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Kolumne zu Food Trends
Wie Cannabis Alkoholika zu High-End Spirits macht

Das neue "It"-Ingredient der Food & Beverage-Branche heißt Cannabis. Jochen Matzer, Geschäftsführer von Red Rabbit in Hamburg, schreibt für W&V wöchentlich eine Kolumne über Food-Trends.

Text: W&V Redaktion

26. September 2019

Hanf macht den Unterschied - neuerdings auch in alkoholischen Getränken wie Wein und Spirituosen.
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Ob in Getränken, Schokolade oder Beautyprodukten – Cannabis sorgt für spannende Produktinnovationen, die angestammte Kategorien beflügeln. Vor allem für den gesamten Getränkemarkt sieht es laut Branchenberichten und den dabei aufgerufenen Wachstumschancen sehr gut aus. 2018 brachten es Getränke auf Cannabis-Basis bereits auf 86 Mio. US-Dollar, wie aus dem US CBD Drinks Report 2019 des Food & Beverage-Experten Zenith Global hervorgeht.

Mit der zunehmenden Legalisierung in immer mehr US-Bundesstaaten prognostizierte man für Alkohol hingegen eher sinkende Verkaufszahlen. Ein Blick auf den aktuellen US-Markt beweist das Gegenteil: CBD und THC werden auch in der Bier-, Wein- und Spirituosenkategorie eingesetzt. Statt "Entweder oder" ist "Sowohl als auch" die Erfolgsformel.

Spannend ist die Tatsache, dass mit der sich ausweitenden Legalisierung die Zahl der Konsumenten, die Cannabis zum ersten Mal ausprobieren, 2018 um 140 Prozent gestiegen ist. Darunter sind die Baby-Boomer die am schnellsten wachsende Kohorte, wie der Eaze State of Cannabis Report berichtet.

MedMen Flagship Store in Los Angeles.

Branchenriesen wie Diageo beobachten die Entwicklung zunächst noch vorsichtig. "On cannabis we're just tracking it, it's at a very early stage. We're looking at the sector, it's nascent and we just want to understand the consumer behaviour", erklärt Diageos Chief Executive Ivan Menezes dem Guardian. In der Nische ist man mutiger und setzt statt auf Konkurrenz zwischen Cannabis und Alkohol lieber auf interessante neue Kombinationen.

Der Pionier: Wine meets Weed - Rebel Coast Winery

Studien belegen: Der Markt für sogenannte Mindful Beverages, Getränke ohne Alkohol, ist im Aufwind. Vor allem jüngere Konsumenten trinken bewusster Alkohol und sind offen für Alternativen – auch am Abend. Die Rebel Coast Winery kann als Pionier unter den Cannabis-Getränken gesehen werden. Das kalifornische Weingut hat in den USA bereits 2018 für ihre junge Zielgruppe einen Sauvignon Blanc mit THC-Gehalt rausgebracht. Das Besondere: Der Alkohol des Weines wird vorab entzogen, um im Anschluss bei Ebbu, einem Unternehmen für die Produktion, Forschung und Analyse von Cannabisprodukten aus Colorado, mit wasserlöslichem THC versetzt zu werden. Das Ergebnis: ein Wein, der mit 5 Milligramm THC pro Glas eine leicht anregende Wirkung hat, ohne den klassischen Kater hervorzurufen.

Der Edle: House of Saka's Sparkling Rosé

House of Saka aus dem kalifornischen Nappa Valley zeigt, dass Cannabis nicht nur high machen, sondern auch high-end auftreten kann. Der hauseigene, spritzige Rosé-Wein ist eine Kombination aus Rot- und Schaumwein, bestehend aus einer Kombination von Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay-Rebsorten.

Der Alkohol wird zunächst entzogen und im Anschluss mit einer Emulsion aus THC und CBD versetzt. Das Ergebnis wird als ein "vitalisierendes, reines und relaxtes Erlebnis" beschrieben, das zudem noch vegan ist. House of Saka setzt mit seinem Produkt auf Millennials, die in den USA eine erwiesene Vorliebe für Rosé haben. Saka Wines CEO, Tracey Mason, sieht in Cannabis großes Potential für die Food- und Beverage-Branche. Gegenüber dem Forbes Magazin erläutert sie die Vorzüge ihrer wasserlöslichen Cannabis-Rezeptur, die gegenüber essbaren Produkten wie Brownies & Co. sehr viel schneller bei Konsumenten zu merken sei. Innerhalb von zehn bis 15 Minuten könnten die Effekte des Saka-Weins spürbar sein, jedoch ohne das Risiko der falschen Dosierung. Trotz alledem braucht man im Cannabis-Drink-Business noch Fingerspitzengefühl. Aufgrund der Regularien in Kalifornien in punkto Verpackung werden die Produkte nicht als Wein, sondern "Sparkling Pink" und "Saka Pink" deklariert.

Rosé, der Liebling der Millenials mit spezieller Cannabis-Rezeptur

Weedka – Wodka mit Gras-Flavor

Weedka aus Amsterdam wurde auf der diesjährigen Wine & Spirits Show in London präsentiert und steht für ein innovatives Cannabis-Produkt aus Europa. Anders als die Weinbeispiele handelt es sich nach wie vor um eine Spirituose mit Alkohol, die zwar kein THC, aber den Geschmack von Cannabis enthält. D

as Cannabis-Öl sorgt für die eigene Flavor-Note und kommt aus Kalifornien. Die Tatsache, dass psychoaktive Substanzen keine Rolle spielen, macht Weedka für den europäischen Markt zugänglich. Unter dem Motto "Live The High Life" schlägt die Website Rezepte für "Weedka Mule" oder "Skinny Bitch" vor.

Fazit

Die Beispiele zeigen, dass das Chancenpotential für Getränkemarken generell und für Alkoholmarken im Besonderen darin liegt, die sozialen Aspekte der Getränke hervorzuheben und in den Health & Wellnessmarkt zu rücken. Mit Hinblick auf eine jungen Konsumentengruppe, die bewusster Alkohol konsumiert oder ganz auf ihn verzichtet, kann die Bier-, Wein- und Spirituosenbranche vor allem mit Cannabidiol, das anders als THC nicht high macht, sondern für zahlreiche gesundheitsfördernde Charakteristika bekannt ist, eine gesundheitsorientierte Zielgruppe von Wellness-Enthusiasten erreichen. Die nächste Generation an Alkoholika ist hangoverfrei und kalorienarm.

Über den Autor:

Jochen Matzer, Geschäftsführer der Innovationsagentur Red Rabbit in Hamburg, hat sich nach über 20 Jahren Erfahrung mit Marken und Kommunikation mit seiner Agentur auf Neuprodukt- und Innovationsentwicklung für FMCG-Unternehmen spezialisiert. Seit 2015 ist er am Markt. Er ist überzeugt: Innovationen kann man heute in drei Monaten zum Erfolg führen. In seiner W&V-Kolumne schreibt er über Food-Trends.

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