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Daten-Management
Kampfansage an USA: Deutschland will eine Europa-Cloud

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stellt heute auf dem Digitalgipfel in Dortmund das Projekt Gaia-X vor – eine europäische Cloud. Damit will sich die europäische Wirtschaft unabhängig machen von US-Datenverwaltern wie Amazon Web Services (AWS).

Text: W&V Redaktion

29. Oktober 2019

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier
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Schon im kommenden Frühling will die Bundesregierung eine europäische Cloud aus der Taufe heben. Dafür schlägt sie die Gründung einer Europäischen Genossenschaft (SCE) vor. An der sollen sich europäische Partner, insbesondere aus Frankreich, beteiligen. Im zweiten Quartal kommenden Jahres soll eine Testphase abgeschlossen sein, damit Ende 2020 der Livebetrieb beginnen kann.

Diese Pläne stellt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gemeinsam mit dem Bitkom-Präsidenten Achim Berg auf dem derzeit stattfindenden Digitalgipfel in Dortmund vor.

Der Name der Europa-Cloud lautet Gaia X. Sie soll eine Alternative zu bestehenden US-Cloudanbietern wie Amazon Web Services (AWS) sein. Den Markt teilen sich derzeit überwiegend die vier großen Cloud-Anbieter Amazon, Google, IBM und Microsoft. Die Produkte Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und die Google Cloud Platform decken zusammengenommen rund 75 Prozent des Gesamtmarktes an Public-Cloud-Angeboten ab. Allein AWS kommt auf einen Marktanteil von rund 40 Prozent.

Mittelstand

Damit Gaia X auch für Mittelständler attraktiv und nutzbar wird, soll die Cloud nach dem Edge-Prinzip funktionieren. Das heißt: Daten werden dort verarbeitet, wo sie anfallen, sprich: nahe an den Produktionsprozessen. Das ermöglicht Echtzeitanwendungen, bei denen es auf wenige Millisekunden Reaktionszeit (Latenz) ankommt.

Erst vor wenigen Tagen äußerte Bundeskanzlerin Angela Merkel Kritik an der deutschen Wirtschaft bezüglich des Umgangs mit Daten. "Mir macht das Datenmanagement der deutschen Wirtschaft doch erhebliche Sorgen, weil viele Firmen ihre Daten auf Clouds von amerikanischen Firmen geben", sagte Merkel auf der Jahrestagung des Markenverbands in Berlin. "Irgendwann werden Sie nicht mehr Herr Ihrer Kunden sein", appellierte Merkel an die Vertreter der Wirtschaft.

Datenschutz

Gaia X verspricht volle Transparenz durch europäische Datenschutzstandards. Die Datensouveränität der Nutzer wird garantiert.

Im Bereich Industrie4.0 werde der Wandel besonders deutlich, betont Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Denn in der Produktion erzeugen unzählige Maschinen mit ihren Sensoren riesige Datenmengen, die von unterschiedlichen Herstellern verwaltet werden. Zur Analyse müssen die Daten der unterschiedlichen Maschinen nicht nur verbunden, sondern auch mit Geschäftsdaten in Verbindung gebracht werden. Am Ende dieses Prozesses locken Effizienzgewinne, Produktionsverbesserungen und zusätzliche Wertschöpfung. Um diese Vorteile zu nutzen, müssen aber aus verteilten Massenrohdaten verwertbare, datenbasierte und domänenspezifische Datenpools generiert werden.

Katalysator

Gaia X soll also nicht nur Daten schützen, sondern auch als Business-Katalysator dienen. Und zwar, in dem nicht-personenbezogene Daten unternehmensübergreifend verwertbar werden. Ziel ist ein übergreifendes, offenes Ökosystem, das zum Datenaustausch anregt und neue Geschäftsmodelle ermöglicht.

Nähere Informationen sowie Szenarien, wie Gaia X in der Praxis funktioniert, finden Sie hier.

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