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PR-Aktion
Norwegen investiert 50.000 Euro in Fake-News

1.472 Medien aus aller Welt melden, die norwegische Insel Sommarøy wolle die Zeit abschaffen. Sie alle sind einer Fake-News aufgesessen, die mit norwegischen Steuergeldern bezahlt wurde.

Text: Anonymous User

28. Juni 2019

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Die Bevölkerung der norwegischen Insel Sommarøy nördlich des Polarkreises wollte eine zeitlose Zone errichten. Sie schreibt eine Petition an die Regierung und wirft ihre Uhren symbolisch von einer Brücke. Das zumindest meldeten 1.471 Zeitungen in aller Welt, darunter Spiegel Online, Guardian, China Daily und das Time Magazin, nachdem sie von der staatlichen Informationsagentur Inovasjon Norge eine entsprechende Pressemitteilung erhielten.

Das Problem ist nur: Die Geschichte stimmt nicht. Es war lediglich eine Kampagne, die für 50.000 Euro Budget die Insel Sommarøy in aller Welt bekannt machen sollte. Das kam allerdings erst heraus, als der norwegische Rundfunk NRK nachrecherchierte. Schließlich gestand auch die Agentur in einer Pressemitteilung: "Das war alles nur erfunden." In den norwegischen Medien entfachte daraufhin ein Sturm der Entrüstung. Dass norwegische Steuergelder verwendet wurden, um Fake News in die Welt hinauszuposaunen, fanden weder die Medien noch die Norweger und schon gar nicht die Tourismusanbieter toll.

Auch der für die PR-Agentur zuständige Wirtschaftsminister Torbjørn Røe ist über die Kampagne nicht glücklich. Doch laut taz.de war sein Ministerium von der Agentur ebenfalls falsch informiert worden. Seine Mitarbeiter dachten, die Kampagne drehe sich um die Mitternachtssonne. 

Inzwischen nimmt die Geschichte einen anderen Dreh. Den Inselbewohnern gefällt die Idee einer zeitfreien Insel. Eine Petition sei dem Parlament in Oslo schon vorgelegt worden. Dann wären die Meldungen der Weltpresse nicht mehr Fake News, sondern fast schon visionär.

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