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Corona-Krise
So gestaltet die W&V-Redaktion derzeit ihre Freizeit

Keine Verabredungen, kein Kino, kein Theater und auch nicht mehr Essen gehen. Kreativität ist gefragt, um dem Corona-Koller zu entkommen. Die W&V-Redaktion gewährt Einblicke in ihre Freizeitgestaltung.

Text: W&V Redaktion

27. März 2020

Die Freizeitgestaltung der Redakteurinnen und Redakteure ist vielfältig - auch in Corona-Zeiten.
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Nach zwei Wochen Home Office funktionieren die Programme und jeder weiß, wie er mit Microsoft Teams umzugehen hat. Langsam klappen sogar Absprachen in großen Videokonferenzen. Doch nicht nur das Arbeitsleben der W&V-Redakteure muss sich einwickeln. Auch die Freizeitgestaltung ist plötzlich eine völlig andere. Hier berichtet die Redaktion, wie sie während der Ausgangsbeschränkungen ihr Privatleben organisiert.

Harry fährt Jeep, Hermine Mini und die Dinos brauchen Auslauf

Ich habe lange überlegt, wie ich einen Text anfangen kann, der sich nicht um Kinderbespaßung dreht. Als wir entschieden hatten, eine Fortsetzung dieser Blick-hinter-die-Kulissen-Texte zu schreiben, wollte ich gern von lustigen FaceTime-Dates mit alten Freunden berichten, von nostalgisch Fotoabenden unserer Reisen nach Ghana, Florida und Vietnam, vom Ausprobieren neuer Rezepten, Kunstprojekten, spannender Lektüre  - oder einfach davon, wie ich mal wieder meine Fingernägel lackiere. Ideen, oh ja, die habe ich.

Und keine davon realisiert. Im Moment gibt es nichts anderes, als meine Arbeit und die Bedürfnisse der Kinder irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Sie sollen sich sicher fühlen, und so unbeschwert, wie es nur geht. Obwohl sie natürlich sensibilisiert sind.

Die Buben selbst haben Regeln aufgestellt: Kein Wort über Corona am Essenstisch, zum Beispiel. Flüche hingegen sind mittlerweile erlaubt: Kack-Corona, eine Alliteration immerhin, unsere Katharsis.

Wir alle spielen unsere Rollen: Das Schulkind setzt sich mittlerweile selbstständig an seine Hausaufgaben und das Kindergartenkind rechnet wie ein Weltmeister. Sie machen Hausaufgaben nun im Teamwork, damit sie schneller wieder miteinander spielen können. 

Sie sind meistens leise, wenn ich Video-Konferenz habe, kämmen sich manchmal sogar ohne Aufforderung die Haare (hey, es sind halt Jungs) und haben es sowas von verdient, dass ich am Nachmittag mit ihnen die Dinos freilasse. Oder Harry Potter im Jeep nach Hogwarts kutschiere, während Hermine lieber das Mini-Cabrio nimmt. "Da kann sie ihre Haare wehen lassen", erklärte der eine Sohn dazu. Freiheit ist Definitionssache in diesen Tagen.

Heute nachmittag radeln wir durch den Wald. Vielleicht lasse ich meinen Helm zuhause, und die Haare wehen. Und, wer weiß, möglicherweise lackiere ich heute Abend sogar meine Nägel. Keep going!

(Belinda Duvinage, Redakteurin)

Krasse Kuchen

Backen ist eine schöne und im Idealfall kontemplative Angelegenheit. Da man aber nicht immer alle Zutaten zuhause hat (ich jedenfalls nicht), sind Backmischungen eine wunderbare Erfindung. Klar, Dr. Oetker & Co. haben diesbezüglich einiges im Angebot. Aber es gibt auch noch etwas exotischere Mischungen, die man aber in erster Linie im Ausland erwerben kann. So findet man beispielsweise auf Malta in gutsortierten Supermärkten eine schöne Palette an schmackhaften Kreationen der amerikanischen Top-Marke Betty Crocker.

