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US-Konzerne müssen im Fernsehen warnen
Tabakkonzerne werben: Kauft uns nicht

In den USA sind die Tabakkonzerne nun zwölf Monate lang verpflichtet, mit TV-Spots und Anzeigen vor ihren Produkten zu warnen.

Text: W&V Redaktion

22. November 2017

Bei den Pro-Zigaretten-Spots haben sich die Tabakkonzerne einst mehr Mühe gegeben als bei diesem verpflichtenden Warnhinweis (USA).
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Wer sich noch an Zeiten erinnert, als Zigarettenwerbung in Kino und Fernsehen erlaubt war, der weiß, dass sich die Tabakkonzerne immer große Mühe gegeben hatten: In Deutschland machte der Choleriker Bruno als HB-Männchen Karriere, der Marlboro-Mann stand für die grenzenlose Freiheit Amerikas, der Camel-Man war ein Abenteurer, wie man ihn sonst nur zwischen den lappigen Buchdeckeln von schwülstigen Groschenromanen fand. Viel Geld und viel Hirnschmalz floss in die Bemühungen, möglichst vielen Menschen maximal ungesunde Produkte zu verkaufen.

Jetzt sind die Tabakkonzerne massiven Werbeverboten unterworfen, auch hier in Deutschland. In den USA kommt nun aber eine gesetzlich vorgeschriebene Verpflichtung dazu: Sie müssen wieder werben, im Fernsehen und auf Anzeigen - aber gegen ihre Produkte. Verschiedene gemeinsame 30-Sekünder der Zigarettenkonzerne Philip Morris, Lorillard, R.J. Reynolds und Altria müssen ab jetzt ein Jahr lang fünfmal pro Woche abends auf einem großen Fernsehsender laufen, dazu kommen fünf 1/1-Anzeigen in Wochenendausgaben von 45 Tageszeitungen. Sie müssen abgestimmte Warnhinweise und Informationen über die Risiken des Rauchens enthalten.

Und dabei haben sich die Kreativen der Konzerne offenbar rausgehalten. Die Informationen, die die Spots liefern, sind gruselig und - selbst für den, der die Fakten kennt - schockierend. Die Darbietung aber ist wie kaum ein Fernsehwerbespot dazu angetan, die Zuschauer direkt aufs Klo oder an den Kühlschrank zu schicken.

Das US-Branchenmagazin Ad Age zeigt einen der Spots.

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Blöd auch: Der Gerichtsbeschluss stammt aus dem Jahr 2006. Die Vorgabe an die Tabakkonzerne umfasst also keinerlei Anti-Werbemaßnahmen, die sich auf populäre Onlinedienste wie Youtube oder Facebook erstrecken, wo zusätzliche Reichweite für die wichtigen Warnbotschaften erreicht würde.

Das ist aber, wie die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Printausgabe heute schreibt, vielleicht gar nicht so wild. Denn die jungen Menschen haben nie Zigarettenwerbung im Fernsehen gesehen. Sie wurden dagegen im Netz mit der Anti-Raucher-Kampagne "Fresh Empire" der FDA vertraut. Und da ist Rauchen unglaublich dumm und uncool.

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