Anzeige

Rede vor Führungskräften
VW-Chef Diess: "Die Zeit klassischer Autohersteller ist vorbei"

Vor den Führungskräften des Volkswagen-Konzerns fordert CEO Herbert Diess einen Perspektivwechsel. Die Zeit klassischer Automobilhersteller sei vorbei. Das Auto wandle sich vom Transportmittel zum Internet-Device.

Text: W&V Redaktion

17. Januar 2020

Volkswagen-Chef Herbert Diess
Anzeige

In einer Brandrede vor Konzern-Führungskräften in Berlin erinnerte Volkswagen-Chef Herbert Diess an eine Gesprächssituation mit Nokia-Mitarbeitern, von denen er nach der Insolvenz der Firma einige Hundert übernommen hatte. Er stellte die Frage, wie es dazu kam, dass Nokia im Kampf gegen Apple untergegangen war.

Die "Automobilwoche" berichtet wie folgt aus dieser Rede: Die Logik war, so Diess: "Wir haben 43 verschiedene Mobiltelefone, für jeden das richtige, kein Mensch will Touch, man muss das iPhone mindestens einmal täglich laden, während unser Akku eine Woche hält". Und: Nokia hatte Rekordjahre, war aber praktisch schon tot, so Diess.

Steve Jobs hingegen habe verstanden, dass sich die Funktion des Device grundlegend änderte. Der Zugang zum Internet wurde wichtiger als das Telefon selbst. Und auch die Ladezeit war für die Kunden nicht mehr so entscheidend. Wenige Jahre später war Nokia Geschichte.

Dann kommt Herbert Diess zum Punkt:

"Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist exakt die Situation, die sich in der Autombobilindustrie wiederholt. Das Auto ist nicht länger nur Transportmittel. Und das bedeutet auch: Die Zeit klassischer Automobilhersteller ist vorbei. Die Zukunft von Volkswagen liegt im digitalen Tech-Konzern - und nur da. Und wir werden ein zusätzliches Aufholprogramm brauchen, um alles Potenzial im Konzern dafür zu mobilisieren."

Zum Hintergrund der Transformation:

  • Schon heute befinden sich bis zu 70 softwarebasierte Steuergeräte in einem Volkswagen.
  • 200 verschiedene Zulieferer liefern für diese Steuergeräte Software.
  • Unter zehn Prozent der Software, die Volkswagen einsetzt, ist selbst entwickelt.
  • 60 Prozent und mehr soll der Eigenanteil der selbst entwickelten Software bis 2025 betragen.
  • 5000 Experten und mehr sollen bis 2025 in der neu gegründeten agilen Geschäftseinheit "Car.Software Org" arbeiten.
Anzeige