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Volkswagen
VW wegen rassistischer Insta-Story unter Beschuss

Weiße Hand schubst schwarzen Mann - so knapp und so rassistisch könnte man den Spot zusammenfassen, den Volkswagen bei Instagram veröffentlicht, aber schleunigst zurückgezogen hat.

Text: W&V Redaktion

20. Mai 2020

Der neue Golf sollte mit der Insta-Story beworben werden.
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Wenn es nicht so makaber wäre, könnte man es für Absicht halten: Um die Niederschlagung des VW-Prozesses gegen ein Millionen-Bußgeld möglichst schnell aus den Schlagzeilen zu bekommen, einfach mal eine anstößige Insta-Story hinterher schieben. Wenn das der Plan war, so ist er gelungen.

Volkswagen steckt gerade mitten in der Kampagne zum neuen Golf, die im Dezember 2019 eingeläutet wurde (Leadagentur Voltage). Es ist die umfangreichste, die VW je für ein Modell gestartet hat. Stolz berichtet Chief Marketing Officer Jochen Sengpiehl im W&V-Interview von den mehr als 400 Assets, aus denen sie sich zusammensetzt: Neben dem TV-Spot ("Das Golf-Manifesto") werden "auch noch eigene kanalspezifische Geschichten produziert – etwa Storys oder 6-sekündige Bumper, die anderen Regeln folgen als längere Formate. Wir nutzen also primär keine Cutdowns für diese Kanäle, sondern schaffen eigenen Content."

Da kann einem schon mal eines der vielen Assets aus dem Blick geraten. Wie gestern der Spot, der via Instagram Verbreitung fand, inzwischen aber zurückgezogen wurde - nach massiven Protesten der User. Damit hat Volkswagen zumindest eine Zeile seines Werbespots Manifesto berücksichtigt: "Es geht um Euch. Wir hören Euch zu."

Der kritisierte Spot, ein Zehnsekünder, zeigt, wie eine große Hand einen Menschen, der auf der Straße steht, wie eine Mensch-ärgere-Dich-nicht-Figur am Kopf packt und wieder ins Haus zurück befördert, am Ende sogar mit einem Fingerschnipsen. Schon das alleine ist ziemlich unfein, rassistisch wird es aber dadurch, dass die Hand weiß, der bewegte Mensch schwarz ist. Dass das Café, aus dem er kommt, Petit Colon heißt und die Buchstaben "Der neue Golf" so ins Bild purzeln, dass kurzzeitig das N-Wort auf dem Screen erscheint, erbost die User zusätzlich. Colon bedeutet Darm, Petit Colon ist aber auch ein Café im Theaterviertel in Buenos Aires.

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Volkswagen hat rasch reagiert und den Spot inzwischen entfernt und auch entsprechende Kommentare auf die User-Kritik (zum Beispiel in dieser Insta-Story) gegeben: "Wie ihr euch vorstellen könnt, sind wir überrascht und schockiert, dass unsere Instagram-Story derart missverstanden werden kann", schrieb VW. Auch bei Twitter war der Clip zu sehen gewesen. Die Entschuldigung stieß stellenweise nochmals auf Kritik. Ein Nutzer schrieb auf Instagram: "Alles nur eingebildet und ein Missverständnis? Sorry, aber den Rassismus bilden wir uns nicht ein."

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Offiziell lässt Volkswagen verlauten: "Wir können die Empörung und Wut als Reaktion auf das Video verstehen. Ganz ohne Frage: Das Video ist falsch und geschmacklos. Wir distanzieren uns davon und entschuldigen uns dafür. Wir werden aufklären, wie das passieren konnte – und Konsequenzen daraus ziehen." Schon vor dem Hintergrund unserer eigenen Unternehmensgeschichte positioniere sich Volkswagen gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Viele Initiativen im Unternehmen und in unserer weltweiten Belegschaft fördern Vielfalt, Integration und eine vorurteilsfreie Zusammenarbeit, versucht die Pressestelle die Wogen zu glätten. 

Was aber noch nicht ganz gelungen ist. Im Netz tobt die Debatte weiter:

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Autor: Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt". 

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