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Halbjahres-Bilanz
Werberat: Mehr Beschwerden über Online-Werbung

Beim Werberat sind mehr Beschwerden zu Online-Werbung eingegangen. Und noch ein Trend: Besonders bei Sexismus sind die Deutschen hellhörig.

Text: W&V Redaktion

15. August 2017

Die Online-Werbung wird zunehemnd mehr beanstandet.
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In seiner Halbjahresbilanz hat der Werberat vor allem einen neuen Trend ausgemacht: Es gab sehr viel mehr Beschwerden zu Online-Werbung. Um 54 Prozent wuchs die Anzahl der Beschwerden an. Statt 37 Fällen wie im Vorjahr wurden nun 57 gezählt. Fast ein Viertel aller Beschwerden entfällt damit auf die Internet-Kategorie. Es folgen TV-Spots und Plakatwerbung.

Aber der Werberat schränkt ein: Besorgniserregend sei der Trend nciht, das Internet stehe offenbar nur stärker unter Beobachtung. Die Beschwerdefälle bezogen sich auf verschiedenste Formen der Online-Werbung, also eigene Internetseiten von Unternehmen, Firmenkanäle in sozialen Netzwerken, Display- und Videowerbung in fremden Online-Diensten sowie Mobile-Werbung.

Fünf Rügen ausgesprochen

Insgesamt hatte der Werberat in den ersten sechs Monaten über 241 kritisierte Werbemaßnahmen zu entscheiden. Im vergangenen Jahr waren 223 Beschwerden eingegangen. In 66 Fällen schloss sich das Gremium den Beschwerden an. 55 Werbemaßnahmen wurden nach der Intervention des Gremiums eingestellt und sechs wurden abgeändert. Fast ausnahmslos folgten die Unternehmen den Beanstandungen des Werberats. Nur in fünf Fällen mussten die Werbewächter öffentlich auf die mangelnde Einsicht der Unternehmen aufmerksam machen und eine Rüge aussprechen.

Diskriminierung beanstandet

Die meisten Proteste gab es wegen Herabwürdigung oder Diskriminierung von Personen, meist Frauen. Sie machten mit 150 Fällen rund 60 Prozent aus. "Verfestigt hat sich hierbei der Trend des vergangenen Jahres, wonach den Werberat zu diesem Thema besonders viele überzogene Beschwerden erreichen und die Beschwerdeführer nur ihre eigenen Maßstäbe gelten lassen wollen," betont allerdings das Aufsichtsgremium. In 67 Prozent dieser Fälle nämlich sei kein Verstoß gegen die Verhaltsregeln des Werberats vorgelegen. Ein Beispiel sei der Online-Spot eines Möbelhauses zum Thema Deko. Gezeigt wird eine Frau, die auf den bereits zum Essen gedeckten Tisch noch eine Karaffe mit Waser stellt. Der Mann – abgelenkt durch sein Handy – bemerkt nicht, dass die Karaffe als Vase für einen Blumenstrauß gedacht ist und schüttet sich gedankenverloren Wasser daraus in sein Glas. Mit einem nachsichtigen Lächeln stellt die Frau die Blumen in die Karaffe, der Mann guckt verdutzt.

Die Beschwerdeführer kritisierten die Werbung als geschlechterdiskriminierend: Frauen würde zugeschrieben, mit einem vermeintlichen Sinn für das Ästhetische unnütze Produkte in der Wohnung zu drapieren, während Männer ausschließlich deren praktischen Einsatz sehen würden. Der Werberat lehnte die Beschwerden ab: Der Spot spiegele reales Kundenverhalten und beinhalte erkennbar keine Diskriminierung oder Abwertung.

Beschwerden wegen Diskriminierung

Verstöße gegen ethische Mindestanforderungen wurden in 24 Fällen, Diskriminierung von Personengruppen in 22 Fällen. In zehn Fällen sorgten sich die Beschwerdeführer um die Entwicklungsbeeinträchtigung von Kindern und Jugendlichen. Die übrigen Inhalte der Werbekritik blieben im einstelligen Bereich.

Leicht abgenommen hat im ersten Halbjahr der Anteil an Beschwerden über Werbung, die nicht in den Zuständigkeitsbereich des Werberats fällt, so etwa Verstöße gegen rechtliche Bestimmungen (zum Beispiel irreführende Werbung) oder weil sich die Kritik nicht gegen Wirtschaftswerbung richtet. Darunter fallen auch Beschwerden gegen die Werbung von NGOs, Behörden oder auch Parteien. Der Werberat geht allerdings davon aus, dass die Anzahl der Beschwerden wegen des Bundestagswahlkampfes im zweiten Halbjahr noch einmal ansteigt.

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