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Kolumne
Bei Innovation immer auch an die Startups denken

Nico Lumma und Christoph Hüning sind Managing Partner beim Next Media Accelerator und schreiben jede Woche darüber, welche Trends sich gerade entwickeln und wie Startups etablierte Marktteilnehmer herausfordern.

Text: W&V Redaktion

2. November 2020

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
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Treue Leser:innen dieser Kolumne wissen, wie sehr uns das Thema Startups am Herzen liegt und dass wir fest davon überzeugt sind, dass diese perfekt geeignet sind, um Innovation und digitale Transformation in Medienhäusern und Agenturen voranzutreiben.

Und wir wissen uns in guter Gesellschaft, zum Beispiel sind wir als NMA im Global Accelerator Network GAN engagiert und bekommen dort aus erster Hand mit, wie Startup-Programme in anderen Ländern und Industrien funktionieren, welche Methoden sie nutzen und wie die Akzeptanz bei den jeweiligen Partnern ist.

Unser eigenes Modell für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Corporates und Startups haben wir "Easy Testing" getauft. In einem gerade veröffentlichten Whitepaper stellen wir diese Methode genauer vor und präsentieren die Erfolge und Learnings der letzten 5 Jahre. Bei der Zusammenstellung der Cases konnten wir nochmals erleben, wie gewinnbringend diese Zusammenarbeit für beide beteiligten Seiten ist.

Wenn also die Zusammenarbeit mit Startups ein nachgewiesener Treiber oder zumindest Katalysator von Innovation und digitaler Transformation sein kann, sollten sich dann nicht alle relevanten Veranstaltungen auch mit diesem Thema beschäftigen? Aber gerade hier sehen wir eine gewisse Diskrepanz, die aus unserer Sicht leider nicht sinnvoll ist. So gibt es mit der Bits & Pretzels eine große Konferenz, die sich selbst als "Europe’s biggest founder festival" bezeichnet. Startups und Gründer:innen sind hier Kernthema und omnipräsent und das branchenübergreifend. Im Gegensatz dazu fanden in dieser Woche die alljährlichen Münchner Medientage statt und vor kurzem das Scoopcamp in Hamburg. Was hier auffällt: Beide Veranstaltungen behandeln die Zukunft der Medienindustrie und kommen im Kernprogramm komplett ohne das Thema Startups auf.

Bei den Medientagen haben unsere Freund:innen vom Media Lab Bayern mit der Innovation Week ein wirklich tolles Parallel-Programm rund um das Thema Innovation aufgezogen, bei dem natürlich auch Startups als Thema stattfanden. Aber bei den Medientagen selber gab es an fünf Tagen nichts oder vielleicht in einer Nische, die wir nicht wahrgenommen haben.

Wie kann das sein? Wir wissen es nicht, wirklich nicht. Wir hören immer wieder, dass in klassischen Medienhäusern zu wenig Ressourcen verfügbar sind, um neben dem Tagesgeschäft auch noch Innovation zu bearbeiten. Covid-19 hat dies sicher nicht einfacher gemacht. Aber ist Innovation nur etwas für gute Zeiten? Das kann nicht so sein. Doch das Thema Startups war schon häufig zunächst etwas für die Reputation oder das Marketing. Wenn Veranstalter sich überlegen, "auch etwas wie Die Höhle der Löwen" ins Programm einzubauen - spätestens dann ist klar, dass das Thema nicht ernst genug genommen wird (wobei #DHDL ein starkes Medienformat ist, aber halt kein echtes Startup-Ding).

Unser Appell an dieser Stelle ist klar: Immer, wenn ein:e Entscheider:in über Innovation und / oder digitale Transformation nachdenkt, muss die Frage der Zusammenarbeit mit Startups von Anfang an mitbedacht werden. Sicher gibt es auch Fälle, wo Startups nicht die richtige Lösung sind. Aber wenn nicht ab Beginn daran gedacht wird, ist es häufig zu spät, weil dann in der IT schon Entscheidungen getroffen wurden, die einer flexiblen Anbindung im Wege stehen oder in Marketing und Vertrieb schon alternative Vorgehen festgelegt sind.

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