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Kolumne
220 Millionen wollen sinnvoll investiert werden

Nico Lumma und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator beschäftigen sich mit Themen, über die man im Laufe der Woche sprechen sollte. Diesmal: Förderung der Verlagsbranche

Text: W&V Redaktion

6. Juli 2020

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Als wir vor drei Wochen an dieser Stelle geschrieben haben, dass wir Investitionen in den digitalen Wandel der Medienwelt für viel sinnvoller halten als die Zustellung der gedruckten Tageszeitung staatlich zu fördern, war das Echo aus der Medienbranche nicht nur positiv. Durchaus einige Vertreter meldeten sich, dass wir die Prioritäten falsch einschätzen.

Nun ja, letzte Woche hat die Große Koalition in Berlin beschlossen, 220 Millionen Euro für die digitale Transformation der Verlagsbranche zur Verfügung zu stellen und dabei gleichzeitig die zuvor geforderten 40 Millionen Euro für die Zustellungsförderung einkassiert. Das ist ein starkes Signal aus Berlin, denn die Verlagsbranche benötigt jede Unterstützung, die sie bekommen kann bei den Herausforderungen, vor denen sie steht. Bislang haben sich vor allem Google und Facebook dabei hervorgetan, die Branche finanziell zu unterstützen, um Innovationen voranzutreiben. Und dieses Geld wurde auch gerne angenommen.

Es gibt natürlich (durchaus berechtigte) Kritik, dass jetzt aus Steuergeldern die Verlagsbranche gefördert wird, dass der Prozess nicht wirklich transparent war und wie immer wird es auch Stimmen geben, die eine Einflussnahme befürchten. Aber nachdem die Entscheidung gefallen ist, sollten wir versuchen, die positiven Aspekte zu beleuchten. Gerade weil die Große Koalition nicht die von den Verlagen gewünschte finanzielle Unterstützung bei den Zustellkosten verabschiedet hat, sondern den Fokus auf die digitale Transformation gelegt hat. Die Medienbranche steht vor der immensen Herausforderung, dass sich die Aufmerksamkeiten im digitalen Bereich andauernd verändern, während zeitgleich die Print-Auflagen zurückgehen und mit den digitalen Angeboten noch nicht so viel verdient wird, wie für den nachhaltigen Betrieb eines Medienhauses notwendig ist. Für unsere Demokratie sind Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit wichtige Grundpfeiler, die wir erhalten müssen, gerade im lokalen und regionalen Bereich. 

Beim next media accelerator arbeiten wir seit fünf Jahren zusammen mit Medienhäusern und Agenturen daran, Innovation im Medienbereich voranzutreiben. Wir tun dies, indem wir Startups und Corporates zusammenbringen, damit aus der Zusammenarbeit neue Dinge entstehen, neue Arbeitsweisen entwickelt werden und der Austausch zwischen den Innovatoren am Rand mit denjenigen, die im Kern den Laden am Laufen halten, immer besser funktioniert. 

Was soll nun aus den 220 Millionen Euro der Bundesregierung werden? Wir können uns nur ein Modell vorstellen, bei dem nicht große Summen in wenige Leuchtturmprojekte gekippt werden, sondern bei denen Verlage und Startups gemeinsam Projekte definieren, die dann gefördert werden und in denen auch neue (agile) Arbeitsweisen erprobt werden. Nur so können wir in der Breite innovative Themen vorantreiben und zwar in dem Tempo, das zu den unterschiedlichen Akteuren der Branche passt. Das Ziel muss es doch sein, dass in Zukunft digitale Geschäftsmodelle besser und nachhaltiger funktionieren, damit die Zukunft der Versorgung mit News und anderen Inhalten in Deutschland gesichert ist.

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