Mischungen, die man in Deutschland wohl niemals im Regal sehen würde, vermutlich auch aufgrund mancher enthaltenen Zutaten. Egal! Der Betty Crocker Red Velvet Cake Mix ist jedenfalls ein echtes Highlight auf der Kaffeetafel – und wird wohl an einem von diesen langen Abenden zuhause noch vor dem ebenfalls sehr interessanten Meerjungfrau-Kuchen in den Backofen wandern. Vielleicht sogar mit dem dazugehörigen Vanilla-Frosting, für das ich am Flughafen Malta von der Security diskret aus der Reihe gewunken wurde. Die Dose mit dem üppigen Zuckerguss  sah beim Durchleuchten des Handgepäcks einfach zu sehr nach Plastiksprengstoff aus…

Und ja, ich kann ihn (oder beide) gerne für uns in der Redaktion backen. Quasi zur Feier des Tages, wenn wir uns wieder Auge in Auge live gegenüberstehen dürfen. Was hoffentlich vor Ende des Ablaufdatums der Fall sein wird.

(Manuela Pauker, Redakteurin)

Mit dem Hund plötzlich per Du

Unser Leonberger Floki (18 Monate) freut sich, dass sein Herrchen momentan immer daheim ist, denn als Pendler zwischen Murnau und München bin ich an Arbeitstagen meist etwa zwölf Stunden unterwegs. Abgesehen davon, dass jetzt auch mal Kurzgassis in der Mittagspause möglich sind, die uns beiden den Kopf freimachen, ist es erstaunlich, wie sich auch Flokis Verhalten geändert hat. Bislang verständlicherweise eher Frauchen-orientiert, ist er mir gegenüber aufmerksamer geworden und wir haben ein schönes, engeres Verhältnis. Wenn es nach ihm ginge, könnte der Home-Office-Status gerne noch lange andauern - und in diesem Sinn freu auch ich mich darüber. Eine Zeit mit seltsamen Wendungen, die neue, auf spezielle Art auch bereichernde Perspektiven auf das Alltagsleben geben.

(Manfred Böhm, Grafiker)

Zu viele Jobs auf einmal

Ganz ehrlich: Ich habe (noch) meine Probleme mit dem Home Office. Wenn ich abends ins Bett gehe, ruht nur einen halben Meter von mir entfernt mein Arbeitsplatz. Tagsüber werkelt im Wohnzimmer meine Frau, im Kinderzimmer lernt mein Sohn und ich ziehe mich eben in eine Ecke des Schlafzimmers zurück. Die Abstimmung innerhalb der Familie funktioniert gut. Aber das Verschmelzen von Arbeit und Freizeit, von Büro und Wohnung, macht etwas mit mir, was mir nicht gefällt. Ich kann nicht mehr richtig abschalten. Mich quält ein ständiges schlechtes Gewissen, das Gefühl, nicht effizient genug zu sein. Ich weiß: Selbstorganisation und Selbstbewusstsein sind gefragt. Aber das sagt sich so leicht. Allein die Pausen sind zwangsläufig länger als im Büro. Denn Home Office bedeutet Verdichtung. Als Elternteil bist du gleichzeitig auf engem Raum Partner, Kollege, Spielkamerad, Koch und Lehrer.

Oder... besser gesagt ein Zwitterwesen zwischen Lehrer und Elternteil. Die Schule nutzt ein Organisationstool namens Mebis. Das wirkt ziemlich steinzeitlich. Aber es könnte einigermaßen funktionieren, wenn alle Lehrer es einheitlich nutzen würden. Doch die Pädagogen haben sich nicht untereinander abgesprochen, wie sie das Tool mit Arbeitsaufträgen füllen. Es gibt keine einheitliche Systematik. Tatsächlich geht viel Zeit dafür drauf, Struktur ins Chaos zu bringen und zwischen den zahlreichen Lehrern und dem einen Schüler zu übersetzen.

(Rolf Schröter, Mitglied der Chefredaktion)

Auf dem Rücken der Pferde

Als klar war, dass es Ausgangsbeschränkungen geben wird, war meine größte Sorge, ob das Joggen noch erlaubt sein wird - denn das morgendlichen Laufen mit meinen Kindern, die ich im umgebauten Fahrradanhänger vor mir her schiebe, gekoppelt mit einer Tobe- und Ballspieleinheit in den Isarauen, ist von Anfang an wichtiger Teil unserer Corona-Routine. So ist der Großteil der Familie schon mal ein bisschen ausgepowert und somit ausgeglichener und mein Mann kann in unserer offenen und somit hellhörigen Wohnung zumindest mal zwei Stunden in Ruhe arbeiten.

