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Volkswagen
VW-Chef Diess betreibt Krisen-PR auf LinkedIn

Volkswagen ist im Dauer-Krisen-PR-Modus. Konzernchef Herbert Diess und VW-Markenchef Ralf Brandstätter treten beim Volkswagen-Talk auf LinkedIn auf. Und erklären die aktuellen Entwicklungen. 

Text: W&V Redaktion

10. Juni 2020

VW-Konzernchef Herbert Diess (r.) äußert sich auf LinkedIn.
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VW-Konzernchef Herbert Diess will nach dem Tohuwabohu an der Konzernspitze nun den verärgerten Arbeitnehmern die Hand reichen. "Wir haben vor, insbesondere mit dem Betriebsrat nochmal uns enger abzustimmen", sagte Diess in einem am Mittwoch auf der Karriereplattform Linkedin veröffentlichten Videogespräch.

Volkswagen habe viel für die Arbeitnehmer erreicht im Umbruch der Branche, alle Standorte hätten zukunftsfähige Produkte. "Aber da bleibt natürlich auch eine gewisse Angst, auch Unsicherheit bei vielen in der Belegschaft", sagte Diess. "Also ich verstehe das schon, dass wir eine große Unruhe und auch natürlich Fragen und zum Teil Ängste im System haben. Da müssen wir mehr in den Dialog gehen."

Die Arbeitnehmerseite hatte in den vergangenen Monaten Diess für Probleme beim neuen Golf acht verantwortlich gemacht. Die Vertrauensleute der Gewerkschaft IG Metall zürnten wegen eines rassistisch empfunden Werbeclips des Unternehmens und der damit verbundenen Außendarstellung. "Wir werden uns mit den Vertrauensleuten treffen, Bernd Osterloh und ich, und diesen Dialog stärker pflegen, stärker kommunizieren", sagte Diess. Osterloh ist der mächtige Betriebsratschef des Konzerns, der auch im Präsidium des Aufsichtsrats sitzt. "Wir haben uns ein Programm vorgenommen und ich hoffe, dass das bald wirkt", sagte Diess.

In den vergangenen Tagen hatte ein interner Streit in Wolfsburg dazu geführt, dass Diess sich am Ende sogar beim Aufsichtsrat für Aussagen im Rahmen einer Management-Konferenz entschuldigen musste. Zum Eklat kam es, weil Diess im Zusammenhang mit Presseberichten zu sensiblen Interna Mitgliedern des Aufsichtsratspräsidiums Straftaten unterstellt hatte. Ein Konzernsprecher beschwichtigte, Diess habe nicht zum Ausdruck bringen wollen, Aufsichtsratsmitglieder hätten sich strafbar gemacht - doch eine Entschuldigung beim innersten Machtzirkel war dennoch fällig.

Die Abgabe der kompletten Führungsverantwortung der Kernmarke VW Pkw an den bisherigen Co-Geschäftsführer Ralf Brandstätter stellte Diess als evolutionären Schritt dar. "Geht einher natürlich auch mit einer Kritik, die von Anfang an im Raum stand: Diess macht zu viel", räumte er ein. Brandstätter könne ihn in der neuen Rolle noch deutlicher entlasten. Brandstätter nahm ebenfalls an dem Videogespräch teil und sagte, das Unternehmen wolle den Schritt auch nutzen, um die Marke VW Pkw künftig eigenständiger aufzustellen.

Am Donnerstag lädt Volkswagen zu einem Pressegespräch. CMO Jochen Sengpiehl ist einer von drei VW-Managern, die die Presse informieren, welche Konsequenzen VW aus dem rassistischen Instagram-Video zieht. (dpa)

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