion sicherlich wieder gut ankommen und für weitere Verbreitung im Netz sorgen.

Anna-Sofie Gerth, Leiterin der City-Station der Berliner Stadtmission, begrüßt die Initiative: "Menschen werden angeregt, über ihr Leben nachzudenken und auf den armen Nachbarn vor der Tür zu achten. In was für einem Miteinander wollen wir leben? Im Leben geht es um so viel mehr als nur Hashtags und schöne Bilder."

Für Fritz-Kola ist #nursoamrande kein einmaliges soziales Projekt. Mit "Pfand gehört daneben" wollen sie dafür sorgen, Menschen, die am Existenzminimum leben, das Leben zu erleichtern. Die Kampagne "Aufmerksamkeit schenken" warb vor Weihnachten für Unterstützung von Hilfsorganisationen. Fritz-Kola unterstützt die Berliner Stadtmission, die der Kampagne beratend zur Seite stand, mit einem Spendenbeitrag.

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