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Corona
Zwei Monate Home Office: die Erfahrung der W&V Redaktion

Seit zwei Monaten sitzt die W&V Redaktion im Home Office - und ein Ende ist momentan nicht in Sicht. Längst haben sich neue Routinen bei den Redakteuren eingeschlichen - Zeit für ein Fazit.

Text: W&V Redaktion

15. Mai 2020

Die W&V Redaktion verabschiedet sich aus dieser Serie - bleibt aber im Home Office
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Seit genau zwei Monaten sitzt die W&V Redaktion im Home Office. Und auch, wenn die Ausgangsbeschränkungen inzwischen wegfallen: Noch sind die Kinder größtenteils nicht wieder zurück in Kita und Schule. Und noch ist auch eine Rückkehr in das Verlagsgebäude nur für diejenigen möglich, die einen triftigen Grund haben. Die wenigsten haben den, denn dank Slack, MS Teams und anderen Tools funktioniert die Kommunikation untereinander hervorragend. Der Alltag im Home Office ist Normalität geworden. Und der Alltag mit Corona irgendwo auch. 

Zeit also, diese Serie, die nicht nur die Leser, sondern auch die Redakteure durch die ersten Phase von Unsicherheit, Aufregung, Ungewissheit und Neuem begleitet hat, zu beenden. Als letzten und neunten Teil geht es darum, ein Fazit zu ziehen, auf die persönlichen Errungenschaften und Herausforderungen zurück zu blicken, die das Home Office und alles, was damit verbunden ist, gebracht hat. 

Und das sind die ersten acht Teile der Reihe:

So shoppt die W&V Redaktion in der Krise

Die Songs der W&V-Redaktion für die Krise

Das kocht die W&V-Redaktion in der Krise

So gestaltet die W&V-Redaktion derzeit ihre Freizeit

So sieht der Corona-Alltag in der W&V-Redaktion aus

Das schaut die W&V-Redaktion in der Krise im TV

Diese Gadgets helfen der W&V Redaktion durch die Krise

Diese Lebewesen begleiten die W&V Redaktion jetzt

Yoga Flows zum Aufwachen

Ich bin ein absolutes Gewohnheitstier, deswegen ist mein Morgenritual auch immer das Gleiche: mich grummelnd aus dem Bett schälen, anziehen, schminken und ab zur U-Bahn. Da der Arbeitsweg und meistens auch die morgendliche Beauty-Routine in den vergangen acht Wochen weggefallen sind, fehlte mir irgendwie ein passendes Aufwach-Prozedere. Um dem entgegenzuwirken, habe ich plötzlich auffallend oft meine lila Yoga-Matte ausgerollt. Sehr empfehlen kann ich dafür übrigens die YouTube-Videos der Fitness-Influencerin Mady Morrison. Die Ausnahmephase hat mir auf jeden Fall gezeigt: Ein paar Asanas am Morgen erleichtern das Aufwachen, machen gute Laune – und helfen sogar gegen die unvermeidbaren Home-Office-Rückenschmerzen. Namaste!

(Alessa Kästner, Redakteurin)

Kaffee-Junkie

Mein Zwischenfazit des Homeoffice: Unser Espresso-Konsum ist in Homeoffice-Zeiten sehr gestiegen. Vor acht Wochen, am Anfang der Ausgangssperre, haben wir noch, mit leichter Panik, schnell drei Kilo Espresso bei unserer Haus- und Hof-Rösterei in Heilbronn bestellt. Der Kaffee kam auch promt per Post. Von diesen drei Kilogramm sind nun gerade mal noch ein Päckchen übrig. Was zur Zeit ja auch kein Wunder ist - schließlich sitzen wir zu viert daheim. Und: Bei Bier, Wein, Schokolade und Chips hat sich unser Verbrauch auch vervielfacht.

(Uli Kurz, Grafiker) 

Virtuelle Weinproben

Seit drei Wochen normalisiert sich unser Leben wieder. Die Kinder gehen in die Notbetreuung im Kindergarten. Der Mann verlässt immer häufiger morgens das Haus, um ins Büro zu gehen. Nur ich sitze nach wie vor auf dem Sofa oder am Küchentisch und arbeite von daheim aus. In Ruhe und konzentriert. Was für ein Glück. Denn ewig wäre die Zerrissenheit zwischen Job, Haushalt und Familie für uns alle nicht weiter gegangen. Doch auch wenn ich jetzt gut von zuhause aus arbeiten kann: Mir fehlen die Kollegen.

