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Internet der Dinge
Sprechen Sie mit Ihrem Cocktail-Glas

Pernod Ricard experimentiert mit interaktiven Flaschen und Gläsern. Nur ein Gimmick oder steckt eine ernstzunehmende Marketingstrategie dahinter?

Text: W&V Redaktion

30. Juli 2018

Das Glas enthält einen Chip, über den die Kommunikation mit dem Barkeeper stattfindet
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Der Wein- und Spirituosenkonzern Pernod Ricard setzt seine Experimente im Bereich Internet of Things fort und ist hierfür eine Partnerschaft mit dem französischen Startup Black Sheep eingegangen. Das Jungunternehmen will den Bestellvorgang in Bars und Restaurants über eine Web-App revolutionieren, die nicht heruntergeladen werden muss und eine Bestellung im Lokal über wenige Klicks ermöglicht.

Gemeinsam haben die beiden Unternehmen dafür ein interaktives Glas entwickelt, das vor Kurzem im Plaza Havana Club in Paris offiziell präsentiert wurde. Das Glas enthält einen Chip mit dem Übertragungsstandard Near Field Communication (NFC), über den die Kommunikation mit dem Barkeeper stattfindet.

Eingesetzt werden kann die Technologie auch zu Hause. Hier erhält der Nutzer Zugang zur "Cocktail Club"-Web-App, über die er Vorschläge für Cocktails auf Basis der im Haushalt bereits vorhandenen Spirituosen und Zutaten oder entsprechende Einkaufslisten erhält, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt.

China als Testmarkt

Bereits seit drei Jahren testet Pernod Ricard ähnliche Konzepte mit verschiedenen Marken, so etwa mit interaktiven Flaschen beim Likör Malibu und bei der Champagner-Marke G.H. Mumm. Aufgrund der großen Verbreitung von Smartphones wurde dabei immer wieder China als Testmarkt für derartige interaktive Anwendungen genutzt, beispielsweise mit QR-Codes auf verschiedenen Spirituosen-Flaschen, über die Ausgehtipps oder Getränkevorschläge abgerufen werden konnten, oder via dem Chatbot "Ask Jerry" für den chinesischen Chat-Dienst WeChat.

Allerdings stellt sich die Frage, ob es sich bei diesen Tests lediglich um ein Marketing-Gimmick handelt oder ob dahinter eine ernstzunehmende Strategie steckt. Pierre-Yves Calloc’h, Global Digital Acceleration Director bei Pernod Ricard, scheint jedenfalls überzeugt, dass er über die smarten Flaschen und Gläser an wertvolle Daten der Nutzer gelangt und mehr über ihre Trinkgewohnheiten erfährt – in Zeiten der Datenschutzgrundverordnung selbstverständlich nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Nutzer.

Reale statt theoretische Nutzerprofile

"Smarte Gläser und Flaschen sind kein Gimmick für Pernod Ricard", erklärt Calloc’h gegenüber dem Technologie-Blog Digiday. "Diese Produkte helfen uns sicherzustellen, dass wir die richtigen Leute ansprechen. Wir wissen zum Beispiel nicht, ob unsere Fans auf Facebook auch tatsächlich unsere Marken konsumieren."

Mit den über die Tests gewonnen Daten könne das Unternehmen nun die realen Nutzerprofile mit den theoretischen des traditionellen Targetings vergleichen. "Die smarten Gläser ermöglichen es uns, mehr Daten bei Events und in Bars zu erhalten, über die smarten Flaschen erhalten wir Insights, wie Konsumenten unsere Marken zu Hause nutzen", so Calloc’h.

Angesprochen werden bei den Tests vor allem jüngere Zielgruppen, bei denen die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sie die angebotene Interaktionsmöglichkeit auch nutzen. Bei einem Event im Jahr 2016, bei dem 43.000 smarte Malibu-Flaschen verteilt wurden, haben laut Digiday rund 500 Konsumenten ihre Daten mitgeteilt. Da stellt sich allerdings die Frage, ob die hierbei gesammelten Daten tatsächlich so wertvoll sind, dass sie die Kosten einer solchen Aktion rechtfertigen.

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