Meine zweite Sorge war, ob es mir möglich ist, weiterhin Chico zu besuchen. Dabei handelt es sich nicht um meinen südamerikanischen Lover, sondern um ein Deutsches Reitpferd, das mir nicht gehört, zu dem ich aber jeden Montag fahre, um mit ihm durch die Natur zu stromern. Glücklicherweise verlangt schon der Tierschutz, dass man sich weiterhin um seine Tiere kümmert und noch viel glücklicher für mich fallen auch Reitbeteiligungen darunter, die das dürfen. Also auch ich.

Erst zurück im Stall, als ich mit den Pferdepflegern das inzwischen bekannte Zwei-Meter-Abstand-Ballett getanzt habe, kam der Gedanke an den Ausnahmezustand zurück. Aber immerhin: Für eineinhalb Stunden habe ich das Chaos da draußen in der Welt einfach vergessen. 

(Lena Herrmann, Redakteurin)

Feierabend mit der "Corona-Schau"

Die Tagesschau war nie mein Medium. Denn selbst wenn ich abends nicht auf dem Cycling-Rad sitze, mit Freunden im Restaurant, auf dem Elternabend oder mit den Kindern beim Lesen auf der Couch, haben mich die wichtigsten Nachrichten bis dahin sowieso längst erreicht. Das ist jetzt anders. Nach dem täglichen Durcheinander aus Home Office, Home Schooling und Hausarbeit bin ich froh um den 20 Uhr-Gong der Nachrichten – der Aus-Knopf des Tages, der mir das Chaos auf der Welt mit gut recherchierten und validen Informationen erklärt. Und den Feierabend einläutet, an dem ich endlich die Füße hochlegen kann und nichts mehr machen  muss. Außer vielleicht die Kinder ins Bett bringen. Denn die bestehen inzwischen auch auf die, wie sie es nennen, "Corona-Schau" um Punkt acht. 

(Julia Gundelach, Redakteurin)

Faultier im Anmarsch

Ich versuche in den Pausen, die gerade zwischen verschiedenen Aufgaben entstehen, oder auch abends, den Rechner zur Seite zu schieben und mich mit Sachen zu beschäftigen, die mir Spaß machen, etwa wieder mehr zu zeichnen. Da werden auch gern mal alte Reiseskizzen rausgeholt und überarbeitet, oder es schleicht sich ein kleines Faultier wie von selbst leise von der Seite an.

(Christiane Tillmann, freie Grafikerin)

Einen Kilometer Fame

Diese Woche gibt es von mir eine Videobotschaft. Dafür habe ich euch mit zum Joggen auf eine meiner Lieblingsstrecken rund um mein Zuhause genommen. Dreimal habe ich den fast zweiminütigen Clip drehen müssen, weil mir beim ersten Mal die Luft wegblieb, da ich zu schnell war, und beim zweiten Mal mein Hirn auf einmal keinen Text mehr ausspuckte. Die dritte Variante fand ich fehlerfrei, was sich allerdings beim nochmaligen Anschauen zuhause als falsch herausstellte. Egal! Ihr werdet den Versprecher finden – und hoffentlich grinsen. Insgesamt bin ich sicherlich einen ganzen Kilometer lang in die Handykamera quatschend mitten durch München gerannt. Mit Selfiestick. So muss sich ein Fitnessinfluencer fühlen.

(Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion)

Bananenkuchen für alle

Was mich in dieser ersten Woche Home Office dann doch wieder verblüfft hat, ist die Tatsache, wie viel schmutziges Geschirr eine einzelne Person produzieren kann.  Ich koche und backe zwar gern, aber dank guter Kantine habe ich das meist aufs Wochenende verlagert. Nun also ein endloser Kreislauf aus Kochen, Essen, Spülen und dann wieder von vorne. Denn – betriebswirtschaftlich gesprochen – sind die Fixkosten ja gleich, egal, ob ich für eine oder vier Personen koche. Topf, Pfanne, Schneidebrett sind auf alle Fälle eingesaut. 

