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Amazon
Konkurrenzkampf und Kritik torpedieren den Prime Day

Die Amazon-Konkurrenz hat den Prime Day nicht verschlafen: Mit Walmart in den USA und Saturn hierzulande hauen Händler im Windschatten des Online-Riesen eigene Schnäppchen raus. Doch es gibt auch Kritik.

Text: W&V Redaktion

13. Oktober 2020

Kampagne gegen Überkonsum: Der "Still in its Prime Day" von Back Market
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Amazons künstlich geschaffener Handelsfeiertag läuft seit Mitternacht - noch bis einschließlich morgen können Verbraucher in die Rabatt-Schlacht ziehen. Ein neuer Umsatzrekord gilt als wahrscheinlich. Denn im vergangenen Jahr setzte der Online-Händler am sogenannten Prime Day gigantische 7,2 Milliarden US-Dollar binnen 48 Stunden um. Zum Vergleich: Deutschlands E-Commerce-Umsatz lag 2019 bei 59,2 Milliarden – im gesamten Jahr!

Doch im Windschatten von Amazon haben sich inzwischen zahlreiche Konkurrenten positioniert, die die Strahlkraft des Prime Day nutzen, um Kunden mit eigenen Angeboten zu locken. "Spielverderber" Nummer eins aus Sicht von Jeff Bezos ist Walmart. Die US-Einzelhandelskette, Jahresumsatz über 500 Milliarden US-Dollar, begann ihr sogenanntes "Big Save Event" sogar einen Tag vor dem Prime Day und dehnt die Aktion bis zum 15. Oktober. Möglicher Vorteil bei Walmart: Kunden können ihre Einkäufe noch am selben Tag in einer Filiale abholen.

Auch in Deutschland wollen Händler ein Stück vom lukrativen Amazon-Kuchen abhaben. So reagiert zum Beispiel Saturn mit einer eigenen Rabatt-Aktion, die den vielsagenden Namen trägt: "Vergleichen zwecklos". Frei nach dem Motto: Der Schnäppchen-Jäger soll gar nicht erst auf die Idee kommen, bei Amazon zu stöbern. Die Saturn-Aktion läuft zeitlich parallel zum Prime Day.

Gegen-Aktion "Still in its Prime Day"

Wie jedes Jahr gibt es auch diesmal Kritik am entfesselten Internet-Kommerz. Beispielsweise möchte Jimdo den Prime Day zum Anlass nehmen, um für mehr Solidarität besonders für kleine Geschäfte zu werben. Der Anbieter eines Website-Baukastens ruft dazu auf, nicht bei einem "anonymen Internetkonzern", sondern bei den kleinen Händlern zu kaufen.

Eine weitere Gegen-Aktion zum Prime Day kommt von Back Market. Der "Still in its Prime Day" soll den Wert der Dinge zelebrieren, die wir bereits besitzen. Der Marktplatz für gebrauchte Elektro-Geräte kooperiert bei der Kampagne gegen Überkonsum mit iFixIt, einer Reparatur-Plattform. Mit dem Aktionstag, der einen Tag vor dem Prime Day lief, möchten die beiden Unternehmen eigenen Angaben zufolge "ein größeres Bewusstsein für die Kosten schaffen, die der übermäßige Konsum für unseren Geldbeutel und unseren Planeten bedeutet." Wir würden unsere Fähigkeit verlieren, die Dinge, die wir gekauft haben, wirklich zu genießen, heißt es.

Vianney Vaute, Co-Gründer von Back Market, sagt: "Back Market und iFixit haben ein gemeinsames Ziel: die Kreislaufwirtschaft zu fördern, indem wir die Lebensdauer unserer Elektronik verlängern." Anstatt blindlings dem Kult des Neuen zu folgen, müssten Verbraucher lernen, bewusst zu konsumieren.

Die Initiative von Back Market erinnert an eine freche Aktion von Patagonia: 2011 verschickte die Modemarke am "Cyber Monday" eine vermeintliche Werbemail mit der Aufforderung "Kaufen Sie diese Jacke nicht!"


Autor: Maximilian Flaig

ist seit 2018 W&V-Redakteur und verbringt in dieser Funktion die meiste Zeit des Tages im Agenturressort. Dort versorgt ihn die kreativste Branche der Welt zuverlässig mit guten Geschichten - oder mit Zahlen für diverse Rankings. Sport- und Online-Marketing interessieren den gebürtigen Kölner besonders. 

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