Anzeige

Marketing im Mittelstand
So kreativ reagiert der Mittelstand auf die Krise

Mit Aktionen, Videos und einer intensiven Social-Media-Präsenz sorgen mittelständische Unternehmen derzeit dafür, dass sie während der Corona-Krise im Gespräch bleiben. 

Text: W&V Redaktion

25. März 2020

Mit Initiativen wie Händler helfen Händler soll vor allem der Mittelstand gerettet werden
Anzeige

Ein herzerweichendes Video macht auf Instagram seit ein paar Tagen die Runde. Darin wendet sich der Chef der Hannoveraner Bäckerei Bosselmann in einer emotionalen Ansprache an seine Kunden. Unter Tränen bittet er sie, weiterhin Brot und Brötchen bei den Bäckern zu kaufen und nicht auf den Supermarkt auszuweichen. Nur so könne er seinen Mitarbeitern einen Arbeitsplatz während der Krise gewähren.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Selbst Medien wie der NDR griffen die Nachricht des Bäckers auf. Wenig später tauchte ein Schreiben des Bäckermeisters auf, in dem er seinen Mitarbeitern mit Kündigung drohte, sollten sie sich ohne ärztliche Krankschreibung krank melden. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, Bosselmann hat sich für seinen rauen Ton entschuldigt. Sein Video zeigt jedoch, wie einfallsreich der Mittelstand gegen die Corona-Krise kämpft. 

Lieferservice der Autowerkstatt

Auch die Chefin des Autohauses Kaschel wendet sich auf dem Instagram-Account ihres Unternehmens an ihre Kunden und auch alle anderen Deutschen. "Wir, der Mittelstand, brauchen Euch", appelliert sie darin an die Menschen.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Doch nicht nur Instagram kann das Autohaus. So holen die Mitarbeiter des Autohauses seit der Krise die reparaturbedürftigen Autos von ihren Besitzern zuhause ab und liefern sie auch wieder zurück.

Vor allem die Kleinen leiden unter der Krise, schreibt das Handelsblatt. Rund drei Millionen der deutschen Unternehmen haben weniger als zehn Mitarbeitern.

Auch ein Sportfachhändler hat sich einige Aktionen einfallen lassen, um die Kunden auch in Krisenzeiten bei der Stange zu halten.

Dieser Inhalt kann leider nicht dargestellt werden. Sie finden ihn hier.

Sogar ein Hotel bleibt im Gespräch und streamt Angebote

Mit am stärksten betroffen sind Hotels - schließlich reist in Corona-Zeiten niemand mehr durch die Lande oder macht gar Urlaub. "Wenn die Gäste nicht ins Hotel kommen, kommt das Hotel eben zu den Gästen", war Marc Vollbracht, Inhaber des Familotel Sonnenpark in Hessen, überzeugt. Und so überträgt das 4-Sterne-Hotel ab sofort sein gesamtes Kinder-, Animations-, Wellness- und Kulinarikprogramm digital und kostenlos auf home.sonnenpark.de.

"Wir machen das Beste draus und wollen optimistisch nach vorne schauen", sagt Hotelinhaber Marc Vollbracht. "Wir wollen in dieser Phase, in der wir geschlossen haben, trotzdem für unsere Gäste und alle Familien da sein. Unsere Gäste sind traurig, dass sie ihren Urlaub bei uns jetzt nicht verbringen können. Viele Familien sind zuhause mit der neuen Situation überfordert."

Mitarbeiter und Partner des Hotels produzieren auf Hochtouren Content in Form von Videos, Podcasts, Live-Schaltungen, Malvorlagen, Live-Cooking, Yoga-Sessions und mehr. Alle Aktionen werden täglich mehrmals via Facebook, Instagram und YouTube sowie über Newsletter kommuniziert und in dem Blog gesammelt. Als Multiplikator in der Verbreitung sowie Content-Erstellung sind zielgruppenspezifische Kooperationspartner angedacht.

Initiative Händler helfen Händlern

Via LinkedIn hat sich die Initiative "Händler helfen Händlern" gegründet. Die Idee: Eine technische Plattform soll dafür sorgen, dass alle Filialbestände hochgeladen und dann durch Taxen, Lieferdienste, Getränkelieferanten und andere lokale Logistikdienstleister versendet werden können. Ende der Woche soll die Plattform live gehen. "Wir arbeiten gerade mit aller Kraft an einer schnellen Unterstützung für regionale, stationäre Händler, die von der Ladenschließung extrem getroffen sind", sagt Marcus Diekmann, CEO von Rose Bikes und Mitinitiator von "Händler helfen Händlern". Das Konzept entstand am Wochenende in Zusammenarbeit der beiden Händler Rose Bikes und Visunext Group sowie Shopsoftwarehersteller Shopware.

Zudem gibt es die Möglichkeit für Händler, sich innerhalb von 14 Tagen eine eigene Verkaufsplattform aufzubauen und so den Wegfall des stationären Geschäfts zumindest in Teilen zu kompensieren.

Gutscheine für später verkaufen

Auch die Werbeagentur Antoni hat bereits eine Aktion ins Leben gerufen, mit der sie den kleinen Geschäften in der Nachbarschaft helfen will. Eine fast ganz ähnliche Aktion haben vier Unternehmen aus Hamburg ins Leben gerufen. Unter Pay Now Eat Later können kleine Gastronomiebetriebe Gutscheine verkaufen. Auch die Aktion Hands for Artists hat eine Gutschein-Aktion ins Leben gerufen. Vor allem Friseure, Make-up-Artists und Tätowierer können sich hier mit ihren Kunden zusammenschließen und so in der Krise ein bisschen Geld einnehmen.

Alle Entwicklungen hier im Live-Blog verfolgen:

Anzeige