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Nachbarschaftsaktion in der Corona-Krise
Gelebte Solidarität: Bamberg landet YouTube-Hit

Von einer kleinen Neubausiedlung in Bamberg geht eine große Ermutigung durchs Netz. Das Video zeigt Nachbarn bei der Hausmusik auf ihren Vordächern - nicht die einzige kreative Aktion in Corona-Zeiten.

Text: W&V Redaktion

19. März 2020

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Mit einem Lied will eine Reihenhaussiedlung in Bamberg den Italienern Mut zusprechen, die von der Coronakrise besonders betroffen sind. Ihre Aufnahme des italienischen Partisanenlieds "Bella Ciao" auf der Videoplattform YouTube hat schon fast eine halbe Million Aufrufe. "Das war eine ganz spontane Idee unter Nachbarn", erzählte der Initiator. "Ich find's total überraschend, wie sehr das die Leute berührt."

Das Video beginnt mit einer emotionalen Ansprache auf Italienisch: Ein Nachbar erzählt, wie sehr sie die Bilder aus Italien berührten. Aus Solidarität hätten sie sich entschlossen, "das Lied der Freiheit per Exzellenz" zu spielen. "Also, singen wir!", fordert er seine Nachbarn auf und setzt sich an sein Keyboard.

Die Nachbarn schauen mit Notenblättern aus ihren Fenstern oder sitzen auf ihren Vordächern. Sie singen, manche spielen Gitarre oder trommeln. Ein Mann nutzt seine Mülltonnen als Pauke, ein kleines Mädchen hält eine italienische Fahne hoch.

In Italien haben in den vergangenen Tagen Menschen von ihren Balkonen aus über die verlassenen Straßen hinweg musiziert, um sich in der Isolation aufzuheitern und sich bei den Helfern zu bedanken. Seit dem 10. März gilt dort eine Ausgangssperre.

Dankbarkeit per Akklamation

Wer denjenigen seinen Dank ausdrücken will, die jeden Tag den medizinischen Betrieb am Laufen halten, kann das durch sein Klatschen am geöffneten Fenster oder auf dem Balkon ausdrücken. In Berlin etwa standen am Mittwochabend Menschen um 21 Uhr auf ihren Balkonen und klatschten minutenlang. Bereits tags zuvor war es in Köln zu ähnlichen Szenen gekommen. Sie alle folgten einem Aufruf zu einer Solidaritätsaktion in der Coronakrise, der über die sozialen Netzwerke verbreitet worden war. "Nun heißt es Zusammenhalt und Anerkennung zeigen!", stand dort. "Kommt heute Abend alle an eure Fenster und auf eure Balkone und applaudiert für die Menschen, die derzeit immer noch für uns und die Gesellschaft arbeiten."

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Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, hat die Bundesregierung an die Bevölkerung appelliert, die sozialen Kontakte stark zu reduzieren. Jens Spahn hat dazu auch eine Kampagne gestartet, Motto #Wirbleibenzuhause. Auch wegen Schulschließungen arbeiten viele Menschen in Deutschland mittlerweile von daheim. Vor allem Beschäftigte im Gesundheits- und Sicherheitsbereich, aber auch Mitarbeiter von Lebensmittelgeschäften, haben weiter in ihrem Beruf täglich viel Kontakt zu Menschen, auch zu potenziell Erkrankten.

Der Beifall in Wohnvierteln führte teils auch zum Austausch unter Nachbarn, die bis dahin gar nichts miteinander zu tun gehabt hatten: Sie grüßten sich mit Zurufen oder leuchtenden Handys über die Straße. Aus mehreren Stadtvierteln im Zentrum Kölns wurde eine starke Beteiligung gemeldet, so aus Ehrenfeld, dem Agnesviertel und der Südstadt. Die 35 Jahre alte Annabell sagte am Mittwoch: "Das war ein gutes Gefühl in der Situation."

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Auch in anderen Orten, darunter Hamburg und Leipzig, klatschten Menschen am Dienstag für Helferinnen und Helfer. Videos davon teilten sie in den sozialen Medien. Wer als Erster in Deutschland dazu aufgerufen hat, ist nicht bekannt. Es gibt aber bereits Aufrufe, diese Aktion nun jeden Abend fortzuführen.

In Italien, Spanien und Griechenland haben sich bereits in den vergangenen Tagen Bürger mit ähnlichen Aktionen bei Helfern bedankt. In Paris applaudierten am Dienstagabend um 20 Uhr Anwohner ebenfalls für Ärzte und Pflegepersonal. In Frankreich gilt seit Dienstagmittag eine landesweite 15-tägige Ausgangssperre.

Krankenhausmitarbeiter richteten derweil in den sozialen Medien eindringliche Bitten an die Bevölkerung. "Wir bleiben für euch da! Und ihr bitte zu Hause!" ist auf Spruchbändern zu lesen. Unter anderem das Team der Zentralen Notaufnahme an der Uniklinik Essen fotografierte sich so. Die Essener Ärztin Carola Holzner, im Internet bekannt als ”Doc Caro“, sagte über das Foto mit ihren Kollegen: ”Wir können hier nur an der Front kämpfen, wenn im Hintergrund alle mitmachen.“ Bundesweit posteten Krankenhäuser ähnliche Fotos mit Spruchbändern in sozialen Medien.

Christoph Driessen, Carola Große-Wilde und Oliver Auster, dpa

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