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Kommentar
Outdoor- und Sport-Influencer, wacht endlich auf!

Vor allem Influencer aus den Bereichen Sport, Outdoor und Reise leiden unter der Corona-Krise. Doch statt Solidarität zu beweisen, halten sie an ihrem Geschäftsmodell fest. Ein Unding, findet W&V-Redakteurin Lena Herrmann.

Text: W&V Redaktion

19. März 2020

W&V-Redakteurin Lena Herrmann findet, auch Influencer sollten solidarisch sein
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Dienstagabend habe ich zwei Influencern ein für alle mal den Rücken gekehrt. Eigentlich wollte ich mich kurz vor dem Schlafengehen nur nochmal kurz durch Instagram scrollen, doch da bin ich (nicht das erste Mal, seit die Epidemie Deutschland erreicht hat) über eine Story und einen Post gestolpert, die mich so erzürnt haben, dass ich den betreffenden Influencern Lebewohl gesagt habe. Ein für alle mal. Es ging um ihren Umgang mit dem Corona-Virus beziehungsweise mit ihren Reaktionen auf die Krise.

Ich persönlich habe keine Angst vor der Krankheit an sich, denn ich bin gesund und zumindest so jung, dass ich noch ein gutes Stück von der altersbedingten Risikogruppe entfernt bin. Aber in mir ist in den vergangenen Tagen mehr und mehr die Erkenntnis gereift, dass ich ab sofort enge soziale Kontakte meiden muss, wenn ich mich mit den Schwachen, Kranken und Bedürftigen solidarisch zeigen will. Dann heißt es, konsequent zu sein und auch unangenehme Entscheidungen zu treffen. 

Die Einsicht fehlt 

Diese Erkenntnis fehlte mir bei den beiden Influencern aus dem Sport- und Reisebereich völlig. Klar, Fitnessstudios promoten, sportlich unterwegs sein und auf Reisen gehen und darüber berichten, ist deren Geschäft. Und das bricht gerade völlig ein, bedroht die Lebensgrundlage. Aber ist das ein Argument dafür, einfach so zu tun, als ob nichts wäre? Oder noch viel schlimmer: Die eigene Reichweite dazu zu benutzen, die Krise klein zu reden, Leute dazu aufzufordern, weiterhin zum Joggen zu gehen oder in die Berge?

Auch ich gehe bisher noch zum Laufen, verschiebe das aber auf die frühen Morgen- oder späten Abendstunden, so dass ich möglichst wenig Menschen treffe. Und wenn doch, dann mache ich einen großen Bogen um sie. Das ist bestimmt nicht ideal, doch es ist eben doch ein Unterschied, ob ich das an die reichweitenstarke Glocke hänge oder nicht. Wer letzteres tut und somit andere auffordert, es ebenso zu tun, der handelt unverantwortlich und unsolidarisch. 

Es gibt auch vorbildliche Beispiele

Dass es in der Szene auch andere Ansätze gibt, zeigt vorbildlich der Bergsportausrüster Bergzeit. Das Unternehmen hat am Mittwoch klar Stellung bezogen und alle Bergsportler aufgefordert, daheim zu bleiben. Als Alternative bietet das Unternehmen beispielsweise Anleitungen für Yoga-Übungen für daheim an und zeigt, wie Kletterer auch ohne Berge und Kletterhallen fit bleiben können. Das ist vorbildlich.

Mich selbst hat das so beeindruckt, dass ich mir morgen gut überlege, ob ich die Laufschuhe wieder anziehe oder nicht doch eine Yoga-Einheit auf dem Balkon absolviere. Denn auch beim Yoga, das weiß ich aus Erfahrung, kommt man ordentlich ins Schwitzen. Und es hilft außerdem, einen milderen Blick auf die anderen zu bekommen. Auch auf fahrlässig handelnde Influencer.

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Autor: Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland und Kanada, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.

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