Anzeige

Kolumne zu Food Trends
Wenn Millennials zu Drinks ohne Alkohol greifen

Weniger Zucker, weniger Alkohol. Junge Leute lieben das, weil es gesünder ist und trotzdem schmeckt. Jochen Matzer, Geschäftsführer von Red Rabbit in Hamburg, schreibt für W&V wöchentlich eine Kolumne über Food-Trends.

Text: W&V Redaktion

29. August 2019

Der Trend geht zu alkoholfreien Getränken - gerade unter Millennials.
Anzeige

Der Markt für alkoholfreie Getränke verzeichnet in den letzten Jahren ein exponentielles Wachstum, was durch verschiedene Studien belegt wird. Aus diesem Grund sind alkoholfreie Spirituosen zu einem festen Bestandteil der Bar-Szene geworden. Gerade eben erst hat mit der Sans Bar in Austin die erste komplett alkoholfreie Bar in Texas eröffnet. Dort gibt es Live-Musik, Karaoke und vieles mehr, was man von einer Bar erwartet – aber eben keinen Alkohol.

Den Anfang machte Seedlip

Als Pionier der No-Revolution gilt Seedlip, die "weltweit erste" destillierte, alkoholfreie Spirituose. Das von Ben Branson gegründete Unternehmen operiert von England aus und hat bislang drei Produkte im Sortiment. Das Konzept hat offensichtlich den Getränkeriesen Diageo so überzeugt, dass er kürzlich die Mehrheit übernommen hat. Die chic gestalteten Flaschen von Seedlip sind nun auch im deutschen Einzelhandel zu finden.

Der Pionier der Bewegung: Seedlip

Gordon, eine weitere Diageo-Marke, reagiert auf den Trend mit der Einführung von zwei Gin & Tonic-Premixes, die einen extrem niedrigem Alkoholgehalt haben: Beide Sorten der Marke Gordon Ultra Low Alcohol G & T  werden mit nur 0,5 Prozentvolumen abgefüllt.

Alkoholfreier Gin - really?

Der Londoner Händler Borough Wines & Beers produziert ebenfalls seine erste alkoholfreie Spirituose, die das "aromatische Profil und die Komplexität" von Gin imitiert. Die Edition Zero wird als bio- und veganfreundliche Alternative positioniert und wurde in Zusammenarbeit mit einer Brennerei entwickelt.

Alkoholfreie und -reduzierte Getränke profitieren von einem sich permanent weiter verstärkenden Wunsch der Verbraucher nach einer leichteren, natürlicheren und gesünderen Ernährung. Einher damit geht auch eine Abwanderung von zuckrigen Softdrinks.

Trend: Spiked Water

In diesem Feld hat sich, zunächst weitgehend unbemerkt, in den USA in den vergangenen drei bis vier Jahren ein neues Segment entwickelt: Softdrinks (Wasser, Kombucha, Säfte) mit einem geringen Alkoholgehalt zwischen 4,5 und 6 Prozent. Die Subkategorien werden als "Spiked Water" oder "Hard Kombucha" bezeichnet. Neben Alkohol enthalten alle Low Alcohol Beverages ein dezentes Fruchtaroma, was sie zur idealen Erfrischung während der warmen Jahreszeit macht.

Spiked Water schmeckt besonders im Sommer.

Um noch passgenauer die Konsumenten zu erreichen, die aktiv und sportlich leben und sich bewusst ernähren, sind die Getränke in der Regel auch kalorien- und zuckerarm. Insbesondere Millennials interessieren sich für diese aromatisierten und alkoholarmen Getränke, die die traditionellen Kategorien Bier und Wein immer stärker aufmischen.

Und in Deutschland? Auch die Biernation fragt verstärkt Alkoholfrei nach. Entsprechend legt das Segment jedes Jahr zu: Der Marktanteil der früher als "Autofahrer-Bier" verspotteten Bier- und Biermixgetränke lag vor etwa zehn Jahren noch bei ca. 2,7 Prozent. Im vergangenen Jahr ist der Absatz - vor allem wegen alternativer Erfrischungsgetränke wie alkoholfreier Radler und fruchtiger Naturradler - auf 6,5 Prozent angewachsen.

Deutschland zieht nach

Konsequent ist Uwe, die deutsche Craft Bier-Marke, die ausschließlich alkoholfreie Biere auf den Markt bringt. Die Idee der drei Gründer: Sie wollen ein alkoholfreies Bier machen, mit dem "man sich nicht zum Horst macht". Daher wohl Uwe, ein norddeutscher, bodenständiger Name. So kann man Uwe leicht bestellen und muss alkoholfrei nicht einmal dazu sagen. Das war den Gründern besonders wichtig. Aktuell gibt es drei Sorten, die sich von regulären Bieren durch ihre intensiven Aromen unterscheiden.

Mit Uwe macht man sich nicht zum Horst.

Aber auch in der Spirituosen-Abteilung tut sich etwas: Die alkoholfreie Alternative vom beliebten Siegfried Rheinland Dry Gin produziert inzwischen bereits rund 20.000 Flaschen pro Monat.

Das Fazit

Die alkoholfreie Revolution ist nicht aufzuhalten! Insbesondere bei Millennials liegt der Alkoholverzicht im Trend. Eine wachsende Kategorie entsteht, die eine breite Palette leichtalkoholischer und alkoholfreier Getränke bietet. Sie sprechen eine Vielzahl von Verbrauchern mit ganz neuen Aromen und Geschmackserlebnissen an.

Über den Autor:

Jochen Matzer, Geschäftsführer der Innovationsagentur Red Rabbit in Hamburg, hat sich nach über 20 Jahren Erfahrung mit Marken und Kommunikation mit seiner Agentur auf Neuprodukt- und Innovationsentwicklung für FMCG-Unternehmen spezialisiert. Seit 2015 ist er am Markt. Er ist überzeugt: Innovationen kann man heute in drei Monaten zum Erfolg führen. In seiner W&V-Kolumne schreibt er über Food-Trends.

Anzeige