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Digitale Innovation
Zwischen Wertschöpfung und Würde

Auch auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas tummeln sich wieder humanoide Roboter. Das ist ein Irrweg, meinen die Innovationsmacher Christian von Reventlow und Philipp Thesen - und fordern einen viel radikaleren Ansatz.

Text: W&V Redaktion

10. Januar 2019

LG-Boss I.P. Park auf der CES
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Die Elektronikmesse CES in Las Vegas ist eine Bühne für Sensationen. Sei es ein selbstfahrendes Motorrad von BMW oder ein Roboterhund von Sony mit programmierter Niedlichkeit. Seit längerem schon tauchen auf Überraschungsshows wie der CES auch humanoide Roboter auf. Dr. I.P. Park zum Beispiel, Präsident des koreanischen Konzerns LG, hielt in Las Vegas seine key note neben einem Digitalgesellen mit menschlichem Antlitz.

Ein Irrweg, meinen Christian von Reventlow und Phlipp Thesen. Roboter sollten nicht wie Menschen aussehen. Von Reventlow ist Innovationsvorstand des australischen Telko-Marktführers Telstra, Thesen ist Professor für "Mensch-System-Interaktion" an der Hochschule Darmstadt und war davor Designchef der Deutschen Telekom.

Keine der heutigen Roboterformen erzeuge eine positive Empfehlungsrate, sagt Christian von Reventlow. "Der Mensch will mit einer Maschine interagieren, die auch aussieht wie eine Maschine und ihm nicht vorgaukelt, so zu sein wie er", sagt Philipp Thesen.

Gemeinsam haben die beiden Zukunftsmacher jetzt ein Buch veröffentlicht mit dem Titel "Die Rolle des Designs, wenn sich künstliche Intelligenz zu persönlicher Intelligenz wandelt". Darin geht es allerdings um einen noch deutlich weiter gefassten Begriff von Design, denn:

Was dürfen Maschinen?

Alle Produkte und Geschäftsmodelle basieren auf Daten. Die Schnittstelle zwischen diesen Daten und dem Menschen bildet das große Fragezeichen. Wie werden Maschinen und Roboter aussehen und was dürfen sie überhaupt?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor rund einem Monat gesagt: "Der Mensch darf nicht hintenrum ausgebeutet werden, indem er ein kostenloser Datenlieferant wird und anschließend keinerlei Hoheit über diese Daten mehr hat. Denn das ist, in der Endkonsequenz gedacht, die Vernichtung der Individualität."

Datenhoheit, Datensouveränität, Dateneigentum – all das sind juristisch betrachtet äußerst gefährliche Begriffe. Aus ökonomischer Sicht stellt sich schließlich die Frage, wie digitale Wertschöpfung erfolgen kann. Aus gesellschaftlicher Sicht hingegen geht es um nichts weniger als die Würde des Menschen.

Die zurzeit wohl wichtigste Debatte überhaupt wird auf verschiedenen Feldern geführt: Datenschutz, Kartellrecht, Design – um nur einige Beispiele zu nennen. Ein ausführliches Interview mit Christian von Reventlow und Philipp Thesen sowie einen Bericht zum Stand der Datenschutzdebatte lesen Sie in der aktuellen W&V.

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