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Streamingtipps
Berlinale-Filme auf Netflix, Amazon Prime & Co.

Das größte Publikumsfestival der Welt bietet eine einzigartige Mischung aus bekannten Größen und Nischenproduktionen. In den Streamingtipps stellen wir die besten Filme der letzten Jahre vor.

Text: W&V Redaktion

21. Februar 2020

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Die Berlinale öffnet dieses Jahr zum 70. Mal ihre Pforten. Jährlich lockt das Event mehr als 300.000 Besucher in die deutsche Hauptstadt. Eine Zahl, die gerade in Zeiten des zunehmenden Kinosterbens durchaus beeindruckt. So rühmen sich die Internationalen Filmfestspiele Berlins ganz zurecht, das größte Publikumsfestival der Welt zu sein – ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Größen der Branche, wie Cannes und Venedig.

Nicht minder bemerkenswert ist die Vielfalt des Programms: Unter den Beiträgen (in diesem Jahr werden insgesamt 340 Filme gezeigt) befinden sich nicht nur namhafte Produktionen, die in der prestigeträchtigen Sektion "Wettbewerb" um goldene und silberne Bären konkurrieren. Besonders interessant sind auch die unbekannteren, teils experimentellen Filme aus ganz unterschiedlichen kulturellen Perspektiven, die voraussichtlich keinen (deutschen) Kinostart haben werden.

So reichen auch unsere Streamingtipps vom japanischen "37 Seconds", dem Publikumsliebling der letzten Berlinale, über nicht-prämierte Beiträge, wie dem britischen "God’s Own Country" und dem US-amerikanischen "Empörung", die aber dennoch für Gesprächsstoff sorgten oder (zu Unrecht!) eher unbeachtet blieben. Bis hin zu dekorierten Produktionen, wie dem Animationsfilm "Isle of Dogs – Ataris Reise", für den Regisseur Wes Anderson bei der 68. Berlinale mit einem silbernen Bären ausgezeichnet wurde und der weiterhin hochaktuellen italienischen Dokumentation "Seefeuer",  mit dem goldenen Bären als bester Film der Berlinale 2016 prämiert.

Mehr Streamingtipps gibt's im Feed auf shelfd.com. Und wenn Sie keine Highlights mehr verpassen möchten, dann holen Sie sich die Neustarts von Netflix oder Prime Video direkt in Ihren Kalender. Happy Streaming!

"37 Seconds" – Gewinner des Publikumspreises auf der 69. Berlinale

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Bei Netflix verfügbar

Yuma (Mei Kayama) hat nach ihrer Geburt genau 37 Sekunden nicht geatmet. Sekunden, die zu einer Zerebralparese und damit zu enormen körperlichen Einschränkungen führten. Behindern aber möchte sich die junge Frau dadurch nicht länger lassen.

Der Film der japanischen Regisseurin und Produzentin Hikari begleitet die Protagonistin in ihrem langwierigen Emanzipationsprozess, indem sie sich nicht nur aus den Fängen ihrer überfürsorglichen Mutter Kyoko Takada (Misuzu Kanno), sondern auch von ihrer Cousine Sayaka (Minori Hagiwara) befreien muss, die Yumas Talent als Mangazeichnerin schamlos für ihren eigenen Erfolg ausnutzt.

Auf ihrem Weg macht sie teils skurrile, teils komische Erfahrungen – sodass auch der Film zwischen Heiterkeit und einem Gefühl der Bedrückung wandelt.  Besonders sehenswert wird er durch die sympathisch-kämpferische Yuma und die kuriosen, aber liebenswerten Charaktere, denen sie begegnet.

Hier geht es zum Film.

"Empörung" – Teilnehmer in der Sektion "Panorama Spezial" auf der 66. Berlinale

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Leihbar bei Amazon

Der junge Marcus Messner (Logan Lerman) ist ehrgeizig, hilfsbereit und höflich. Eigenschaften, die den Studenten am christlichen Winesberg College in Ohio beliebt machen müssten. Doch sein kompromisslos rationales Denken, das sich unter anderem in einer Begeisterung für die Schriften des Philosophen Betrand Russel zeigt, und seine atheistische Haltung machen ihn für die konservative Gesellschaft der frühen 1950er verdächtig. Seine Verliebtheit in die ebenfalls unverstandene, depressive Olivia (Sarah Gadon) führen schließlich zu unfreiwilligen Anfeindungen mit der Universitätsleitung.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Philip Roth, inszeniert James Schamus ("Brokeback Mountain", "Jeder stirbt für sich allein") den tragischen Niedergang eines jungen Idealisten. Ein Feuerwerk an klugen Dialogen macht "Empörung" zur cineastischen Ausnahmeerscheinung.

