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Irritation in der Branche
BDZV-Präsident Döpfner sorgt mit Angriff auf ARD und ZDF für Unmut

Mathias Döpfner prangert in einer Rede beim Jahreskongress der Zeitungsverleger die "gebührenfinanzierte digitale Staats-Presse" an. Das will nicht jeder so hinnehmen.

Text: W&V Redaktion

19. September 2017

BDZV-Präsident Mathias Döpfner bringt Teile der Medienbranche gegen sich auf.
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Eine Rede von BDZV-Präsident Mathias Döpfner auf dem Jahreskongress der Zeitungsverleger hat reichlich Wellen in der Branche geschlagen. Döpfner hatte in Stuttgart unter anderem die Finanzierung von öffentlich-rechtlichen Rundfunkangeboten von ARD und ZDF angeprangert, die den Verlegern quasi unlautere Konkurrenz mache: "Wir erleben im Netz nach wie vor eine mit öffentlich-rechtlichen Geldern finanzierte Flut textbasierter Gratis-Angebote, nichts anderes als eine gebührenfinanzierte digitale Staats-Presse, die den Wettbewerb verzerrt und uns Presseverlagen kaum Entfaltungsmöglichkeiten lässt."

Aber auch die die Steuermitteln finanzierten Amtsblätter sind dem Axel Springer-Chef ein Dorn im Auge: Sie würden den lokalen und regionalen Zeitungen inhaltlich Konkurrenz machen - da sei "eine Grenze überschritten". Der BDZV wolle dagegen ebenso vorgehen wie gegen städtische Online-Angebote und die News-Apps einiger Stadtwerke.

Gegen andere schießen - keine Lösung

Derlei Äußerungen beurteilt der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) äußerst kritisch. Die Verleger sollten lieber vor ihrer eigenen Tür kehren, findet der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall: "Der Zeitungskongress des Verlegerverbands wird seinem eigenen Anspruch nicht gerecht, dem Medium Zeitung neue Impulse zu geben, wenn nur gegen andere geschossen wird."

Der DJV-Chef sieht zwar positiv, dass Döpfner die Verleger in seiner Rede auch aufgefordert hatte, mit Investitionen in Qualitätsjournalismus gegen Fake News vorzugehen. Das wiege allerdings die Tatsache nicht ganz auf, ja sei sogar geschmacklos, dass der BDZV-Präsident gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk "das gleiche Vokabular benutze wie die Pressefeinde von Pegida und AfD."

Gar nicht amüsiert zeigte sich erwartungsgemäß auch die ARD-Vorsitzende Karola Wille: "Wenn Herr Döpfner suggeriert, in Deutschland blockiere eine ,Staatspresse im Netz’ nach ,dem Geschmack von Nordkorea’ die Entfaltungsmöglichkeiten der Verlage, bewegen wir uns klar im Bereich von Fake News." Diese Wortwahl bestätige zudem "durch Weiterleiten und Teilen in den sozialen Medien unter Berufung auf den BDZV leider Populisten, Verschwörungstheoretiker und ihre willigen Claqueure."

"Nur falsche Interpretation"

Das will man beim BDZV allerdings nicht auf sich sitzen lassen: Karola Wille interpretiere die Aussage falsch, heißt es in einem Statement des Verlegerverbands. Tatsächlich habe Döpfner in der betreffenden Passage mehrere Punkte formuliert: Er sei fest davon überzeugt, dass das duale System in Deutschland "eines der allerbesten der Welt" sei, und man durchaus "die Vielfalt der privaten Angebote" benötige.

Sollte sich hingegen ein Szenario durchsetzen, in dem es nur noch öffentlich-rechtliche Sender im Netz, aber keine privaten Verlage mehr gebe, "eher etwas nach dem Geschmack von Nordkorea". Das sei aber mitnichten ein Vergleich der ARD mit Nordkorea, sondern das Gegenteil – nämlich der Appell, ein solches Szenario zu vermeiden.

Ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk allerdings wirklich der bedrohlichste Feind der Zeitungsverleger ist – darüber gab es auf dem Kongress auch differierende Meinungen. In einer Diskussionsrunde, in der die Finanzierungsproblematik noch einmal aufs Tapet kam, kam es erneut zu Unstimmigkeiten. Bis Mitdiskutant Hermann Eicher, der das Rundfunkbeitragsrecht in der ARD betreut, der Geduldsfaden riss: "Wir sind nicht Ihr Problem", so der Justiziar des SWR im Hinblick auf die wachsende Macht von Google und Facebook im Werbemarkt.

Und damit hat er nicht ganz unrecht.

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