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Wachstumsstrategie
Warum Ravensburger eigene Läden plant

Weil die Zahl der Händler stetig zurückgeht, plant der Spielehersteller eigene Läden, um potenziellen Kunden ein Erlebnis-Umfeld bieten zu können. Und das ist nur ein Teil der Wachstumsstrategie.

Text: W&V Redaktion

8. Juli 2019

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Der größte deutsche Hersteller von Brettspielen, Ravensburger, plant eigene Verkaufsräume, die Spielzimmern ähneln sollen. "20 bis 25 neue Filialen sind denkbar in den kommenden Jahren", kündigt Finanzvorstand Hanspeter Mürle im Gespräch mit der Zeitung Welt am Sonntag an. Standorte sollen Einkaufszentren sein, Outlet-Center, Flughäfen oder kleine Städte ohne eigenen Spielwarenhandel.

"Wir wollen damit die Marke Ravensburger für die Konsumenten erlebbar machen", sagt Mürle der WamS. Ihm geht es offenbar nicht nur darum, mehr zu verkaufen. Über den direkten Kontakt mit den Kunden verspricht sich Ravensburger zudem Anregungen für neue Produkte und Weiterentwicklungen.

Erste Erfahrungen mit eigenen Läden hat Ravensburger bereits gesammelt. Ende 2018 betrieb Ravensburger neun Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Weniger Händler = weniger Touchpoints

Ein Grund für die eigenen Läden ist das Händlersterben im Spielwarenmarkt. Zuletzt hatten Insolvenzen von Ketten wie Toys'R'Us, La Grande Récré oder Top-Toy die Umsätze weltweit gedrückt, berichtet die WamS. In Deutschland musste der niederländische Händler Intertoys seine 23 Filialen schließen, dazu hält das Sterben der inhabergeführten Geschäfte an.

"Die Konzentration im Handel nimmt zu", klagt Ravensburger-Vorstand Mürle. Damit meint er unter anderem die Fusionen von Kaufhof und Karstadt und der Buchhändler Thalia und Mayersche, die auch Spielzeug verkaufen. Sie könnten die Zahl ihrer Filialen reduzieren.

Weltweite Reorganisation

Die Ravensburger Absatzmärkte verändern sich, Konsumenten ändern ihr Kauf- und Nutzerverhalten, die Konzentration in der internationalen Handelslandschaft hält an. Deshalb hat Ravensburger bereits vor drei Jahren eine strategische Neuausrichtung eingeleitet.

Derzeit wandelt Ravensburger sowohl den Vertrieb als auch die Supply Chain, die früher nach Spielwaren, Büchern und Marken getrennt existierten, zu produkt- und markenübergreifenden Organisationen um.

Konsumentenverhalten ändert sich

Außerdem richten sich die Produktbereiche global aus: mit internationaler Vermarktung und einer Produktentwicklung an verschiedenen Ravensburger Standorten. Als Grund dafür nennt das Unternehmen die zunehmende Internationalisierung der Märkte und die Veränderungen im Konsumentenverhalten. Die Reorganisation, die im vergangenen Jahr begann, soll Anfang 2020 im Wesentlichen abgeschlossen sein.

Profitables Wachstum gegen den Trend

Die Unternehmensgruppe Ravensburger hat ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr währungsbereinigt um 4,9 Prozent auf 491,5 Millionen Euro erhöht. Gleichzeitig verbesserte das Unternehmen seine Profitabilität. Der Jahresüberschuss stieg um 7,8 Millionen Euro auf 31,5 Millionen Euro. Das bedeutet eine Umsatzrendite nach Steuern von 6,4 Prozent.

Mit dieser Geschäftsentwicklung schnitt Ravensburger besser ab als sein Marktumfeld. 2018 ging das Volumen der acht wichtigsten europäischen Spielwarenmärkte und des amerikanischen Spielwarenmarktes in Summe um 4,6 Prozent zurück. Ein wesentlicher Grund war die Konsolidierung im internationalen Spielwarenhandel und die Insolvenzen einiger großer Spielwarenketten. Nur der deutsche Markt nahm zu und wuchs um 2,1 Prozent.

Marktanteilsplus

Besser liefen die Geschäfte bei Ravensburger: Das Unternehmen war in Europa einer von nur zwei Herstellern unter den Top Ten, die im vergangenen Jahr einen Zuwachs erzielen konnten. Weltweit erreichten Spielwaren von Ravensburger einen Umsatz von 418,3 Millionen Euro und eine Steigerung um 5,6 Prozent zum Vorjahr.

Im Ausland, wo Ravensburger zwei Drittel seiner Spielwaren verkauft, machte der Anstieg 4 Prozent aus, im Inland 6,7 Prozent. Dadurch erhöhte die Unternehmensgruppe ihre Marktanteile. In Deutschland stieg Ravensburger zur Nummer 3 im Spielwarenmarkt auf und ist Marktführer in den Warengruppen Spiele, Puzzles und Kreativprodukte.

Bestseller

Größter Umsatztreiber und bestverkauftes Ravensburger Produkt in Deutschland war 2018 übrigens das Kugelbahnsystem namens GraviTrax. Die Eigenentwicklung zählte schon ein Jahr zuvor zu den gesuchtesten Spielwaren im deutschen Weihnachtsgeschäft. Nach ihrer Einführung wurde die Kugelbahn 2018 auch international mit großem Erfolg am Markt platziert.

Umgekehrt ging Ravensburger mit seinem Bestseller Disney Villainous vor, der ebenfalls erheblich zum Umsatz beitrug: Das Brettspiel wurde 2018 in den USA unter der Marke Wonder Forge entwickelt und kam auf rund eine viertel Million verkaufte Exemplare im amerikanischen Markt. Vor wenigen Monaten führte Ravensburger das als "game of the year" ausgezeichnete Strategiespiel auch auf dem deutschen Markt ein.

Auch Bücher laufen

Ein ausgeprägtes Wachstum von 4,4 Prozent verzeichnete der deutsche Kinder- und Jugendbuchmarkt im vergangenen Jahr. In diesem Umfeld wuchs das Ravensburger Buchgeschäft mit einem Plus von 7,8 Prozent auf 68,7 Millionen Euro. So erhöhte Ravensburger in der Buchbranche seine Marktanteile leicht und ist wie zuvor der zweitgrößte deutsche Kinder- und Jugendbuchverlag. Wesentlichen Anteil an den höheren Buchumsätzen hatte die Sachbuchreihe "Guinness World Records 2019", die in Lizenz bei Ravensburger erscheint.

Internationalisierung

Teil der Ravensburger Strategie ist die Internationalisierung des Unternehmens, unter anderem mit Fokus auf den größten Spielwarenmarkt USA. Dort hat Ravensburger seine Position in den letzten Jahren ausgebaut, den Vertrieb neu formiert

und die zwei amerikanischen Spielehersteller Wonder Forge und ThinkFun akquiriert.

Diese Investitionen zahlten sich aus: Die größte Zuwachsrate des vergangenen Jahres realisierte Ravensburger auf dem US-Markt. Alle Ravensburger Marken legten dort zu. Damit hat sich der nordamerikanische Spielwarenmarkt zum wichtigsten ausländischen Absatzmarkt für Ravensburger Produkte entwickelt.

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