Dennoch macht mir das neue Cocooning Spaß, motiviert es mich doch, mir schon im Vorhinein zu überlegen, was ich in der nächsten Woche kochen will, denn die Ökokiste hat aufgrund des großen Andrangs ihre Bestellschlüsse vorverlegt. 

Am Wochenende habe ich dann einen neuen Kuchen ausprobiert – Bananenkuchen mit Datteln. Damit konnte ich mir nicht nur selbst die Kaffeepause versüßen, sondern auch meinen Nachbarinnen Verena und Katrin. Sie versorgen mich derzeit mit allem Lebensnotwendigen, was es nicht in der Ökokiste gibt. Und ihr Feedback motiviert mich, mit meinen Back-Experimenten weiterzumachen.

(Annette Mattgey, Redakteurin)

Der Hund als Ausgleich zur Pubertät

Timmy ist immer um mich rum - auf dem Boden oder auch auf dem Schoß. Er findet es bestimmt super, dass wir alle Zuhause sind und das rund um die Uhr. Uns Menschen geht die Situation schon sehr aufs Gemüt. Dazu kommen noch zwei Pubertierende, die ständig rebellieren und immer das Gegenteil von dem machen was sie sollten. Da sind manchmal ein paar Minuten mit dem Hund schon sehr entspannend.

(Uli Kurz, Grafiker)

Alles steht Kopf!

Bei mir steht alles Kopf - nur dass es sich hier nicht um einen Film handelt, ich nicht Riley heiße und nicht von Minnesota nach San Francisco, sondern vom Büro ins Home Office gezogen bin. Das ist nicht nur komplettes Neuland für mich, nein, es nimmt mir auch Teile der Bewegung, die in meinem Leben ohnehin viel zu kurz kommt. Keine Fahrradfahrten ins Büro, kaum noch Treppensteigen, wenn nicht gerade der Müll hinaus muss.

Was also tun, wenn die Freizeit gefühlt länger ausfällt, weil der Arbeitsweg entfällt? Laufen? Nur mit vorgehaltener Waffe! Yoga, Pilates und Co? Sorry, ich kann atmen, aber nicht auf Anweisung. Telegymnastik jeglicher Art scheint keine Option für mich, denn ich bin schon vor Jahren an einem Kurs für Senioren gescheitert, den das Bayerische Fernsehen frühmorgendlich anbot.

Ich bleibe also bei dem, was ich halbwegs kann und was mir immense Freude bereitet. Ich tanze! Jeden Tag – und das schon vor Corona. Und wenn das nicht reicht, dann turne ich eben auf Möbeln und stelle mich auf den Kopf, wie das Coronavirus gerade alles um uns herum. Möge es genauso schnell die Kraft verlieren wie ich bei dieser Übung.

(Jessica Davies, Redaktionsassistentin)

Cappuccino und andere Peinlichkeiten

"Ihr seid so was von peinlich", meinte unsere Pubertier-Tochter. Mein Mann, der neuerdings auch irgendwie Kollege ist, war ins Wohnzimmer rübergekommen, wo ich mich in meiner Home-Office-Couchecke eingegroovt habe: "Komm, Zeit für den Cappuccino!" Dass sich zwei aus Sicht der Pubertierenden betagte Menschen ("Ihr seid doch sicher schon Risikogruppe!?") zweimal täglich auf den meistens viel zu kalten Balkon begeben und das feiern wie noch was, kommt ihr verdächtig vor. Uns auch.

Aber genau diese Momente, die sonst eher nebenbei mitgenommen wurden, werden gerade zu Ritualen, Ankern, ja Highlights in unserem Alltag. Sie sind unsere Schutzmaske, Arbeit und Privates zu trennen und gleichzeitig zu verbinden. Auch der immer schon schöne tägliche Spaziergang mit dem Hund ist noch wertvoller geworden.

