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Gastkommentar von André Gebel
Macht eure Kunden endlich zu Nano-Influencern!

Bibi hin, Micro-Influencer XY her: Wer könnte ein besserer Markenbotschafter sein als der eigene zufriedene Kunde? Ein Plädoyer für Nano-Influencer.

Text: Anonymous User

26. Oktober 2018

André Gebel ist Vorstand Beratung und Strategie bei der Coma AG in München und Reiseblogger
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Das Trend-Thema Influencer Marketing läuft mittlerweile seit gut zwei Jahren auf Hochtouren und die blutigen Nasen aus Enttäuschungen und Klagewellen sind genauso geschwollen wie die Geldbeutel aus der Handvoll Erfolgs-Cases, die immer wieder im Netz herumgeistern. Eines vorab: Ja, man kann mit Influencer-Marketing erfolgreich Marke, Image und sogar den Online-Shop polieren. Ja, man kann sogar eine bessere Performance erzielen als mit Facebook Ads. Doch die Strategie für nachhaltigen Erfolg sieht vielleicht etwas anders aus als gedacht.

Aus unserer Erfahrung ist ein gutes Kreativkonzept unverzichtbar, will man nicht als plattes Product Placement bei den Top Marketing Fails der Woche landen. Googlen Sie einfach mal nach Milka, Bifi oder Coral: Hier sieht man das Ergebnis, wenn ohne Konzept und mit nichts als blindem Vertrauen gearbeitet wird.

Zum Zweiten steht und fällt eine Influencer-Kampagne mit der richtigen Auswahl der Markenbotschafter. Und da spielen plötzlich Reichweite und Fanzahl immer weniger die erste Geige, sondern werden durch Content-Qualität und Engagement gnadenlos ersetzt.

Was nützen all die ganzen Follower, wenn sie sich einfach nur in ihr Idol verlieben, aber kein Interesse an den hochpreisigen Produkten des Sponsors haben? Was nützt der Blogbeitrag, wenn es an Rechtschreibfehlern nur so hagelt und der Text wie eine verkappte SSV-Anzeige klingt?

Eure Kunden lieben euch. Macht was draus!

Erfahrungsgemäß ist das Thema Authentizität schnell vergessen, wenn es um kurzfristige Kampagen und den schnellen Euro geht. Was es zu einer klaren Aufgabe für Agenturen und Werbetreibende macht, noch mehr auf Qualität zu achten. Zum Beispiel, indem man die Hierarchieleiter mal hinunterklettert und dort nicht nur Micro-Influencer ernst nimmt, sonder die eigenen Kunden, die sogenannten Nano-Influencer.

Wer könnte ein besserer Markenbotschafter sein, als der eigene zufriedene Kunde?

Leider spielen Kunden in den meisten Marketingplänen überhaupt keine Rolle, denn schließlich werden mehr als 80 Prozent des Budgets für die Akquise von Neukunden ausgegeben, obwohl 80 Prozent der Umsätze über bestehende Käufer generiert werden.

Einige Marken haben aber mittlerweile umgedacht. Sie gehen jetzt aktiv auf treue Brandlover zu. Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis: Für die Otto-Tochter Sport Scheck haben wir Multiplikatoren gescannt, die im Netz besonders häufig auf Sport-Scheck-Posts reagieren und perfekt zur Zielgruppe passen.

Vielleicht sind es dann nur 2.000 Follower, die mit einer Maßnahme erreicht werden. Aber Absender wie Empfänger können sicher sein, dass es das Medium ernst mit ihnen meint. Mag sein, dass nicht jeder Kunde für das Empfehlungsmarketing geboren ist, doch immer weniger Fans haben ein Problem damit, sich öffentlich zu "ihrer" Marke zu bekennen. Sie würden sich durch Resonanz auf Markenseite bestätigt und gewertschätzt fühlen.

Ein anderes Beispiel ist die Outdoor-Marke Columbia, die ein ganzes Loyalty-Programm aufgebaut hat. Kunden erhalten bei jeden Online-Kauf und bei jedem Share auf Instagram oder Twitter Bonuspunkte.

Mein Credo lautet daher: Nehmt Kontakt auf zu euren treuesten Fans und Kunden und überlegt euch Mechanismen, um diese Begeisterung in neue Netzwerke zu tragen. Das wird nicht die Welt kosten, sondern nur ein wenig an der berühmten 80/20-Formel rütteln. Und das ist gut so!

Der Autor: André Gebel ist Vorstand Beratung und Strategie bei der Coma AG in München. Zu den Kunden der Digitalmarketing-Agentur zählen unter anderem Saturn, Tempo, Webasto, Philip Morris, Demak Up und der Deutsche Alpenverein. Privat schreibt er seinen Reiseblog unter: www.turnagain.de.

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