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Nach Rassismusvorwürfen
Kaffeehändler Julius Meinl ändert sein Logo

Immer wieder mit Rassismusvorwürfen konfrontiert, ändert das österreichische Traditions-Kaffeehaus Julius Meinl im Zuge der Stammhaussanierung sein Firmenlogo. Das alte war nicht mehr zeitgemäß.

Text: W&V Redaktion

22. Oktober 2021

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Seit 1950 findet die Wiener Bevölkerung Kaffeespezialitäten und Delikatessen aus aller Welt im Julius-Meinl-Stammhaus Am Graben 19. Nach längerer Sanierung öffnet der berühmte "Meinl am Graben" nun wieder und will sich zeitgemäß präsentieren. Dazu zählt nicht nur die Darstellung der Räumlichkeiten. Auch das Logo ist jetzt ein neues. Das Motiv sei nicht mehr zeitgemäß gewesen, sagte Geschäftsführer Herbert Vlasaty bei der Pressekonferenz zur Neueröffnung.

Bisher zeigte das Logo das Profil eines schwarzen Jungen mit traditioneller Fes-Kopfbedeckung, was dem Unternehmen immer wieder Rassismusvorwürfe einbrachte. 1924 entwickelt, wurde das Logo erst zum Etikett für Meinl-Kaffee, später zum Markenzeichen des Unternehmens. 2004 erhielt es bereits einen Relaunch. Nun zeigt das neue Logo nur noch die als "Meinl-Hut" bekannte Fes-Kopfbedeckung, auf petrolfarbenem Hintergrund.

Doch das geht einigen nicht weit genug, der Hut sorgt weiterhin für Gesprächsstoff. Er sei ein Zeichen der Unterdrückung und des osmanischen Imperialismus, so einige Twitter-User: 

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Da das "Julius Meinl am Graben" und die "Julius Meinl Coffee Group" laut PR-Agentur der Gruppe zwei voneinander getrennte Unternehmen sind, können wir gespannt sein, ob lediglich das Haus am Graben das Logo-Redesign nutzt oder auch die Mutterfirma.

Die Geschichte hinter dem Markenzeichen

Auf der Unternehmensseite heißt es dazu: "Das Julius Meinl Logo zeigt einen Jungen mit Fez (rote Kopfbedeckung mit Quaste) als Hommage an die Geschichte, wie der Kaffee nach Wien kam. Das ursprüngliche Logo wurde von dem Wiener Plakatkünstler Josef Binder entworfen. 1924 wurde er gebeten, eine fiktive Figur zu entwerfen, die die Geschichte des kaiserlichen Boten und Kaffeehändlers Georg Franz Kolschitzky 1683 darstellen sollte. Binder zeichnete einen jungen osmanischen Kaffee-Experten, der eine Tasse zum Mund führt. Matteo Thun, der international bekannte Designer, gestaltete das Logo 2004 in seiner heutigen monochrom roten, stark vereinfachten Form neu. Er sagte, dass ihn die historischen Logovorlagen an Wiener Barockengel erinnerten und ließ dies in seinen Entwurf einfließen."

Auch nach der Überarbeitung des Logos folgte weiter Kritik von der Initiative "Mein Julius", die den "Meinl-Mohr" weiterhin als Symbol des Rassismus bezeichnete.

Immer wieder wurden Marken mit Rassismusvorwürfen konfrontiert und änderten deshalb ihre Logos oder Produktnamen. Alles andere wäre wohl auch kaum mehr zeitgemäß.


Autor: Katrin Ried

Ist Autorin der W&V. Neben Marketingthemen beschäftigt sie sich vorwiegend mit Zukunftstechnologien in Mobilität, Energie und städtischen Infrastrukturen. Für Techniktrends interessiert sie sich ebenso wie für Nachhaltigkeit, sozialen und ökologischen Konsum.

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