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Kreation des Tages
So brillant ist das Anti-Werbe-Musical von Skittles

Die beste Super-Bowl-Kampagne war während des Sportereignisses gar nicht im Werbeblock zu sehen.

Text: W&V Redaktion

6. Februar 2019

Michael C. Hall stand für die einmalige Show "Skittles Commercial: The Broadway Musical" auf der Bühne vor Regalen voller Markenartikel.
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Wer bezahlt schon für Werbung? Kauft sich dafür eine Eintrittskarte? Wer jetzt spontan "niemand" rufen möchte, den hat die Kaubonbon-Marke Skittles eines Besseren belehrt. Die 1500 Tickets für "Skittles Commercial: The Broadway Musical" waren rasch ausverkauft.

Statt Millionen von Dollar in die Schaltung eines 30-Sekünders zum Super Bowl zu investieren, hat die Marke von Mars Wrigley ein 30 Minuten langes Anti-Werbe-Musical als einmalige Broadway-Show inszeniert.

Skittles hat damit nicht nur sehr clever von der Aufmerksamkeit profitiert, die alles rund um den Super Bowl und Super-Bowl-Werbung bekommt (und die einen Spot in diesem Umfeld erst so richtig lohnenswert macht) - sondern zugleich die kreativste und beste Super-Bowl-Kampagne dieses Jahres präsentiert.

Einerseits war das heuer nicht allzu schwierig: Das Niveau der Kampagnen im #SB53 war bestenfalls okay, herausragende Arbeiten, die Maßstäbe für das Kreativjahr und darüber hinaus setzen, fehlten.

Andererseits war die Inszenierung, an der die Kreativagentur DDB beteiligt war, rundum gelungen. Das Werbe-Musical setzte noch konsequenter die Strategie um, die Skittles bereits 2018 zum Super Bowl eingeschlagen hatte, nämlich damit zu werben, nicht während des Footballspektakels zu werben.

Außerdem: Der Werbebranche ironisch den Mittelfinger zu zeigen.

Zunächst kündigte die Bonbonmarke das Musical an, kurz darauf wurde mit einem wunderbaren Video offenbart, dass Michael C. Hall (bekannt aus "Dexter" und "Six Feet Under") die Hauptrolle übernehmen würde. In einer Sitzung bei der Psychotherapeutin. Brillant wird das Schizophrene am Konzept sichtbar gemacht.

Eine Art Making-of zu Proben und Aufnahmen der Songs gewährte einen Blick hinter Konzept und Kulissen - und Motiv - des Werbemusicals: "Advertising ruins everything" - Werbung zerstört alles.

Schließlich das Musical selbst: eine Einmalaufführung. Absichtlich stellte Skittles keinen Livestream davon ins Netz.

Redakteure unter anderem des Entertainment-Portals Polygon (Vox Media) berichten, dass vor dem Theater Merchandising-Produkte (sogar eine Schallplatte) verkauft wurden, dass das Bühnenbild als Tante-Emma-Laden gestaltet war - und dass noch auf der Bühne Michael Hall damit haderte, in einer Kampagne aufzutreten.

Schallplatte, Poster, Shirt: Merchandising zum Skittles-Musical.

Natürlich änderte das Vernaschen einer Hand voll Skittles einfach alles für Michael Hall.

Das absurde Theaterstück brach mehrfach mit Ebenen und Erwartungen: Hall spielt sich selbst, der Werbung macht, aber keine Werbung machen will. Endlich dazu durchgerungen, wird er mit einem unzufriedenen Publikum konfrontiert, das aber selbst wiederum aus Darstellern besteht. Die bringen den Schauspieler Hall um, der als Geist auf die Bühne zurückkehrt und die Verkaufszahlen von Skittles feiert, die die Marke dem Musical zu verdanken hat.

Das ist klug - und sorgt für mehr Gesprächsstoff, als das den klassischen Spots zum Super Bowl in diesem Jahr gelungen ist.

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