Dass ich ein höchst soziales Wesen bin, weiß ich nicht erst seit Corona. Also wundert es mich auch nicht, dass ich die erste in der Redaktion war, als es darum ging, WhatsApp-Gruppen zu installieren und After-Work-Zoom-Calls. Inzwischen weitet sich das virtuelle Abendprogramm immer mehr aus. So gibt es mittlerweile sogar Weinproben via Video-Call mit den Kollegen, die ich ins Leben gerufen habe. Verkosten wohlgemerkt, nicht nur trinken. Oder vielleicht treffender: Erst die (Probier-)Arbeit und dann das (Trink- und Plauder-)Vergnügen. Das funktioniert ganz gut und ist wirklich lustig, unterhaltsam und lehrreich. Die Kollegen nehmen das gerne an und so freuen wir uns alle, wenn wir uns zwischendurch mal live und ein bisschen privat sehen.

Freunde von uns finden die in der Redaktion geborenen Idee so gut, dass sie jetzt auch mit uns virtuell Wein probieren wollen. Also habe ich bereits die nächsten Weine bestellt. Und sowieso bin ich schon wieder dabei, die nächste Runde mit den Kollegen zu organisieren. Das mag nach ein bisschen viel Weinkonsum klingen. Aber die Krise und das Home Office haben auch meine Morgenroutine des täglichen Joggens intensiviert. Und nichts hilft mehr dabei, einen klaren Kopf nach einem langen Abend mit ein bisschen zur Wein zu bekommen, als ein Run entlang der Isar.

(Lena Herrmann, Redakteurin)

Ungeahnte Einblicke

Angefangen hat es abrupt und unvorbereitet. Und jetzt sind es schon neun Wochen. Arbeiten im Homeoffice. Trotzdem fühlt es sich jeden Tag wieder ganz neu an. So schnell kann jahrelange Büroredaktionsalltagsroutine wohl nicht verblassen. Als wäre es gestern gewesen als ich den stationären PC nach Hause geschleppt habe. 

Auch wenn sich eine gewisse Routine eingestellt hat. Die täglichen Videokonferenzen, die Whatsapp-Kollegen-Gruppe und Telefonate haben den Kontakt zur Redaktion intensiviert. Auch wenn die Kollegen auf Zentimetergröße auf dem Bildschirm geschrumpft sind. Nach zwei Monaten kennt man Wohnzimmer, Küchen-, Schlaf-und Badezimmer und Balkone und Dachterrassen der Mitstreiter. Genauso wie Gewohnheiten, Vorlieben, Sorgen und Ängste – nicht zuletzt durch unser wöchentliches W&V-Format. Damit wollten wir uns als Redaktion dem Leser zeigen, tatsächlich  haben wir uns aber auch selbst besser kennengelernt. Das ist schön. Danke dafür Corona.

Neben den Kollegen lernt man aber auch die eigene Familie besser kennen. Was nicht unbedingt immer gut ist. Schlendrian, Jogginghosen, Dauerpausen und Computerspiele. So verbringt die also ihren Tag. Das schlimmste am Homeoffice ist definitv Homeschooling. Hier halte ich es doch lieber mit dem Sprichwort, was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Zu spät. Auch dafür danke Corona.

(Katrin Otto, Redakteurin)

Rituale lassen sich nicht ersetzen

Fast auf den Tag genau zwei Monate ist es her, dass ich einen "normalen" Arbeitstag im Büro hatte. Seit Mitte März sind wir nun in unseren Home Offices. Eine ziemliche Umstellung.

Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Viele liebgewonnene Rituale ("Hallo, wer geht mit in die Kantine?") waren schlagartig weg. Schneller als ich dachte wurden sie durch neue ersetzt. Etwa, dass der zweite Kaffee des Tages jetzt direkt am Rechner eingenommen wird, während man sich in die tägliche Videokonferenz einwählt. Und sich schon auf die Kollegen freut, deren Wohnungen man mittlerweile auch ganz gut kennt (Ich liebe die türkisfarbene Wand in Deinem Arbeitszimmer, Verena!). Oder dass manche Themenkonferenz via Microsoft Teams tatsächlich effizienter und konzentrierter abläuft als das Meeting im dunklen Konfi. 

Trotzdem: Das echte Miteinander fehlt eben doch. Der kurze Austausch am Kaffeeautomaten, bei dem plötzlich eine super Themenidee entsteht, oder auch nur die kurze Witzelei, während man gemeinsam im Aufzug fährt. Das sind Rituale, die die sich nicht so einfach ersetzen lassen. Aber das wird wohl noch etwas dauern.