Genauso wie die "Wie geht’s"-Frage, die ausgerechnet im Abstand von zwei Metern jegliche langgeübte Belanglosigkeit verloren hat und ein paar Minuten ungewohnte Nähe herstellt zu hören, wie es der Nachbarin, den Bekannten auf der Hundewiese und immer öfter irgendjemand völlig Unbekannten geht. Als wir wieder auf dem Balkon saßen, kam die Tochter. "Wollt Ihr vielleicht mit mir mal eine Shisha rauchen?" Ich habe alles gegeben, nicht zu husten. Von wegen peinlich...

(Christiane Treckmann, Redakteurin)

Es wird ernst

Alle Witze über Toilettenpapier sind gemacht, sämtliche Tipps fürs Home Office ausgetauscht, auch die Balkone haben die Flashmobs überstanden. Jetzt geht es ans Eingemachte.

Das merke ich, als ich mich neulich abends virtuell mit meinen lieben Kollegen vom Presse-Team des CSD treffe, Julia, Frank, Alex. Neben W&V habe ich noch Nebenjobs; auch Werber machen ja gern noch was für den purpose nebenbei. Und ich helfe eben beim Münchner Pride in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit aus. Das macht Spaß, scheint mir sinnvoll und hilft, im Praktischen das anzuwenden, was ich tagsüber bei W&V von der Branche so lerne. 

Es ist unser erstes Zoom-Meeting; alle sind aufgekratzt, weil wir nun dieses neue Dialog-Tool für uns entdeckt haben - aber die Stimmung kippt schnell. Die Frage steht im Raum, ob der CSD überhaupt stattfinden kann in diesem Sommer. Wir alle kennen die Antwort, aber offen spricht sie niemand aus. 

Können wir die LGBTI*-Community dieser Stadt allen Ernstes daran hindern, im Juli für gleiche Rechte und Akzeptanz auf die Straße zu gehen? In einem Land - das dürfen wir trotz Corona nicht vergessen - Rechte, Hass und Gewalt verbreiten? Ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit, bis die die Krise um das Virus für sich nutzen werden. 

Und was ist mit den Leuten, die für den CSD arbeiten, Kulturschaffende, Event-Manager, Grafiker? Viele sind selbstständig. Deren Existenz ist mit einem Mal gefährdet. Die Angst geht um.

Klar, was jetzt zählt, sind Solidarität und Vernunft, um die Menschen in dieser Stadt vor der Infektion zu schützen, das finde ich richtig und gut. Wir übernehmen Verantwortung. Das Problem ist nur: Wir haben es nicht in der Hand, das Virus aus der Welt zu schaffen. So schnell jedenfalls nicht. Und die Perspektive, dass dieser Zustand uns Monate lang erhalten bleibt, raubt mir jedenfalls manchmal alle Energie. Gestern weniger, heute mehr. 

Doch bei aller Not inspirieren uns die Menschen mit Ihren Ideen für eine alternative, virtuelle PrideWeek, die vielen Aktionen zur Rettung der Szene-Gastronomie und vielleicht helfen ja auch die Notprogramme von Bund und Ländern. Nicht nachlassen! Das ist die Botschaft dieser Tage, auch wenn es Kraft kostet. Die kreativen Köpfe in den Agenturen und Marketingabteilungen dieses Landes machen es vor. Tag für Tag.

(Conrad Breyer, Redakteur)

Backen beruhigt

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht: Aber seit dem von Ministerpräsident Söder verordnetem Stubenarrest habe ich dauernd Hunger. Es sind vermutlich Menschen wie ich, die die Zugriffszahlen auf Angebote wie Chefkoch.de nach oben treiben. Ein herrliches Outlet für alle, die Kochen und Backen als probates Mittel gegen den Corona-Frust entdeckt haben. 

Es ist zwar eigentlich nicht die Jahreszeit für Zwetschgendatschi, aber ich finde, der geht immer. Zumal noch reichlich Obst aus dem Garten meiner Schwester im Gefrierer schlummert. Zeit, die Zwetschgen aus dem Winterschlaf zu holen. Praktisch, dass aus der Prä-Corona-Zeit noch Mehl und Hefe vorrätig waren. Der Nachbar wollte wissen, ob beides vom Schwarzmarkt stammt, denn anscheinend sind die aktuell genauso selten im Supermarkt zu finden wie Klopapier.

