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Umstrukturierung im Verlag
Axel Springer will 50 Millionen Euro einsparen

Wachstumspotenzial sieht das Haus nur noch bei Video, Sport und Paid Content. In diese Bereiche werden 100 Millionen Euro investiert.

Text: W&V Redaktion

30. September 2019

Stephanie Caspar: "Wir investieren konsequent in die Zukunft der Marken."
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Über geplante Einsparungen bei Axel Springer wurde bereits im Vorfeld reichlich spekuliert. Jetzt hat der Konzern verkündet, wo nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors KKR der Rotstift angesetzt wird: Im Bereich News Media National sollen die Kosten um 50 Millionen Euro gesenkt werden.

Und so sieht das Verschlankungs-Konzept aus: Wo das Geschäft weiterhin rückläufig ist, wird "gespart und Personal reduziert", teilt das Unternehmen mit. Heißt: Neben Vorruhestandsregelungen und Fluktuation soll ein Freiwilligenprogramm mit finanziellen Anreizen sowie "individuell zugeschnittenen Qualifizierungsmöglichkeiten" den Mitarbeitern den Ausstieg erleichtern.

Bild und BamS wachsen weiter zusammen

Konkret sieht das so aus: Die Personaldecke wird in den Verlagsstrukturen, den Redaktionen sowie bei den Vermarktern Media Impact und Sales Impact reduziert. Die Redaktionen von Bild und Bild am Sonntag (BamS) werden noch weiter zusammengeführt – zu der Frage, ob Bild-Chefredakteur Julian Reichelt wie gemutmaßt dann auch noch die BamS übernimmt, gibt es aber bislang keine offizielle Aussage.

Die B.Z. konzentriert sich künftig auf regionale Inhalte, die sie auch für den Berlin-Teil von Bild liefert, umgekehrt versorgt Bild die B.Z. mit überregionalen Inhalten. Die werktäglichen Ausgaben der Welt Kompakt sowie der Welt Hamburg werden eingestellt, das Wirtschaftsmagazin Bilanz redaktionell in die Welt  integriert.

100 Millionen Euro werden investiert

Auto Bild und Computer Bild werden sich auf die beiden Haupttitel, Spezialmagazine und die Erschließung neuer Geschäftsmodelle für die beiden Marken konzentrieren. Print hat noch Bestand: Bild inklusive der Regionalausgaben, B.Z., BamS, Welt und Welt am Sonntag werden auch als gedruckte Zeitungen weiter bestehen.

Es soll aber nicht nur eingespart werden, sondern auch investiert. Für den Bereich News Media National macht der Konzern in den nächsten drei Jahren insgesamt mehr als 100 Millionen Euro locker, die in erster Linie in eine Live-Video-Strategie von Bild fließen sollen. Bei der Welt wird frisches Geld vorrangig für ein sogenanntes Contributoren-Modell mit einem Netzwerk aus Experten und Kommentatoren ausgegeben. Bei beiden Marken soll damit ein "erheblicher Ausbau der digitalen Abonnentenbasis" erreicht werden.

Bild wird zur TV-Marke

Bild sollen die Veränderungen "zur attraktivsten Live-Plattform für News, Entertainment und Sport" machen; zudem soll die Medienmarke auch auf TV-Bildschirme gebracht werden. Bei der Welt wird der Paid Content-Bereich weiter ausgebaut.

Zudem erfolgt im kommenden Jahr der Umzug in den Axel-Springer-Neubau mit einem gemeinsamen Newsroom für Fernsehen, Digital und Print. Ein redaktionelles, markenübergreifendes Sport-Kompetenzzentrum produziert auf die jeweiligen Marken zugeschnittene Inhalte für Welt, Bild und Sport Bild. Zudem ist geplant, im Sportbereich  neue Geschäftsmodelle und Zielgruppen zu erschließen.

"Voraussetzung für Wachstum"

 "Wir gehen mit Bild und Welt jetzt den nächsten Schritt und investieren konsequent in die Zukunft der Marken", sagt Stephanie Caspar, Vorstand News Media National & Technology bei Springer. Wachstumspotenzial sehe man vor allem noch bei Video, Sport und Paid Content. Strukturen in Bereichen, die nicht mehr wachsen, müsse man jedoch verkleinern: "Das erfordert Einschnitte, leider auch bei Mitarbeitern, die sich täglich mit viel Leidenschaft für den Erfolg unserer journalistischen Marken einsetzen."

Und auch, wenn es auf den ersten Blick widersprüchlich wirke, gleichzeitig zu sparen und zu investieren, glaube man dennoch: "Es ist die Voraussetzung für den Erfolg unserer Wachstumsstrategie."

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