(Manuela Pauker, Redakteurin)

Wenn schon Homeoffice, dann mit Style

Ja, es war herausfordernd. Ist es noch. Und wird wohl mit Schul-und Kindergartenkindern auch weiterhin so bleiben. Aber: Ein paar gute Dinge sind tatsächlich hängengeblieben: Seit ein paar Wochen mache ich mir tatsächlich jeden Tag bewusst, was heute gut lief, welcher Moment besonders schön war. 

Ich mag mein Team noch viel, viel lieber als vorher. 

Ich trinke noch lieber Wein (Danke, liebe Lena!) 

Und habe gestern nach acht Wochen Homeoffice in Sachen Styling entschieden: Immer nur "Oben hui und unten pfui", eben schön Videokonferenz-tauglich, nervt auch irgendwie, und mir kurzerhand die teuerste Jogginghose meines Lebens gekauft. Denn wenn schon weiter am heimischen Schreibtisch, dann mit Style, bitteschön. Und wer weiß, vielleicht schafft es die Zebrahose ja demnächst sogar mal wieder in die Redaktion. So ganz in echt. Meiner Kollegin Manu würde sie gefallen, da bin ich sicher.

(Belinda Duvinage, Redakteurin)

Auf keinen Fall in Depression verfallen

Die Folgen des Lockdowns sind hart. Für die Familien ebenso wie für die Wirtschaft. Ich und meine Familie hatten bislang Glück, da am 1. März meine Schwiegermutter aus dem Ausland zu Besuch kam. Nichts ahnend, was kurz darauf auf uns zukommen sollte. Sie unterstützt uns seither nach Kräften. Ein Hauch von Großfamilie. Solange, bis die Grenzen wieder aufmachen.

Was mir Sorgen macht, ist etwas völlig anderes. Schon lange vor Corona fand ich eines sehr befremdlich: die depressive Grundstimmung in der Gesellschaft. Laut WHO sind "Depressionen und affektive Störungen" mittlerweile die zweithäufigste Volkskrankheit weltweit. Ich habe Angst, dass sich das verfestigt und schlimmer wird.

Ja - es stimmt: 2020 droht für Kita-Kinder, Schüler, ganze Wirtschaftszweige ein verlorenes Jahr zu werden. Trotzdem dürfen wir nicht in Hoffnungslosigkeit abgleiten. Weder der oder die Einzelne noch die Gesellschaft sind ohne Hoffnung überlebensfähig. Natürlich kommen wieder andere Zeiten! Mit dem, was Menschen in Kriegszeiten erleiden, sind die aktuellen Belastungen - trotz allem - nicht zu vergleichen. Und was das Krisenmanagement unserer Regierung betrifft, gilt es festzustellen: Es gibt derzeit kaum ein Land, mit dem wir gerne tauschen würden.

Stimmungsschwankungen sind ganz normal. Aber wir sind ihnen nicht einfach ausgeliefert. Wir können sie aktiv beeinflussen und mildern, ohne gleich zur nächsten Aluhut-Demo rennen zu müssen. Meine Tochter sagt vor dem Schlafengehen immer: "Träum was Schönes oder träum gar nichts." Auch wenn man es in der Nacht schwer kontrollieren kann – that’s it!

(Markus Weber, Redakteur)

Pandemiese Notbeziehung

Waren Sie schon mal in einer Beziehung, in der sie ziemlich schnell gemerkt haben, dass es eigentlich überhaupt nicht passt? Haben Sie sich vielleicht sogar ertappt, im Kopf eine Strichliste der positiven und negativen Aspekte dieser Verbindung zu führen? Nun, das beschreibt ziemlich genau das Verhältnis zwischen mir und dem Arbeiten in den eigenen vier Wänden – in der inzwischen neunten Woche. 

Nüchternes Ergebnis: Wir sind einfach nicht füreinander geschaffen! Angefangen damit, dass es bei mir keinen Arbeitsplatz gibt, der diesen Namen verdient hätte, fehlt es hier so ziemlich an allem, was beim Arbeiten Freude bereitet. 

Da wäre zuallererst die Qualität eines ergonomischen Arbeitsplatzes, die ich erst jetzt richtig zu schätzen weiß. Und der Luxus zweier Bildschirme, von denen einer ungefähr die vierfache Größe des Laptop-Bildschirms hat, der mir aktuell zum Arbeiten reichen muss. Mein Verbrauch an Augentropfen ist in eine bemitleidenswerte Höhe geschnellt, aber müsste ich benennen, was ich wirklich am meisten vermisse, wären es die Kollegen und alles, was ich mit ihnen verbinde. 

