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Großbritannien
BBC-Rundfunkgebühr steigt um drei Pfund – pro Jahr

Die leichte Anhebung reicht nicht aus, um die Haushaltslücke der Rundfunkanstalt zu schließen. Deshalb sollen rund 450 Stellen in den Newsrooms abgebaut werden.

Text: W&V Redaktion

4. Februar 2020

Die Rundfunkanstalt muss 80 Millionen Pfund einsparen.
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Die jährliche Rundfunkgebühr für die BBC steigt im Zeitraum nach dem 1. April 2020 um drei Pfund, umgerechnet knapp 3,60 Euro, auf künftig 157,50 Pfund (187 Euro). Dies hat jetzt die britische Regierung unter Premierminister Boris Johnson bestätigt.

Im Vereinigten Königreich ist es Sache der Regierung, die Höhe der Rundfunkgebühr sowie eventueller Erhöhungen festzusetzen. Im Jahr 2016 hatte die Regierung – noch unter Premierminister David Cameron – beschlossen, die Gebühren über einen Zeitraum von fünf Jahren jeweils an die Inflationsrate anzupassen. Die liegt derzeit bei zwei Prozent.

In einer Mitteilung beeilte sich die BBC darauf hinzuweisen, dass die Gebühr pro Woche lediglich 3,02 Pfund betrage. Dafür, so die Rundfunkanstalt, biete sie neun nationale TV-Kanäle plus regionale Programme, 10 nationale und 40 Lokalradios, die Online-Mediathek BBC iPlayer sowie mit BBC.com eine der populärsten Websites des Landes.

Jeder britische Haushalt, in dem die TV-Programme live angesehen oder heruntergeladen werden oder der den iPlayer nutzt, ist zur Zahlung der Rundfunkgebühr verpflichtet – gleichgültig, ob der Empfang über einen Fernseher, Computer oder ein anderes Gerät erfolgt.

Finanzierungslücke von 80 Millionen Pfund

Allerdings gibt es eine Ausnahme, die der BBC derzeit erhebliche Probleme bereitet. Bislang waren nämlich alle Briten über 75 Jahre von der Rundfunkgebühr befreit. Die Zahlungen für diese Altersgruppe erfolgten über Steuermittel, die die Regierung an die BBC weiterleitete. Diese Regelung läuft aber nach einem Beschluss der Tory-Regierung im Juni dieses Jahres aus. Die Folge: Eine gewaltige Finanzierungslücke im Haushalt der Rundfunkanstalt.

Künftig sind nur noch diejenigen Briten über 75 Jahre von der Gebühr befreit, die aufgrund ihrer geringen Rente einen staatlichen Zuschuss, den sogenannten Pension Credit, erhalten. Doch selbst diese Regelung beschert der BBC noch immer eine Finanzierungslücke in Höhe von jährlich rund 80 Millionen Pfund (95 Mio. Euro). Angesichts der deshalb erforderlichen Kostenreduzierungsmaßnahmen hatte die Rundfunkanstalt vergangene Woche den Abbau von etwa 450 Arbeitsplätzen vor allem in den verschiedenen Newsrooms angekündigt.


Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.

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