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Lokale Marketingaktion
So will Radlbauer das O-Bike-Problem in München lösen

Radlbauer macht mit seiner "Aufräumprämie" vor, wann lokales Marketing funktioniert: nämlich wenn Händler, Kunde und Stadt profitieren. Dafür begibt er sich sogar auf rechtliches Glatteis.

Text: W&V Redaktion

28. September 2018

Das Bike-Sharing-Projekt von O-Bike ist gescheitert. Jetzt profitiert Radlbauer.
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Wer diesen Sommer durch München gefahren ist, dem dürften sie aufgefallen sein: verwahrloste orange-silberne Fahrräder überall, im Gebüsch, auf Verkehrsinseln, in der Isar und sogar auf Bäumen. Sie sind der Rest eines missglückten Versuchs namens O-Bike, ein großes Bike-Sharing-Netz in der Stadt aufzubauen. Und nun verschandeln sie die Stadt.

Bis jetzt. Denn der Fahrradhändler Radlbauer nutzt die angeblich 3000 bis 6000 rumliegenden Räder – keiner kennt die Zahl so genau – für eine kreative Marketingaktion, von der alle etwas haben: Er selbst, seine Kunden und die ganze Stadt München: Jeder, der bis Ende Oktober eines der verlassenen O-Bikes bei Radlbauer abgibt, erhält 100 Euro Rabatt auf seinen Kauf. 

Aufräumprämie für die Schrotträder

"Aufräumprämie" nennt der Filialist die Aktion und bittet darum, zuerst die Räder zu bringen, die defekt sind oder in der Natur liegen und die Stadt verschandeln. Das sagt Thomas Böttner, Geschäftsführer von Radlbauer, gegenüber der lokalen Zeitung TZ. Das Unternehmen werde sie "einlagern und womöglich verschrotten", wenn O-Bike, noch immer rechtmäßiger Besitzer, sie nicht abholen sollte. 

Dass Radlbauer sie am Ende selbst entsorgt, ist gut möglich. Denn O-Bike ist insolvent und hat sich nach der Insolvenz nicht weiter drum gekümmert. Auch die Stadt München sieht sich nicht dazu berechtigt, die zum großen Teil schrottreifen Räder einzusammeln und wegzuwerfen. 

Die Münchner räumen auf

Deswegen ist die Aktion von Radlbauer mutig. O-Bike könnte immer noch Anspruch auf die Räder erheben. Doch das nimmt der Händler in Kauf. Bei den Münchnern scheint die Aktion anzukommen. Bereits am ersten Tag hätten sie mehrere Dutzend Räder abgegeben, zitiert die SZ Böttner. 

Auch in Hannover, Frankfurt am Main und Berlin verteilte O-Bike Leihräder, allerdings nicht wie in München bis zu 7000 Stück, sondern nur einige Hundert. Weil das Problem in den drei Städten bei Weitem nicht so groß sei und Radlbauer in keiner von ihnen Filialen betreibt, laufe die Aktion aktuell nur in der bayerischen Hauptstadt, sagt ein Sprecher gegenüber W&V. Dort betreibt der Händler drei der insgesamt 26 Verkaufsstellen. 

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