Das fröhliche "Guten Morgen!" mit dem ich schon beim Betreten des Büros von meinem Zimmernachbarn Martin begrüßt werde und das sich munter wiederholt, wenn weitere Kollegen den Kopf zur Tür hereinstecken. Lenas Lachen, das auch drei Zimmer weiter so ansteckend ist, dass man den Grund ihrer Fröhlichkeit nicht kennen muss, um guter Laune zu sein. Die Online-Kantinen-Karawane, die mich immer brav aufsammelt, wenn es zum Essen geht.

Schön ist auch der Plausch am Kaffeeautomaten, wenn man gleichzeitig feststellt, dass ein Kaffee nötig ist und die kurze Zeit des Wartens für den Austausch von Alltäglichem nutzt. Irgendwo wartet immer eine nette Anekdote, die einen mit einem Schmunzeln im Gesicht an den Schreibtisch zurückkehren lässt.

Die Liste der Vorzüge der Büroarbeit ließe sich beliebig ergänzen, aber auch so steht der Sieger meiner Bilanz fest. 

Eine Trennung bahnt sich also an, jetzt wo die schrittweise Rückkehr ins Büro möglich ist. Ungeachtet dessen werde ich nie vergessen, dass wir dies vor allem dem Umstand zu verdanken haben, dass uns das Arbeiten von zuhause ermöglicht wurde. Ein Erfolg, den wir nicht leichtsinnig riskieren dürfen, daher werden wir wohl noch eine ganze Weile eine On-Off-Beziehung führen, mein Heimarbeitsplatz und ich. Aber meine Renovierungspläne stehen. Schreibtisch, Bürostuhl und geeignete Beleuchtung sind fest eingeplant.

(Jessica Davies, Redaktionsassistentin)

Always on

Am Anfang war ich optimistisch, dass das alles schnell vorbeigehen wird. Zu viert, 24 Stunden daheim, Arbeiten im Homeoffice plus Betreuung zweier Kleinkinder, das konnte nur eine Interimslösung sein. Neun Wochen ist das nun her. Geändert hat sich an den Rahmenbedingungen zumindest in unserer Familie seither nichts. Mein Mann und ich arbeiten beide nach wie vor im Homeoffice und betreuen unsere Kinder, zwei und vier Jahre alt, im Schichtbetrieb. Beide gleichzeitig in die Notbetreuung zu schicken, ist derzeit aus verschiedenen Gründen nicht möglich. 

Es gibt Momente, da finde ich das alles fürchterlich und frage mich, wie lange ich diese Doppelbelastung noch aushalten kann. Das sind Momente, in denen ich froh bin, mal kurz zum Müll runter zu laufen. Zum Glascontainer gegenüber. Zum Einkaufen mit dem Fahrrad. Um mal kurz durchzuatmen, ein paar Minuten zu haben, in denen keiner etwas von mir will. Aber diese Momente bleiben glücklicherweise die Ausnahme.

Wir leben eine unheimlich schöne, intensive Familienzeit. Mein Mann und ich haben uns gut mit der beruflichen Situation arrangiert: Wir haben ein Arbeitszimmer eingerichtet für denjenigen, der gerade in Ruhe arbeiten darf oder muss, wie man es sieht. Es klappt wunderbar, die ein oder andere Redaktionskonferenz auch mal vom Garten aus zu führen, während die Kinder schaukeln oder im Sand spielen. Eine umgedrehte Ikea-Kiste auf der Küchenarbeitsplatte ist mittlerweile zu meinem Steharbeitsplatz für zwischendurch geworden. 

Es bringt nämlich auch Vorteile mit sich, als Teilzeitkraft seine Arbeitszeit über den Tag zu verteilen. Hatte ich früher oft das Gefühl, an meinen freien Tagen oder an den Nachmittagen einen wichtigen Teil des Redaktionsalltags zu verpassen, kann ich jetzt auch kurzfristig reagieren.Und so würde ich mir sogar wünschen, dass wir die ein oder andere virtuelle Arbeitsweise auch nach der Krise beibehalten – und den unglaublich tollen Zusammenhalt innerhalb der Redaktion. Liebe Kollegen, ihr seid wunderbar und ich freue mich schon sehr auf Weinprobe Nummer 3!

