Anzeige

Immobilienkonzern-Logo auf dem Trikot
Union-Berlin-Fans sauer wegen neuen Hauptsponsors

Der für seine Fankultur berühmte Fußballverein 1. FC Union Berlin ist in die erste Liga aufgestiegen. So weit, so gut. Doch die Wahl des neuen Hauptsponsors Aroundtown verärgert viele Fans. Sie wittern den Verkauf ihrer Ideale.

Text: W&V Redaktion

17. Juni 2019

Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin (l.) mit Andrew Wallis, Deputy CEO von Aroundtown SA
Anzeige

Unter den Fans des 1. FC Union Berlin ist eine Debatte über den neuen Hauptsponsor entbrannt. Am Freitag hatte der frischgebackene Erstligist verkündet, einen Zweijahresvertrag mit dem in Luxemburg ansässigen Immobilienkonzern Aroundtown abgeschlossen zu haben. Damit ist die börsennotierte Firma auch auf den Trikots der Profis und auf TV-relevanten Werbeflächen zu sehen.

Einigen Fans der "Eisernen", wie sich die Berliner Kicker nennen, gefällt das gar nicht. "Ein Trikot mit dem Logo eines Mietpreissteigerers kaufe ich mir garantiert nicht", schreibt zum Beispiel @Eff_kah unter dem Hashtag #notmyhauptsponsor auf Twitter.

Es sei "ziemlich eindeutig, dass Union für etwas anderes steht als das Unternehmen" heißt es in dem Blog Textilvergehen, der von Union-Fans geführt wird.

Gerade in Berlin sind Mietpreissteigerungen derzeit ein sehr großes Thema - vielleicht mehr noch als in München, wo die Miet- und Immbolienpreise schon seit Jahrzehnten in immer neue Rekordhöhen steigen. Berlin ist voll in die Spekulationsspirale geraten. Aroundtown ist ein verschachteltes Unternehmen mit Sitz im Niedrigsteuerland Luxemburg. Auch die US-Fondsgesellschaft Blackrock ist an Aroundtown beteiligt.

Während der Konzern vor allem mit dem An- und Verkauf von Gewerbe- und Hotelimmobilien Geld verdient, ist das Tochterunternehmen Grand City Properties (GCP) vor allem im Bereich Wohnimmobilien tätig. Grand City Properties ist auf Luxussanierungen spezialisiert. Zwischen 2016 und 2017 haben sich die Mieten der von Grand City Properties geführten Objekte um 5,9 Prozent erhöht. Das hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung ermittelt.

Ausgerechnet Union Berlin präsentiert sich als außergewöhnlicher Fußball-Klub, der besonderen Wert auf soziales Miteinander, offenen Umgang und Bodenständigkeit legt. Dieses Underdog-Image scheint tatsächlich ziemlich weit entfernt vom Thema Immobilienspekulation.

Während es auf der Facebook-Seite von Union Berlin bis dato fast 500 wütende Reaktionen gibt, äußern manche Fans auch Verständnis für die Wahl des Sponsor-Partners, der übrigens kein Unbekannter ist. GCP sponsert bereits seit zwei Jahren die A- und B-Jugend des Vereins.

Eine ganz ähnliche Aufregung, bis hin zu Demos, gab es auch in Bremen. Dort soll das Weserstadion umgetauft werden - und dann den Namen des Hauptsponsors tragen, des schwäbischen Immobilien-Unternehmens Wohninvest Holding. Umstimmen ließen sich die Offiziellen allerdings nicht - und gaben vor ein paar Tagen offiziell den Deal bekannt.

Anzeige