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Auswirkungen auf die Marke
Siemens hält an Auftrag für Kohlebergwerk fest

Die Hoffnungen von Klimaschützern haben sich zerschlagen: Was hat Siemens dazu bewogen, an dem umstrittenen Liefervertrag für ein riesiges Kohlebergwerk in Australien festzuhalten?

Text: W&V Redaktion

13. Januar 2020

Siemens-Chef Joe Kaeser macht sich mit dem Festhalten an dem umstrittenen Liefervertrag unbeliebt.
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Jetzt also doch: Siemens wird sich trotz heftiger Proteste von Umwelt- und Klimaschützern an einem umstrittenen Kohlebergwerksprojekt in Australien beteiligen. Das bestätigte Unternehmenschef Joe Kaeser via Twitter.

Luisa Neubauer und andere Klimaaktivisten, die sich nach einem Gespräch mit Kaeser am vergangenen Freitag Abend Hoffnungen gemacht hatten, dass Siemens von seinem Vertrag mit der in Indien ansässigen Adani Group zurücktritt, kündigten umgehend weitere Proteste an. "Joe Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler", sagte die Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur. "Diese Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen."

Das Auftragsvolumen ist eher gering

Tatsächlich stellt sich die Frage, warum Siemens ausgerechnet an diesem vergleichsweise kleinen Auftrag von 18 Millionen Euro für die Lieferung einer Signalanlage festhält, zumal Siemens-Chef Kaeser bereits im Dezember Zweifel an dem Mitte 2019 unterschriebenen Vertrag eingeräumt hatte und ankündigte, ihn noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Laut Handelsblatt war das Thema im vergangenen Sommer durch das sogenannte Sustainability Board bei Siemens gegangen. Bedenken seien damals laut dem Siemens-Chef nicht ausreichend eskaliert worden. Und: Joe Kaeser war offenbar selbst zunächst aufgrund des eher geringen Auftragsvolumen gar nicht in die Vertragsabwicklung eingebunden.

Kritiker reagieren empört auf den Beschluss

Andererseits stellt sich die Frage: Was mag Kaeser dazu bewogen haben, der Klimaaktivistin Luisa Neubauer im Verlauf des Treffens am Freitag Abend einen Posten im Aufsichtsrat von Siemens Energy anzubieten? Vermutlich hat er einfach gepokert. Viel zu verlieren gab es für ihn nicht, nachdem Siemens diesmal von Klimaaktivisten weltweit an den Pranger gestellt worden war.

Einen faden Beigeschmack hatte das Angebot dennoch von Anbeginn. Schon der Zeitpunkt während des Gesprächs am Freitag legte die Vermutung nahe, dass es sich eher um ein kurzfristiges Friedensangebot handelt, dass von der Diskussion ablenken und signalisieren sollte: Wir sind gesprächsbereit und wollen es künftig besser machen. Kaeser wollte seinen Gegnern wohl den Wind aus den Segeln nehmen.

Auch australische Umweltaktivisten reagierten empört auf den Beschluss von Siemens. Die Entscheidung sei "nichts weniger als schändlich" und ruiniere das Image der Firma, teilte die Australian Conservation Foundation der Deutschen Presse-Agentur mit. "Mit dieser Entscheidung zeigt das Unternehmen sein wahres Gesicht."

Auch Vertragsbruch wäre ein Imageschaden

Am Ende machte der Konzern einfach das, was er für richtig hielt. Ein Vertragsbruch wäre für den Markenwert von Siemens wohl ebenfalls ein Imageschaden gewesen. Ein ausgeprägtes Saubermann-Image pflegte Siemens in der Vergangenheit noch nie. Endverbraucher spielen im Geschäft von Siemens ebenfalls keine große Rolle.

Zum Projekt:

Die Adani Group will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll.

Bei der Kritik an dem Projekt geht es neben dem Klimaschutz auch um den enormen Wasserverbrauch, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt.

Belinda Duvinage mit dpa

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