(Stephanie Gruber, Textchefin)

Der Misanthrop

Es muss Mitte März gewesen sein, noch ganz am Anfang der Quarantänezeit. An der Tür klingelt es, wir laufen zum Schlafzimmerfenster und schauen runter zu Straße. Vor der Haustüre stehen Freunde, die gerade um den Block spazieren. "Wie geht es Euch?", fragen sie aus sicherer Distanz. "Gut", antworten wir und lachen. Corona – was ein lustiges Abenteuer.

Inzwischen ist das Leben mit dem Virus Routine geworden. Und die Frage, wie es uns geht, lässt sich so leicht gar nicht beantworten. Vieles hat uns in den vergangenen zwei Monaten umgetrieben: Die Sorge um die Gesundheit von Familie und Freunden, die eigene Zukunft, aber auch der stille Genuss an den kleinen Freiheiten im Home Office ("Two broke girls" zum Mittagessen) und natürlich die Frage, wieviel Kalorien eine Stunde Online-Yoga verbrennt. Wir sitzen ja sehr viel. 

Im Wesentlichen aber haben wir in den vergangenen zwei Monaten doch vor allem gut funktioniert, im Job, der Beziehung, bei der Nachbarschaftshilfe – alles stundenweise durchgetaktet vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Das Leben in der Isolation kann so atemlos sein und das Schlimmste daran ist: Man gewöhnt sich daran.

Dem Beispiel meiner Freunde folgend laufe ich seit der Begegnung im März hin und wieder selbst ums Haus, um wenigstens kurz frische Luft zu schnappen. Drei Runden dreimal pro Woche, ganz stur. Denn wir neigen inzwischen zum Stubenhocken. Draußen habe ich den Frühling wachsen sehen; das war schön. Als aber neulich wieder ein ungeschickter Mensch, ohne Mundschutz und Abstand zu halten, mir auf dem viel zu schmalen Trottoir entgegengestolpert kam, hab ich gemerkt: Wie irritiert ich auf Leute reagiere, wenn ich außerhalb einer Videokonferenz auf sie treffe. Sollte ich zum Misanthropen geworden sein, menschenscheu? Ausgerechnet ich?

Bevor ich die Frage noch näher erörtern konnte, hatten meine Finger schon instinktiv eine Whatsapp an meine Schwester formuliert. Lebt in Düsseldorf, Karnevalsjeck, empathisch, klug, großes Herz. Sie reist nächste Woche an. Zum Glück stehen im Kühlschrank noch die Burgunder von der letzten Weinprobe mit der Redaktion. Endlich kommt das Leben zurück.

(Conrad Breyer, Redakteur)

Wasserschaden nach zwei Monaten

Zwei Monate lang hat alles gut funktioniert - und pünktlich zum zweimonatigen Home-Office-Jubiläum hat der Telekom-Kasten an der Straßenecke einen Wasserschaden und das gesamte Internet liegt lahm.

(Judith Stephan, Chefin vom Dienst)

Der Beweis: Yes, we can

Zwei Monate Home-Office - Ende in Sicht? Nicht wirklich. Und das hat weniger mit Corona zu tun, als mit den Erfahrungen und Lehren aus dieser Zeit. Wir haben bewiesen, im übrigen auch uns selbst, dass es auch ganz anders geht. Kurz gesagt: Yes, we can. Trotz aller regelmäßig auftauchenden Widrigkeiten hat es geklappt. Weil die Menschen sich darauf eingelassen haben, weil sie sich engagiert haben. Gute Leute machen gute Arbeit, auch wenn sie in der eigenen Küche, dem Schlafzimmer oder auch einem Kinderzimmer arbeiten. Apropos Kinderzimmer: Mein besonderer Respekt gilt den Müttern (und Vätern, die es aber doch oft etwas einfacher haben), die sich durch diese Zeit gekämpft haben und weiter kämpfen. Es ist nämlich eine ganz spezielle Aufgabe, den eigenen Kindern auch noch den Freund oder die Freundin ersetzen zu müssen. Für alle gilt: Aufgabe gemeistert. Es war auch gut zu sehen, wie sich die Leute untereinander gestützt und geholfen haben, bei technischen und bei menschlichen Herausforderungen. Das wird bleiben. Bleiben wird auch eine andere Art zu arbeiten. Noch viel selbstverständlicher als vorher wird es eine Mischung sein, aus Büro und Heimarbeitsplatz, aus Konferenz und Display. Warum? Weil es geht und vor allem: weil es den Menschen hilft. 

(Holger Schellkopf, Chefredakteur und Mitglied der Geschäftsleitung)

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Autor: Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland und Kanada, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.

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