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Rekrutierungs-Kampagne
Gamescom: Bundeswehr provoziert mit Plakaten

Mit provokanten Plakaten wirbt die Bundeswehr in Köln für ihren Gamescom-Stand. Die Slogans würden Krieg verharmlosen, lautet nun der Vorwurf.

Text: W&V Redaktion

23. August 2018

Die Gamescom-Plakate der Bundeswehr
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Das Stilmittel der Provokation scheint inzwischen zur Marketingstrategie der Bundeswehr zu gehören. Erst im Mai erhitzten die Streitkräfte mit einer umstrittenen PR-Aktion am Rande der Digitalkonferenz Re Publica die Gemüter. Auf der Gamescom in Köln ist die Bundeswehr zurzeit in Halle 5 mit Panzer und Militärlaster vertreten.

Die Präsentation von Kriegsgerät auf der Videospiel-Messe ist jedoch nicht der Auslöser für die neueste Kontroverse. Vielmehr sind es die Plakate in der Domstadt, die auf den Messestand aufmerksam machen sollen.

Plakate sind Einladung zur Diskussion

"Multiplayer at its best!", oder "Mehr Open World geht nicht!" ist darauf zu lesen. Multiplayer sowie Open World sind beides Begriffe aus der Gamer-Szene. Die Computerspiel-Analogie verharmlose den Schrecken des Krieges, lautet nun der Vorwurf im Netz an die Bundeswehr.

In den sozialen Medien kritisierten viele Nutzer die provokanten Plakate. Die Soldaten am Gamescom-Stand der Bundeswehr seien hingegen gelassen, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Man sehe die polarisierende Marketingaktion als "Einladung, um darüber zu diskutieren", sagte Standleiter Nils Feldhoff gegenüber der SZ.

Im Kleingedruckten am unteren Rand der Plakate werden die Slogans wie folgt erläutert: Multiplayer in Spielen entspreche Kameradschaft bei der Bundeswehr, Open World stünde für Freiheit und Sicherheit auf der ganzen Welt. Einer vorschnellen Assoziation mit dem berüchtigten Ego-Shooter-Genre, bei dem die Spieler in dem virtuellen Krieg ziehen, soll damit wohl verhindert werden.

Trotzdem sei die Provokation kalkuliert, verriet ein Bundeswehrsprecher auf Nachfrage der SZ. Man wolle über die "Eye-Catcher" bewusst provozieren und wahrgenommen werden. Anschließend könne man sich mit Widerspruch auseinandersetzen, heißt es in einem Statement.

Kampf um Nachwuchs auch im Netz

Seit acht Jahren wirbt die Bundeswehr auf der Gamescom. Dort versuchen die Streitkräfte gezielt, junge und IT-affine Menschen anzuwerben. Im Kampf um neue Rekruten ist die Bundeswehr auch längst im Social-Web präsent. Nach der erfolgreichen Serie über den Einsatz in Mali startete vergangenen Monat die Youtube-Serie "Die Springer." Das Format begleitet Fallschirmjäger bei der Ausbildung.

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