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Nach Steuersenkung
Tamponhersteller erhöhen teilweise ihre Preise

Tampons und Monatsbinden sollten zum Jahreswechsel günstiger werden, indem die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf sieben Prozent an die Kundinnen weitergegeben wird. Doch nicht alle Hersteller halten sich dran.

Text: W&V Redaktion

20. Januar 2020

Mit dem Tampon Book machten Scholz & Friends und The Female Company auf die ungerechte Besteuerung von Hygieneartikeln aufmerksam.
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Es war das Thema des Jahres 2019: Nachdem die Besteuerung von Tampons und anderer Hygieneprodukte immer wieder kritisiert worden war, verkündete Bundesfinanzminister Olaf Scholz Anfang Oktober 2019 die Senkung des Steuersatzes auf Monatshygieneprodukte von 19 auf sieben Prozent. Grund: Damenhygieneartikel seien Produkte des täglichen Bedarfs und dürfen daher nicht wie Luxusartikel besteuert werden. Erst recht nicht, wenn wirkliche Luxusgüter mit nur sieben Prozent besteuert werden. The Female Company führte in ihrem Kampagnenvideo Kaviar als Beispiel an.

Einhorn und The Female Company erwirkten Steuersenkung

Der Senkung der so genannten "Tampon-Steuer" waren zwei starke Online-Petitionen vorausgegangen: So startete das Neon-Magazin gemeinsam mit dem Start-up Einhorn eine Petition gegen die Luxussteuer auf Periodenprodukte, die über 81.000 Unterschriften einsammelte und die Anfang 2019 im Bundestag eingereicht wurde.

Schließlich erhöhte auch "The Female Company" mit dem gefeierten und mehrfach ausgezeichneten "Tampon Book" den Druck auf die Politik. Weil Bücher nur mit 7 Prozent besteuert werden, spart die Kundin die 12 Prozent Differenz.

Die Preiserhöhung wird mit höheren Rohstoffpreisen begründet

Handelsketten wie Kaufland begrüßten den Beschluss und verkündeten, die Steuersenkung direkt an die Kundinnen weiterzugeben. Kaufland senkte die Preise für Tampons und Binden sogar schon vor dem Inkrafttreten der neuen Mehrwertsteuerregulung zum Dezember 2019. "Wir wollen zeigen, dass wir in dieser Frage voll und ganz hinter unseren Kundinnen stehen. Deshalb nehmen wir die Entscheidung vorweg und reduzieren die Preise bereits ab 1. Dezember", erklärte Yalcin Cem, Leiter Einkauf Drogerie bei Kaufland. "Die vollständige Weitergabe des Steuervorteils ab 2020 ist für uns eine Selbstverständlichkeit."

Doch jetzt gibt es erneut Ärger: Wie es scheint, nehmen die Hersteller die Steuersenkung nun als Anlass, ihrerseits die Preise zu erhöhen. Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, sei innerhalb der Branche sogar von einer Anhebung im zweistelligen Prozentbereich die Rede. Das Fachblatt führt dabei explizit Johnson & Johnson an, den Hersteller der Marktführerbrand "ob". Begründet wird die Preiserhöhung mit verbesserter Qualität und höheren Rohstoffpreisen.

Die Twittergemeinde greift Johnson & Johnson an

Unter dem Hashtag #Tamponsteuer geht es auf Twitter bereits ordentlich zur Sache. Die Social-Media-Gemeinde macht vor allem die drei männlichen Vorstandsmitglieder von Johnson & Johnson für die Erhöhung verantwortlich. Gegenüber dem Tagesspiegel äußerte sich Kaufland, dass man die höheren Forderungen der Lieferanten nicht nachvollziehen könne und die Preiserhöhung nicht akzeptieren werde. Johnson & Johnson selbst bestreitet, die Preise erhöht zu haben.

Die Drogeriehandelsketten dm und Rossmann verkündeten, die Preise nicht anheben zu wollen, äußerten sich jedoch nicht dazu, ob die Herstellerabgabepreise erhöht worden sind.

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Autor: Marina Rößer

ist als Redakteurin im Agenturressort der W&V tätig. Die Diplom-Politologin hat viele Jahre in einem Start-Up gearbeitet und ist daher besonders fasziniert von innovativen Digitalthemen und kreativen Marketingstrategien. Ihre eigene kreative Seite lebt sie beim Kochen und Fotografieren aus und bringt sich zudem Designthemen bei.

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