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Elektronikhändler mit schlechter Bilanz
Wie sich Ceconomy aus dem Abwärtssog befreien will

Die Geschäfte bei dem Mutterkonzern von Media-Markt und Saturn laufen schlecht. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft konnte die Bilanz nicht retten. Nun ist ein tiefgreifender Umbau geplant. 

Text: W&V Redaktion

19. Dezember 2018

Im Geschäftsjahr 2017/2018 kamen weniger Kunden als erwartet in die Filialen von Media Markt und Saturn.
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Ausbleibende Kunden, wegbrechende Gewinne: Deutschlands größter Elektronikhändler Ceconomy (Media-Markt, Saturn) steckt in Schwierigkeiten. Und der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr, den der scheidende Finanzvorstand Mark Frese am Mittwoch in Düsseldorf gab, macht wenig Hoffnung auf eine rasche Besserung.

Vor allem in Deutschland liefen die Geschäfte im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr für den Elektronikhändler deutlich schlechter als erwartet - trotz Fußball-Weltmeisterschaft. Nicht nur das vergangene Weihnachtsgeschäft enttäuschte, auch den Rest des Geschäftsjahres über kamen weniger Kunden als erwartet in die Filialen von Media-Markt und Saturn.

Verlust von 212 Millionen Euro

"Im vergangenen Geschäftsjahr sind unsere Ergebnisse hinter unseren Erwartungen und denen unserer Aktionäre zurückgeblieben", räumte Vorstandsmitglied Dieter Haag Molkenteller ein.

Im fortgeführten Geschäft verdiente Ceconomy unterm Strich nur 23 Millionen Euro nach 206 Millionen ein Jahr zuvor. Berücksichtigt man die Verluste aus dem verkauften Russlandgeschäft, machte der Konzern sogar einen Verlust von 212 Millionen Euro. Der Umsatz sank um knapp ein Prozent auf 21,4 Milliarden Euro.

Ceconomy-Chef Pieter Haas musste angesichts dieser Zahlen bereits seinen Platz räumen - und mit ihm etliche andere Top-Manager des Konzerns. Die Suche nach einem Nachfolger für Haas dauert an. Hoffnungsträger ist der neue MediaSaturn-Chef Ferran Reverter. Um den Elektronikhändler wieder auf Erfolgskurs zu bringen, will der Spanier vor allem das Online-Geschäft und das Geschäft mit Service-Angeboten wie Reparaturen, Versicherungen oder Mobilfunkverträgen ausbauen. Außerdem soll die Zentralisierung wichtiger Funktionen Kosten sparen.

Fokus auf Service-Angebote

Wie tiefgreifend der Umbau werden soll, beschrieb der Spanier mit einem Vergleich: Früher hätten Musiker ihr Geld mit Alben verdient und Konzerte hauptsächlich gegeben, um für Alben zu werben. Heute werde das Geld mit Konzerttickets verdient und die Alben seien nur Anlass, eine neue Tour zu starten.

Ähnlich entwickele sich das Geschäft mit Elektronik für Verbraucher. Der Verkauf von Laptops und Waschmaschinen werde in Zukunft vor allem eine Möglichkeit sein, um Kundenkontakte zu pflegen und passende Service-Angebote zu verkaufen.

Die Situation in Deutschland sei eine Herausforderung, sagte Reverter. Die Umsätze und die Gewinnmargen seien zuletzt gesunken. Zugleich habe das Unternehmen "signifikant zu hohe Kosten". Hier seien rasche Maßnahmen nötig. Zu Details, etwa einem möglichen Stellenabbau, äußerte er sich jedoch nicht.

Die Prognose des Konzerns für das laufende Geschäftsjahr 2018/19 fiel eher vorsichtig aus. Ceconomy erwartet ein leichtes Umsatzplus. Der operative Gewinn dürfte aber leicht sinken, wenn man Beiträge aus der Beteiligung am französischen Konkurrenten Fnac Darty herausrechnet. 

W&V Online/dpa

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