(Lisa Priller-Gebhardt, Freie Mitarbeiterin)

Geburtstag geht auch so

Aufstehen, Yoga, Arbeit, Spaziergang, Netflix – and repeat. Da ich ein absoluter FOMO-Typ bin, also ständig Angst habe, etwas zu verpassen, tut mir die Isolation irgendwie sogar ganz gut. Einfach mal nix planen. Es muss ja schließlich auch nicht immer was los sein. Obwohl, eine kleine Besonderheit gab es diese Woche dann doch: Ich hatte Geburtstag! Der war zwar auch vergleichsweise unspektakulär, aber tatsächlich nicht weniger schön als die 30 anderen davor. Strahlender Sonnenschein, ein liebevoll gedeckter Frühstückstisch inklusive Zitronenkuchen und eine Menge toller Messages, Sprachnachrichten und Anrufe von Freunden, Kollegen und Familie haben mich seeehr happy gemacht. Und immerhin musste ich mich ohne großartige Feierei ausnahmsweise mal nicht mit einem fiesen Kater rumschlagen – hat auch was. Aber zur Gewohnheit muss es trotzdem nicht werden! ;D

(Alessa Kästner, Redakteurin)

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Hobbies 

Lichterkette und Holzwand. Auch wenn’s so aussieht, ich sitze nicht in der Kneipe. Sondern in der Küche. Und das leider nicht, weil das Büro im Westflügel gerade renoviert wird – schön wär’s – sondern, weil meiner Freundin nach zähen diplomatischen Verhandlungen der Schreibtisch im Wohnzimmer zugesprochen wurde. 

Ja, Homeoffice in einer Zwei-Zimmerwohnung ist eine räumliche Herausforderung. Aber genug gejammert. Denn eigentlich klappt alles erstaunlich gut. Auch in Sachen Mittagspause, wie man sieht. Wann gibt es sonst die Gelegenheit, zu puzzeln, während die Tiefkühlpizza im Backofen verkohlt? Dass ich das oft geschmähte Kantinenessen mal vermissen werde, hätte ich auch nicht gedacht. 

Das Puzzle, ein Überbleibsel des gestrigen Abends, ist übrigens der liegende Beweis dafür, dass auch Netflix mal langweilig wird. So ähnlich müssen sich Rentner fühlen, die plötzlich neue Freizeitbeschäftigungen entdecken. Immerhin: Vogelhäuschen habe ich noch keine gebastelt. Kann aber noch kommen – Bundesliga läuft ja auch nicht mehr… Jetzt reicht es aber wirklich! Sonst steigere ich mich noch in etwas hinein. Mittagspause ist auch vorbei. 

(Maximilian Flaig, Volontär)

Ein Stück Normalität. Oder doch nicht.

Normalerweise gibt es frische Brezen und Seelen nur am Wochenende. Sonst ist keine Zeit dafür. Nun aber seht jeden Morgen der Gang zu unserem Lieblingsbäcker an, der keine drei Minuten entfernt von uns ist. Ein sehr guter, wenn nicht sogar der beste Bäcker der Stadt. Und wie immer ist die Auslage gedrängt voll mit den unterschiedlichsten Backwaren. Große, massive Laibe stapeln sich in den Stellagen neben eher schmächtigen, runden Broten, kleine Berge mit Krustensemmeln, Kornspitzstangen und vieles andere mehr. Eine Etage höher warten feucht schimmernde Plunder (vor allem mit Erdbeeren ein Gedicht), verführerische Kuchenschnitten und diverse Hörnchen auf genießerische Käufer. Dazu der warme, heimelige und appetitanregende Duft. Und der freundliche Singsang der Verkäuferinnen. Einfach ein Traum. 

Nur die Abstandspunkte auf dem Boden zerstören die Illusion, es sei alles wie immer. Der Sicherheitsabstand zu den wenigen anderen Kunden und die Plexiglas-Scheiben auf der Theke zum Schutz der Angestellten. Dennoch eine wohltuende Abwechslung nach vielen Stunden daheim im Home Office. Fast schon eine kleine Flucht. Daran werde ich mich erinnern, wenn ich hoffentlich in wenigen Wochen mit vielen anderen Käufern wieder darauf warte, endlich an der Reihe zu sein.