Hier geht es zum Film.

"God's Own Country" – Teilnehmer in der Sektion "Panorama" auf der 67. Berlinale

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Bei Netflix verfügar

John Saxby (Josh O’Connor) ist vor allem eines: Wütend. Unzufrieden mit seiner eigenen trostlosen Existenz als Bauer auf einem Einödhof im britischen West Yorkshire, besäuft er sich regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit. Als ihn der rumänische Leiharbeiter Gheorghe (Alec Secăreanu) bei der Schafszucht unterstützen soll, wird auch er – neben seinem herrischen Vater (Ian Hart) und seiner fordernden Großmutter (Gemma Jones) – Ziel seiner Feindseligkeiten. Als sich Gheorghe als überaus fähiger Farmer erweist, verdient er sich nicht nur allmählich Johns Respekt, sondern erweckt auch dessen sexuelles Interesse an ihm.

In seinem Spielfilmdebüt erzählt Francis Lee ein raues Liebesdrama, das durch seine Bildgewalt und ein außergewöhnliches Setting überzeugt.

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Isle of Dogs – Ataris Reise” – Eröffnungsfilm der 68. Berlinale 

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Bei Sky Ticket verfügbar 

20 Jahre in der Zukunft, im japanischen Archipel, bestimmt Bürgermeister Kobayashi per Notverordnung die Deportation aller Hunde nach "Trash Island", nachdem zuvor angeblich ein mysteriöses "Schnauzenfieber" ausgebrochen sein soll. Betroffen von der neuen Politik ist auch Spots, Haustier des 12-jährigen Atari, selbst das Mündel des Bürgermeisters. Im gestohlenen Flugzeug begibt er sich zur Rettungsmission auf die Insel. Dort angekommen, schließt er sich mit einem Rudel Hunde zusammen, das sich den Kampf gegen ihre eigene Vernichtung zur Aufgabe gemacht hat.

Wes Andersons Stop-Motion-Animationsfilm, für dessen Regiearbeit er mit dem silbernen Bären ausgezeichnet wurde, erzählt im Kleinen und mit erstaunlicher Leichtigkeit, von enormen Themen wie Faschismus und Widerstand. Im Original von einer Vielzahl an bekannten Künstlern (u.a. mit Bryan Cranston, Tilda Swinton und Yoko Ono ) eingesprochen, ist das Ergebnis ein kurzweiliges Sehvergnügen mit Tiefgang.

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Seefeuer” – Gewinner des Goldenen Bären (bester Film) der 66. Berlinale 

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Bei TVNow Premium verfügbar

Ganz ohne Off-Kommentar zeigt der italienische Regisseur Gianfranco Rosi zwei Lebensrealitäten auf der kleinen Insel Lampedusa zur Hochphase der Flüchtlingskrise. Die fast idyllische Alltagswelt der Inselbewohner wird brachial der Ankunft von Geflüchteten in Auffangstationen, dem tausendfachen Sterben auf dem Mittelmeer, gegenübergestellt.

Den parallel zueinander existierenden Sphären nähert sich Rosi dabei gänzlich unterschiedlich: Samuele, der 12-jährige Sohn eines Fischers hat keinerlei Berührungspunkte mit den Asylsuchenden – durch ihn wird das Publikum an das ganz normale Inselleben herangeführt. Demgegenüber wahrt die Dokumentation stets die Distanz zu einer anonymen Masse an Geflüchteten, die die Insel nach nur wenigen Tagen wieder verlassen werden. Einzig Dr. Bartolo, der als Arzt gerettete Asylsuchende behandelt, tritt als Mittler auf. 

"Seefeuer" gelingt es so, das absurde Paradox anzusprechen, dass trotz der unmittelbaren großen Katastrophe, eine nüchterne Normalität aufrechterhalten bleibt – dass der Alltag, weitgehend unberührt von jeder Tragik, weitergeht. Eine Dokumentation, die seit der Berlinale 2016, auf der sie mit dem Goldenen Bären als bester Film ausgezeichnet wurde, noch immer nicht an Aktualität eingebüßt hat.

Hier geht es zum Film.

Autorin:

Arabella Wintermayr hat Politikwissenschaft studiert und arbeitet als freie Redakteurin beim Fernsehen. Ihre Leidenschaft gilt Filmen und Serien, die sich an die großen Fragen des Lebens und der Gesellschaft trauen.


Autor: W&V Leserautor

W&V ist die Plattform der Kommunikationsbranche. Zusätzlich zu unseren eigenen journalistischen Inhalten erscheinen ausgewählte Texte kluger Branchenköpfe. Einen davon haben Sie gerade gelesen.

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