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Ärger um die Kampagne
Kein Kükentöten mehr: Foodwatch verklagt Aldi

Der Verbraucher-Verein hält die Werbung des Discounters, in der er das Ende des Kükentötens verkündet, aus mehreren Gründen für irreführend. So gehe es etwa nur um Schaleneier - nicht um die komplette Produktion.

Text: W&V Redaktion

30. November 2020

Weibliche Küken sind gewollt - junge Hähne werden aussortiert.
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Foodwatch hat den Discounter Aldi wegen Verbrauchertäuschung verklagt. Der Vorwurf des gemeinnützigen Vereins, der sich mit Verbraucher-Rechten und der Qualität von Lebensmitteln beschäftigt: Die Werbekampagne, in der Aldi im Frühjahr 2020 verkündete, das Töten männlicher Küken zu beenden, sei irreführend.

Denn: Aldi verschweige, dass es dabei nur um die als Schaleneier verkauften Eier geht. Eier, die in Lebensmitteln wie Nudeln, Backwaren oder Fertiggerichten verwendet werden, fallen nicht unter die Regelung. Dabei, so Foodwatch, stecke rund jedes zweite in Deutschland konsumierte Ei in verarbeiteten Lebensmitteln.

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Zudem suggeriere Aldi, man habe das Kükentöten bereits abgeschafft, kritisiert der Verein. Das Unternehmen habe jedoch lediglich das Ziel ausgegeben, bis 2022 das Schaleneier-Sortiment umzustellen. Eine Abmahnung gab es bereits, die jedoch erfolglos blieb. Foodwatch hat daher nun Klage gegen Aldi beim Landgericht Essen eingereicht. 

Lidl hat schon eingelenkt

Wettbewerber Lidl wurde von Foodwatch schon zuvor für seine Kampagne in Sachen Kükentöten abgemahnt: Das Unternehmen hatte in Werbeprospekten und auf einer Internetseite angekündigt, dass man damit "jetzt Schluss" mache. Dabei hatte sich auch Lidl auf die schrittweise Umstellung seines Schaleneier-Sortiments bezogen. Die Discounter-Kette hat bereits eingelenkt und verwendet die monierte Werbung nicht mehr.

Das grundlegende Problem sei jedoch nach wie vor nicht behoben, mahnt Foodwatch: Weder Aldi noch Lidl würden in Richtung einer nachhaltigeren Eierproduktion steuern. Es gebe nach wie vor viele Millionen Legehennen in Deutschland, die unter den existierenden Bedingungen leiden würden.  

Die Verbraucherschutzorganisation fordert  daher ein grundsätzliches Umdenken in der Hühnerhaltung: Statt der Geschlechtsbestimmung im Ei solle man verstärkt auf "Zweinutzungshühner" setzen - robustere und weniger krankheitsanfällige Rassen, die sich sowohl für die Eier- als auch für die Fleischproduktion eignen. Zudem brauche es gesetzliche Vorgaben, die dafür sorgen, dass der Gesundheitszustand in jedem Tierhaltungsbetrieb genau erfasst und ausgewertet werden müsse.


Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde

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