(Peter Hammer, Redakteur)

Auch daheim darf es Glitzer sein

(Judith Stephan, Chefin vom Dienst)

Schweinchen in der Mitte statt Yoga am Sonntagabend

"Freizeit". Heißt ja eigentlich: "freie Zeit". Hab ich gerade nicht. Jedenfalls keine freie Zeit nur für mich: Kein Sonntagabend-Yoga im Studio. Keine halbe Stunde Radio hören oder telefonieren, während ich allein im Auto sitze und in den Verlag fahre. Kein Glas Wein mit der Freundin im Ruffini. Und keine Zeit mehr mit meinem Mann. Denn einer von uns beiden arbeitet immer.Dafür habe ich jede Menge Freizeit mit den Kindern. Die genieße ich trotz der Doppelbelastung sehr. Wir singen jeden Morgen Lieder im Morgenkreis, an dem außer den Kindern und mir noch unzählige Puppen und Stofftiere teilnehmen. Wir basteln Tulpen und Hyazinthen. Wir machen Yoga. Und: Wir verbringen viel Zeit im Garten.Mittlerweile kriege ich es sogar hin, dort mein tägliches Pensum Bewegung einzubauen: Springseil, Gummitwist, Schweinchen in der Mitte, Fußball – und Überkreuzbewegungen. Ein Tipp von Matildas Kindergärtnerin, die Life-Kinetik-Trainerin ist: Kann ich nur empfehlen. Danach ist man auch am Laptop wieder konzentriert.

(Stephanie Gruber, Textchefin)

Bitte keine Dosenravioli!

Wenn man nicht jeden Tag ins Büro fahren muss, dann spart man – zumindest gefühlt – Zeit ein. In meinem Haushalt gibt es einen sehr hohen Italiener-Anteil. Was bedeutet das? Statt einer "schnellen" Pasta gibt es jetzt täglich anspruchsvollere Gerichte - man hat schließlich mehr Zeit. Sprich: Ravioli in der Dose oder Fertigsuppen überlassen wir gern den ganzen Hamsterern. 

Auf dem Speiseplan stehen zum Beispiel selbstgemachte sardische Nudeln oder Lasagne mit Lachs und Kürbis. So kann man auch die Lebensmittel-Lücken kompensieren. 

PS: Bei uns werden keine italienischen Nudeln gebunkert. Trotzdem werden wir noch satt. ;-)

(Ulrike App, Redakteurin)

Bei jeder Gelegenheit aufs Rad

In fast jeder freien Minute schwinge ich mich aufs Fahrrad. Eigentlich bin ich leidenschaftlicher Mountainbiker, aber weil das gerade nicht gut geht, fahre ich lange Strecken von daheim aus los. Dabei fallen mir immer wieder neue Ecken auf, die ich bisher nicht kannte. Auch eine Art der Horizonterweiterung und wohltuend in der Krise.

(Christoph Born, Bildredakteur)

Dr. House im Playmobil-Hospital

Freizeit? Die Kinder haben viel Freizeit - ja, das schon. Und so belastend die Situation für die Welt der Erwachsenen auch sein mag: Es macht Spaß zu sehen, wie die Kinder die derzeitige Phase (zumindest bis jetzt) als etwas ganz Außergewöhnliches und Besonderes wahrnehmen und genießen können. Das hätte ich nicht gedacht. Ich habe vor allem geglaubt, dass sie ihre Freunde schrecklich vermissen werden. Und ihre Klassenkameraden. Und die Spielplätze.

Weil sich die Schlafengehens-Zeiten am Abend nach hinten verschieben, bleibt für mich als Haupt-Freizeit-Beschäftigung der gemeinsame Zeitvertreib. Da kann ich dann zum Beispiel die derzeitige Situation in den Kliniken noch einmal sorgfältig im Playmobil-Krankenhaus mit ihnen durchspielen. Und muss dabei natürlich aufpassen, dass ich ja nicht zu Dr. House mutiere.

(Markus Weber, Redakteur)

Laufen oder Testen?

