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Kreation des Tages
Fulminantes Comeback: Die Stones in der Geisterstadt

Acht Jahre ließen sich die Altrocker Zeit, jetzt veröffentlichen sie einen Song, der zur Zeit passt: "Living in A Ghost Town". Auch das Video überzeugt mit seinem Selfmade-Charme. Vielleicht kommt bald mehr.

Text: W&V Redaktion

24. April 2020

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Obwohl alle vier Band-Mitglieder der Rolling Stones zur Corona-Risikogruppe zählen, lassen sie sich in ihrem Drang, Musik zu machen nicht beirren. Vor einigen Tagen erst traten Mick Jagger (76), Gitarrist Keith Richards (76), sein Kollege Ron Wood (72) und Schlagzeuger Charlie Watts (78) - jeder für sich und über vier Bildausschnitte dann doch irgendwie vereint - beim globalen Internet-Benefizkonzert "One World - Together At Home" für die Corona-Helfer auf.

Jetzt überraschen sie ihre Fans mit einem neuen Werk  - dem ersten neuen Song der Rolling Stones seit acht Jahren: "Living In A Ghost Town". Und nicht nur das: die Musiker deuten an, das es womöglich ein neues Album geben wird.

Das Leben war so schön, dann wurden wir alle eingesperrt, singt Mick Jagger mit seiner unnachahmlichen Röhre zu einer mächtigen Blues-Rock-Reggae-Mixtur. Und weiter, ebenso passgenau zur Corona-Zeit: Man fühlt sich wie ein Geist, der in einer Geisterstadt lebt.

Das von einer wild heulenden Mundharmonika gekrönte Musikstück wird von einem schicken Video begleitet - die Band im Studio, daneben flott geschnittene Bilder leerer Innenstädte in Fischaugen-Optik. Bisher wurde der Song allein auf YouTube mehr als 800.000 Mal abgerufen.

Keith Richards verriet in einem Statement zu ”Living In A Ghost Town“ ganz nebenbei, dass das Stück als ”Teil eines neuen Albums, einer laufenden Sache“, aufgenommen worden sei. Der Song passe momentan einfach so gut in die Landschaft, daher habe man ihn rausgehauen. Auch Jagger sagte: ”Es gab da einen Song, von dem wir dachten, dass er die Zeiten gut mitschwingen lässt, in denen wir derzeit leben.“

Geschrieben wurde das Stück mit dem zur Corona-Krise passenden ”Geisterstadt“-Titel von Jagger/Richards, dem seit fast 60 Jahren in Harmonie und Streit bewährten Songwriter-Duo der Stones. Teile des Liedes seien aber ”bereits vor dem weltweiten Lockdown in London und Los Angeles aufgenommen worden“, erklärte die Plattenfirma. ”In der Quarantäne entschied sich die Band, ”Living In A Ghost Town“ zu finalisieren und nun schließlich zu veröffentlichen.“

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Die ersten Reaktionen am Freitag: meist positiv. ”Sie können es noch“, jubelte ein Twitter-Nutzer stellvertretend für viele. Und der britische ”Guardian“ bilanzierte: ”Ihr bester, relevantester Song seit vielen Jahren.“

Ein neues Lied, gar ein nun anvisiertes neues Album der Rolling Stones: Das ist für die Musikwelt immer noch - und angesichts des Alters der vier Herren erst recht - eine große Sache. Die Band, 1962 in Großbritannien gegründet, gilt mit insgesamt gut 300 Lebensjahren als beständigste Studio- und Live-Gruppe der Rockgeschichte.

Zahllose Welthits wie ”(I Can't Get No) Satisfaction“, ”Let's Spend The Night Together“, ”Honky Tonk Women“ und ”Miss You“ säumen den langen Karriereweg der Stones. Tonträgerverkäufe in dreistelliger Millionenhöhe und Grammy-Ehrungen, aber auch Konflikte und Skandale sind Teil der Band-Legende. Zuletzt hatte das Quartett Ende 2016 ”Blue & Lonesome“ herausgebracht, das ausschließlich Cover-Versionen enthielt. Die als glaubwürdige Rückkehr zu den Wurzeln gefeierte Platte bekam einen Grammy als bestes traditionelles Bluesalbum.

Jagger, der bei Konzerten immer noch unermüdlich über die Bühne fegt (”Mick Jogger“), hatte den Fans im vorigen Jahr allerdings Sorgen gemacht: Ende März 2019 musste er Auftritte absagen, um sich am Herzen operieren zu lassen. In einem Interview nach dem Eingriff betonte er dann, dass es ihm wieder ”sehr gut“ gehe.

Mit einem kanadischen Sender sprach er unter anderem über die Arbeit mit seiner Band: ”Wir haben in den letzten Wochen viel geprobt.“ Sechs Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt lud Jagger ein Video hoch - es zeigte ihn tanzend in einem Studio. Angesichts von ”Living In A Ghost Town“ wird das Bild klarer - die Stones sind wieder voll da.

Der Song ist nicht die erste Überraschung, die Rock-Veteranen ihren Verehrern in der Krise bereiten: Auch der lange mit eigenem Material geizende König der Songpoeten, Bob Dylan (78), brachte kürzlich mit ”Murder Most Foul“ und ”I Contain Multitudes“ neue Stücke heraus.

Werner Herpell, dpa

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