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"Namaste, Ihr süssen Pissnelken"
True Fruits reagiert heftig auf Rassismus-Kritik

Social-Media-Fail: Der Smoothie-Hersteller wird für einige ältere Motive und Slogans kritisiert. Doch mit seiner Antwort schießt er über das Ziel hinaus.

Text: W&V Redaktion

15. Februar 2019

Der Smoothie ging, der Ärger kam: True Fruits in der Kriktik.
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Provokation ist seit jeher ein wesentlicher Bestandteil in der Marketingstrategie des Bonner Smoothie-Herstellers True Fruits. Die Aufregung, die doppeldeutige Slogans wie "Oralverzehr – schneller kommst Du nicht zum Samengenuss" (für zwei Sorten mit Chiasamen) auslösten, brachten stets Extra-PR zum Nulltarif.

Aktuell macht gerade diese Freude an der Provokation dem Unternehmen aber wenig Spaß. Stein des Anstoßes ist eine eigentlich alte Kampagne, die 2017 in Österreich lief: Mit Slogans wie "Schafft es selten über die Grenze" oder "Noch mehr Flaschen aus dem Ausland" sollte einerseits auf die österreichische Migrationspolitik angespielt werden, andererseits auf Vorurteile der Österreicher gegen die deutschen Nachbarn.

Soweit, so gut. Inzwischen wird diese Kampagne, nicht mehr im ursprünglichen Österreich-Kontext gesehen, aber von vielen Konsumenten zunehmend als rassistisch empfunden. Vor allem in den Sozialen Medien wurden Slogans für die Saftsorte in der Schwarzen Flasche ("Unser Quotenschwarzer") heftig kritisiert.  

Im Laufe dieser Woche wurde es True Fruits dann zu viel. Die Bonner nahmen die Flasche aus dem Sortiment – und begründeten es so:  "Uns gehen die ständigen Fehlinterpretationen auf die Nerven. Wir nehmen ihn nur deswegen aus dem Sortiment. Wirklich nur deswegen. Jetzt habt ihr es schwarz auf weiß."

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Das heizte die Kritik in den einschlägigen Channels, insbesondere auf Instagram, weiter an. Und zwar so sehr, dass sich True Fruits jetzt erneut zu Wort meldete – mit einem Posting, das relativ deutlich zeigt, dass dem Unternehmen nun der Geduldsfaden gerissen ist.

"Ja, wir sind diskriminierend", leiten die Saftmacher ihre Erklärung ein. "Man wirft uns Rassismus, Sexismus oder gar Förderung von 'Rape Culture' vor. Wir sind das regelmäßige Lamento einiger Zwangsempörter gewöhnt und entschuldigen und bei allen, die davon ebenfalls zu recht gelangweilt sind." Man finde Rassismus "genauso zum Kotzen wie alle Formen der Diskriminierung". Die Vorstellung, dass ein Unternehmen ihrer Größe aus rassistischer Propaganda Kapital schlagen wolle, zeuge "von wenig Geistesschmalz".

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Auch aus diesem Grund will man bei True Fruits weiter an der bisherigen Werbestrategie festhalten. "Ihr werdet bei uns also immer wieder auf diese Art der Kommunikation stoßen, die dumme Menschen falsch verstehen könnten." Zur Sicherheit werde man aber jegliche Kommnikationsmaßnahme des Hauses in Zukunft mit dem Warnhinweis "Achtung, diese Werbung könnte von dummen Menschen missverstanden werden" versehen.

"Niemand zwingt Euch zum Kauf"

Zum Abschluss gibt es noch einen Tipp für die Kritiker: "Niemand zwingt Euch, unserern Kram zu kaufen oder unseren Unterhaltungskanälen zu folgen. Euer Puls wird es Euch danken und wir haben unsere Ruhe. Karma tut ihr übriges und alles wird gut. Namaste, ihr süssen Pissnelken."

Deutliche Worte, mit denen True Fruits – Provokation hin, Provokation her – diesmal aber wohl über das Ziel hinausgeschossen ist. Das Statement wird von vielen Nutzern als beleidigend, arrogant und unreif empfunden. Auch, dass man sich so selbst zum Opfer stilisiere, werfen einige der Marke vor.

Der schwarze Smoothie, den das Unternehmen vom Markt nahm, sei übrigens - anders als im vorherigen Post behauptet - doch nicht wegen der Kritik entfernt worden, teilen die Bonner mit. Sondern einfach nur, weil er sich zu schlecht verkauft habe.

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