Anfangs dachte, es sei eine gute Idee, als mein Freund letzte Woche vorschlug, ich könne ja nun jeden Mittag seiner Laufroutine folgen, solange wir beide im Home Office sind. Das sei gut für mich und es wäre ja gerade jetzt besonders wichtig, mein Immunsystem zu stärken, so seine Worte. Anscheinend hatte ich wohl ein bisschen zu oft den Hashtag #MachenWirDasBesteDaraus gesehen, denn für einen kurzen Moment vergaß ich, was für ein Sportmuffel ich eigentlich bin und stimmte begeistert zu. 

Nach den ersten zwei Runden war die Begeisterung schnell verflogen und ich checke jeden Morgen erst einmal die Wetter-App in der Hoffnung, dass mir die Quälerei aufgrund von Regen oder Schnee erspart bleibt. Doch das Wetter ist in diesen Tagen nicht mein Freund. Also erfinde ich jeden Tag neue Ausreden: Mal wird es zu knapp vor dem nächsten Videocall, mal bin ich gerade so im Flow, dass ich meine Arbeit nicht unterbrechen kann. Ist ihm aber egal, dann wird die Laufrunde eben in die Abendstunden verlegt. 

Da wir in der Nähe wohnen, war die Münchner Theresienwiese schon immer fester Bestandteil seiner Laufroute. Im Herbst findet dort das Oktoberfest statt, zur Zeit ist unterhalb der Bavaria-Statue ein Drive-In für Coronatests. In den ersten Tagen standen die Menschen dort mit oder ohne Auto stundenlang Schlange, mittlerweile ist dort kaum noch etwas los.

Zum Schluss noch ein Tipp an alle, die gerade ebenfalls von ihrem Partner zu Sport gezwungen werden und denen es ähnlich wie mir geht: Finger weg, von der Ausrede, dass man sich nicht so gut fühle oder etwas Halskratzen habe. Außer ihr habt Lust ein Gespräch zu führen, das jede Minute eures Handelns in den letzten zwei Wochen analysiert, um auszuschließen, dass es sich dabei um Corona-Symptome handelt. Da geh sogar ich lieber laufen.

(Marina Rößer, Redakteurin)

Im Freizeitstress

Vor kurzem war in der Süddeutschen Zeitung zu lesen, Mann bricht mit Hammer in Schwimmbad ein. Mitarbeiter entdeckten den seelenruhig schwimmenden Mann und forderten ihn vergeblich auf, aus dem Becken zu kommen, so die SZ. 

Sehr schön. Das verstehe ich sehr gut, bin ich doch eine passionierte Schwimmerin. Damit es nicht soweit kommt und ich auch einbreche, gehe ich nun laufen. Immer schön an der Isar entlang, wie viele andere Münchner auch. So viele Neu-Jogger waren noch nie unterwegs. So viele Freunde haben mir noch nie von ihren Laufschuhbestellungen erzählt. Aber alte Pumas tun es auch habe ich festgestellt. Anstrengend und monoton bleibt es trotzdem. Aber besser als nix. Frischluftkick solange es noch erlaubt ist.

Dafür lockt nach sportlicher Ertüchtigung das Kulturprogramm. Wenn analog schon immer ein Termin den nächsten jagt, bin ich digital nun erst recht im sozialen Stress. Soll es heute Abend ein Live-Wohnzimmerkonzert auf Facebook sein, oder eine Live-DJ-Session im Plattenladen oder vielleicht doch die Live-Cam aus den Münchner Kammerspielen? Dazu muss man und will natürlich auch noch ständig Freunde treffen. Ungeschminkt im Splitscreen – statt an der Bar im Nachtleben. Vielleicht sollte ich zur Entschleunigung doch mal ein paar Yogasessions im Web nehmen. Nur wann?

(Katrin Otto, Redakteurin)

Buchempfehlung

Das W&V-Aprilheft ist unterwegs zur Druckerei. Und der Schlussredakteur nutzt die Zeit vorm ersten Text fürs nächste Heft natürlich zu einer Lektüreempfehlung. Der große Preußen-Roman mit dem Titel, der zum geflügelten Wort wurde, ist 1852 zum ersten Mal erschienen. Alles Geschichte? Wie man’s nimmt.

(Franz Adam, Schlussredakteur)


Autor: Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland und Kanada, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.

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