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Manipulation und Umerziehung?
120.000 Euro fürs ”Framing Manual“: ARD eckt an

Das Auftauchen des "Framing Manual" an sich sorgte schon für Debatten um die PR-Pläne der ARD. Jetzt verschärfen die Kosten die Diskussion - bis hin zu massiven Vorwürfen durch die AfD.

Text: W&V Redaktion

20. Februar 2019

Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm könnte "Framing" gerade gut brauchen ...
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Diskussionen hat das "Framing Manual" schon ausgelöst, als es außerhalb der ARD noch kaum jemandem bekannt war. "Die Aufregung um das Papier halte ich für völlig übertrieben", teilte der ARD-Vorsitzende und BR-Intendant Ulrich Wilhelm jetzt mit.

Die Initiative, sich mit Sprache und ihrer Wirkung eingehender zu beschäftigen, reicht nach den Angaben von ARD-Vorsitz und -Generalsekretariat zurück in die Zeit vor rund zwei Jahren, als Medien generell stark kritisiert worden seien. Damals lag der ARD-Vorsitz noch beim MDR.

Die Kosten für die Arbeitsunterlage und begleitende Workshops beliefen sich der ARD zufolge auf 90.000 Euro, die der MDR als Vorsitzanstalt bezahlt hat. Weitere 30.000 Euro habe das ARD-Generalsekretariat für Folgeworkshops bezahlt. Es handele sich um eine Workshop-Unterlage von 2017 und nicht um eine verbindliche Kommunikationsstrategie oder um eine Handlungsanweisung an die Mitarbeitenden, erklärte nun der jetzige ARD-Vorsitzende Wilhelm. Jede Landesrundfunkanstalt habe frei entschieden, wie sie mit den Erkenntnissen umgehe.

Seit dem Wochenende ist es raus

Eigentlich sollte das Werk geheim bleiben. Am Sonntag hat die Plattform Netzpolitik.org das 89-seitige Papier der Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling dann doch ins Internet gestellt.

Und ARD-Chefredakteur Rainald Becker hält die Reaktionen auf das Framing Manual für unverhältnismäßig: "Ich kann da keinen Skandal entdecken, wie einige das getan haben. Wir haben niemanden unter Mindestlohn bezahlt, wir haben niemanden unterdrückt. Ich finde das eine künstlich aufgeblasene Diskussion." Es sei gut, wenn sich die ARD mit Sprache und Begrifflichkeiten auseinandersetze, sagte Becker. "Ich persönlich hätte dieses Papier aber nicht gebraucht."

Wehling hatte zum Thema "Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD" zum Beispiel empfohlen, die ARD solle nicht nur Fakten nennen, sondern immer in Form von moralischen Argumenten kommunizieren, wenn sie möglichst viele dazu bringen wolle, sich hinter die Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu stellen. 

Gerade in den sozialen Medien war schnell die Kritik an dem Papier laut geworden, die ARD versuche die Diskussion über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu manipulieren und gebe Mitarbeitern Sprachregelungen vor.

Andreas Cichowicz, Fernseh-Chefredakteur beim NDR, twitterte am Montag mit dem Kommentar "Trägt hoffentlich zur Versachlichung bei“ den Link zur Stellungnahme von Elisabeth Wehling zur Kritik an dem Papier. Die Sprachwissenschaftlerin hatte kurz zuvor auf ihrer Website eine ”Klarstellung“ veröffentlicht: Ihr Auftrag sei gewesen, die Kommunikation der öffentlich-rechtlichen ARD als Institution zu analysieren und auf Basis der wissenschaftlichen Erfahrung aufzuzeigen, welche Alternativen zu welchen Worten mit welchen Bedeutungsinhalten besetzt seien, erklärte sie.

Dazu habe es entsprechende Workshops gegeben, bei denen sie anwesend gewesen sei. Das "Framing Manual" sei als "interne Arbeits- und Diskussionsunterlage" verfasst worden, "um damit eine breite Grundlage an Optionen zu haben, was davon für eine etwaig daraus abzuleitende Kommunikationsmaßnahmen genutzt werden soll, und was jedenfalls nicht".

Wehling, die in Berkeley/Kalifornien in Linguistik promoviert hat, gilt als Expertin für Framing. Darunter verstehen Kommunikationswissenschaftler, dass etwa bei Diskussionen bestimmte Fragestellungen oder Formulierungen den Rahmen dafür setzen, wie über ein Thema gesprochen wird.

Die AfD giftet

Das umstrittene Werk pickt – erwartungsgemäß – die besonders ARD/ZDF-kritische AfD am Mittwoch auf. Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der Partei im Deutschen Bundestag, lässt verkünden: "Die Arroganz der ARD-Gewaltigen bricht alle Maßstäbe. Erst bestellt man bei einer fragwürdigen 'Wissenschaftlerin' für einen stolzen sechsstelligen Betrag einen Leitfaden zur Bürger-Gehirnwäsche. Dann versucht man das peinliche Papier auch noch krampfhaft geheimzuhalten, obwohl der öffentlich-rechtliche Rundfunk doch angeblich 'uns allen' gehören soll. Das ist ein Skandal, der dem 'Fall Relotius' mindestens ebenbürtig zur Seite steht."

Das "Manipulations-Handbuch" triefe vor "Verachtung für die Bürger und Gebührenzahler", so Weidel.

Das Netz sieht die Diskussion so:

dpa/ps

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